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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 127

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Die Rechtsstellung der Wormser Juden im Mittelalter
Date
1935-01-01
Page
Seite 127 (sequence 6)
Language
German
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Guido Kisch. Die Rechtsstellung der Wormser Juden im Mittelalter wie: „unser libe bürgere von Wormezen, beide cristene unde juden“, „unser bürgere, cristen oder juden“, „deme bescheiden juden Manne von Colle, burger zu Wormesze“22). Als die Stadt im Jahre 1283 dem Bischof Simon huldigt, läßt sie sich wörtlich versprechen, daß er „alle Privilegien, Freiheiten und gute Gewohnheiten, die seine lieben Bürger von Worms, beide, Christen und Juden, haben, beobachten, vermehren und nicht vermindern“ werde23). Wiederholt wird dem Wormser Rat vom Bischof und König das Recht eingeräumt und bestätigt, Christen oder Juden als Bürger aufzunehmen24). Und gleichsam, um auch den geringsten Zweifel an der Deutlichkeit und dem Sinn der Ausdrucksweise der angeführten Rechtsurkunden unmöglich zu machen, überliefert der Heidelberger Rechtskodex Pal. Germ. 163 in der mittelalterlichen Sammlung von Wormser Ratsverordnungen eine Bestimmung (Art. 154), durch die Voraussetzungen und Rechtsformen für die Erteilung des Bürgerrechts an Juden genau geregelt werden. Dieses bedeutsame Dokument von außerordentlicher rechts-, sozial- und kulturgeschichtlicher Wichtigkeit, dem zur Zeit meines Wissens kein anderes ähnliches aus deutschen Rechtsquellen an die Seite gestellt werden kann, soll hier in seinem vollen Wortlaut Raum finden25). „Item eynen juden sal man enphahen zu eynem burger in dirre wise: zu dem ersten sal er gen zu der juden byschoff und zu der juden ratherren, daz sy yn enphangen nach ir gewonheit. wan daz geschehen ist, so sal der juden bischoff und ir ratherren ader ander juden bit dem bischoff den juden, der do enpangen ist von in, (und sullent yn) furen zu unserm herren dem bischoff von Wormß und den ratherren und sullent sprechen, daz sy yn nach yrn syden enphangen haben zu eynem burger, so sullent sie yn auch zu eynem burger enphahen und sal dan globen, getruwe und holt zu sin dem bischof, dem rade und der stat gemeynlichen. so ist er ein burger und sal dan auch geben dem bischoff ein virtel wins und yedem richter ein halbez, der stede schriber I/II und den dienern drinckegelt.“ Zum Erwerb des Bürgerrechts in Worms bedurfte es der Erfüllung gewisser rechtlicher Voraussetzungen eines besonderen Rechtsaktes und bestimmter Leistungen. Vorbedingungen und Vorgänge 22) UB. Worms I. Nr. 408, S. 267, Zeile 25 f. (1283); Nr. 454, S. 302, Zeile 24 (1293); II., Nr. 666, S. 430, Zeile 18 f. (1370); vgl. Koehne, S. 105, Anm. 5. — Doch scheint es in Worms auch Juden gegeben zu haben, die nicht als Bürger bezeichnet werden, so die im UB. Worms I., Nr. 462, S. 305, Zeile 28 f. (1294) wie folgt erwähnten Eheleute: „Menlinus et Sara, conjuges, judei Wormade residentes“; vgl. Fischer, S. 161 Anm. 2. 23) UB. Worms I., Nr. 408, S. 267, Art. 6 (1. Aug. 1283): „Darnach so virgehen wir unde virbinden uns, daz wir alle di hantfesten, reicht unde friheit unde gutde giwonheit, di unser übe bürgere von Wormezen bdde cristene unde juden, sunder oder sament, hant unde herbracht hant, daz wir di haltden steitde bessern unde nit ergeren“; vgl. Koehne, S. 116; Fischer, S. 80 f. 24) UB. Worms I., Nr. 454, S. 302, Z. 16 ff. (1293): „Darnach daz wir den rat von Wormze nit hindern sulen, swanne si wellen, unser dinstlute oder ander lute cristen oder juden zu burger emphahen“; UB. Worms II., Nr. 94, S. 59, Z. 32ff. (1315): „Wir geben in auch die mäht unde den gewalt, daz sie emphahen mogent ze burger in ir stat juden, weihe des begerent, an alle irrunge, unde setzen daruf ein pene, wer daz iemer geirrete, daz der hundert phunt goldes schuldig ist ze gebene, halber unser kamer unde halber der stat“; Nr. 492, S. 327, Z. 3 ff. (1355): „Auch mugen si empfahen zu burger in ir stat juden, welche des begerent, an alle irrunge“; vgl. Koehne, S. 106 Anm. 1. 25) Nach dem Abdruck bei Köhler, S. 42 f. 127

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