Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die Eigenart der Wormser Gemeinde in ihrer geschichtlichen Wiederkehr
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 15)
- Language
- German
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Max Freudenthal. Die Eigenart der Wormser Gemeinde in ihrer geschichtlichen Wiederkehr sind und die leider nicht mehr in unserer Mitte weilen. Frohe Genugtuung empfand ich darüber, daß in manchen Fällen sich das Wort bewahrheitet hat: ,tachath abothecho jihju bonecho (Psalm 45, 17), an der Väter Stelle sind die wackeren Söhne getreten*. Wenn die Männer, die vor 100 Jahren unseren Verein gegründet haben, heute in unsere Mitte treten würden, so würden sie manches verändert finden, ob zum Besseren, wollen wir heute an unserem Feste nicht untersuchen. Eines aber würden sie erkennen, daß dasselbe echt jüdische, liebewarme Herz, das in ihrem Busen schlug, auch in unserem Innern waltet. Es hat uns veranlaßt, das Werk, das mit solch anerkennenswerter Opferwilligkeit unternommen worden, sorgfältig weiter zu entwickeln. Einen Wunsch gestatten Sie mir noch zum Schlüsse auszusprechen. Wenn einst nach abermals 100 Jahren eine frohe Festversammlung sich zusammenfindet, um den 200jährigen Bestand unseres Vereins zu feiern, dann mögen die Versammelten sprechen können: ,aschre jalduthecho, Heil uns Jüngeren*, wir haben den Erwartungen der Aelteren, die vor 100 Jahren beisammen waren, entsprochen, auch wir sind erfüllt von dem echt jüdischen Geiste wahrer Menschenliebe. Ja, meine Freunde, von unseren Kindern wollen wir die frohe Erwartung hegen, daß sie gleich uns mit aller Kraft eintreten werden für Werke der Wohltätigkeit und der Menschenliebe.** Diese frohe Erwartung erfüllte sich in Steins eigenen Kindern; gehört doch heute vor allem sein Sohn, Professor Dr. Nathan Stein, zu den führenden Persönlichkeiten des deutschen Judentums und stellt in vornehmster Form wiederum und aufs Neue den Typus dar, den die langjährige Geschichte der Wormser Gemeinde aufweist. Man kann nur wünschen, daß, wie sich auch in Zukunft das Schicksal der Wormser Gemeinde und das der deutschen Juderiheit überhaupt gestalten wird, diese durch Jahrhunderte hindurch entwickelte und bewährte Wesensart sich erhalten möge. Sie wird weiter dem Judentum zum Segen und dem Deutschtum ganz gewiß nicht zum Schaden* sondern nur zur Ehre gereichen. 114