Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die Synagoge zu Worms
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Richard Krautheimer. Die Synagoge zu Worms im späten 13. Jahrhundert, sind die Fenster der Männersynagoge verändert worden — spitzbogig, mit einer Kehle im Gewände. Der Okulus über dem Scheitel könnte noch später sein; er zerschneidet das Fenstergewölbe. Vielleicht hängt er mit der ersten Vertreibung von 1349 zusammen. 1615 werden die Juden zum zweitenmal vertrieben, die Synagoge demoliert. Wenn es auch nicht so schlimm war, daß „nicht ein Stein auf dem andern blieb“, wie ein Gewährsmann von Schudt schreibt, so müssen doch die Zerstörungen ziemlich groß gewesen sein. Nach der unter dem Druck des stets in Geldnöten befindlichen Kaisers erfolgten Wiedereinholung der Juden findet ein großer Umbau statt Das kaiserliche Reskript vom 16. Februar 1616 verordnet, daß den Wünschen der Juden Vorschub geleistet werden soll, „soviel dann die reparation und Auffbauung ihrer Synagoge belangt“. 1620 wurde nach dem Bericht des Juda Kirchheim die Männersynagoge restauriert Damals hat David Oppenheimer, wie das Wormser Memorbuch berichtet, „auf eigene Kosten die Bima in der Synagoge, sowie die Jeschiba hinter der Synagoge . . . erbauen lassen ... Er gab zum Bau der Synagoge 100 Königstaler . . .“ Die Jeschiba hinter der Synagoge ist natürlich die sog. Raschikapelle. Der Umbau der Synagoge aber, zu dem er die hohe Summe von 100 Talern hergab, kann nur auf die Frauensynagoge sich beziehen: die mittlere Säule, wie die Konsolen wurden damals ersetzt, die Gewölbe hier und in der Männersynagoge neu eingezogen, nachdem man die Mauern der Frauensynagoge über den Gewölben durch Mauerblöcke (am Scheitelpunkt der Gewölbe) verstärkt hatte. In die Wand zwischen Männersynagoge und Frauensynagoge wurde die Türe samt den begleitenden vier stichbogigen Fenstern eingebrochen, die hier bis 1843 die Verbindung herstellten. Die Fenster der Männersynagoge und der Frauensynagoge mußten zum größten Teil erneuert werden, die große Anzahl der Steine im Gewände, die die gleichmäßige parallele Scharrierung des 17. Jahrhunderts zeigen, spricht deutlich genug. Am ganzen Mauerwerk der Männersynagoge muß geflickt worden sein: in der Nähe der kleinen Südtür ist ein Wasserspeier des 14. oder 15. Jahrhunderts unter die verwendeten Steine geraten. Vor die Südfront der Frauensynagoge setzte man den kleinen Vorbau, der unten eine Vorhalle und das Treppenhaus, oben die Gemeindestube enthält, und dessen Portale und Fenster eindeutig auf das frühe 17. Jahrhundert weisen. (Nach dem obenerwähnten Bericht des Juda Kirchheim muß auch schon das alte Gebäude eine Vorhalle gehabt haben.) Ueber dem vergrößerten Bau hat man das heutige Walmdach errichtet. Damals hat man offenbar auch den Eingang zur Männersynagoge zu einem reizvollen kleinen Vorhof mit Blendarkaden auf beiden Seiten umgestaltet. Der kleine einschiffige, mit halbkreisförmiger Apsis geschlossene Bau der Raschikapelle, der an die Westwand der Männersynagoge sich lehnt, ist, wie Juda Kirchheim sagt, 1624 errichtet worden; zum Ueberfluß bestätigt das noch eine Inschrift, die über ihrer Tür zu lesen ist. Der Formenapparat am Portal wie am „Raschistuhl“ — der Aufbau mit toskanischen Pilastern, die Besetzung der Sockel mit größeren Diamanten, die Eckrosetten am Portal — dazu die hohlgekehlten Rippen des Gewölbes mit aufgesetzten Knöpfen am Ablauf und den merkwürdigen spiralförmig gedrehten Konsolen der Ostwand — läßt eine andere Da- 98