Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die Synagoge zu Worms
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Richard Krautheimer. Die Synagoge zu Worms tierung auch gar nicht zu. Das Dach, das die westlichen Fenster der Männersynagoge von jeher überschnitt, war ursprünglich steiler — die Spur ist an der Westwand der Synagoge noch zu sehen. Wie es kam, daß der Name Raschis, der um die Mitte des 11. Jahrhunderts in Worms lebte, an diesen kleinen Bau sich knüpfte, läßt sich kaum entscheiden. Sicher ist, daß 1615 eine alte Jeschiba zerstört wurde, die ihren Namen vielleicht mit mehr Recht trug. Sie aber stand nach Juspa Schammes dort, wo jetzt das Spital der Gemeinde sich befindet. Ueber das Aussehen der alten Bima gibt eine Lithographie von 1843 Auskunft: sie stand als quadratisches Podium mit vier spitzbogigen Oeffnungen an jeder Seite zwischen den beiden Rundpfeilem der Synagoge; eine zweite, kleine Spitzbogenarkatur, wie die erste mit Nasen, bildete den oberen Abschluß. Das Profil der Bogen — Stücke davon lagen im Schutt über den Gewölben (sie sind jetzt im Gemeindemuseum) — ist hohlgekehlt. Als Brüstung stehen zwischen den unteren Arkaden Baluster: so wird es wahrscheinlich, daß Oppenheimer nicht die ganze Bima neu errichtete, sondern daß es sich nur um eine Renovierung handelte, bei der eben die Balusterbrüstung in die alte Bima, die ihren Formen, wie der Scharrierung der Bruchstücke nach aus dem 14. Jahrhundert stammte, eingezogen wurde. Ueber das Aussehen des Arons, der ebenfalls 1624 neu errichtet wurde, läßt sich kein Bild gewinnen: es bleiben uns die Bruchstücke in der Hand, die, in den Giebeln vermauert, als Stützen des Lesepultes verwandt, im Museum aufbewahrt werden; schmale Friese mit verhältnismäßig breitem, erhabenem Rand und Zickzack- oder Traubenmotiven auf dem tief gelegten, gestockten Grund; eine Krone mit großen Diamantfacetten, wie am Stuhl und am Portal der Raschi-Jeschiba. Zu einer Rekonstruktion langen die Reste nicht aus. Zum zweitenmal sucht eine Verwüstung 1689 die Synagoge heim: sie wird zum Pferdestall verwendet, dann zum Magazin. Schudt erzählt davon und fügt bei, daß „nach erfolgtem Rißwickischen Frieden . . . die Juden sogleich ihre Synagoge schon renoviert und ein Dach von Schiffersteinen über das Ge wölb gesetzt hätten, daß es ein recht schönes Aussehen bekommen“. Das war also 1697. Der Aron von 1624 mag stark beschädigt gewesen sein, man verwendete seine Reste in den Volutengiebeln der Männersynagoge. Der neue Aron, eine Aedikula kompositer Ordnung mit gebrochenem Dreiecksgiebel und Obelisken auf den Enden des Gebälks ähnelt dem etwa gleichzeitig entstandenen Aron in Fürth. Der Dachstuhl ist noch der alte von 1697. 1843 hat der Bau einen letzten und entscheidenden Umbau durchgemacht: die Wand zwischen Männer- und Frauensynagoge wurde mit zwei riesigen spitzbogigen Oeffnungen durchbrochen; die alte Bima wurde abgerissen; im Westen der Männersynagoge wurde eine Empore eingebaut2); die Fenster von der Frauensynagoge zur Vorhalle wurden vermauert und die Außenmauern der Frauensynagoge samt der Vorhalle mit einer dicken Putzschicht überzogen — der Bau war renoviert. Die neue Ausmalung 1926 hat die Fehler, so gut es ging, wieder gutgemacht. 2) Die Empore ist erst Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts eingebaut worden. 99