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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 66

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Die jüdische Gemeinde in der Johanniterordensstadt Friedland
Date
1935-01-01
Page
Seite 66 (sequence 3)
Language
German
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Gerhard Krüger. Die jüdische Gemeinde in der Johanniterordensstadt Friedland teten. Neben diesen wirtschaftlichen Vorteilen, die die Juden der Stadt Friedland brachten, wurde vom Bürgermeister und Rat auch rühmend hervorgehoben, daß sie „bei letztentstandender Feuersgefahr anno 1721 sich sehr fleißig zur Rettung unseres Städtgens bezeuget“. Auch die Stände der Niederlausitz setzten sich für Beibehaltung des jüdischen Hausierhandels ein, da in den meisten Städten der Niederlausitz keine gute Ware zu bekommen wäre. Ueberdies laufe das Verbot den Landesgewohnheiten schnurstracks zuwider. In Dresden nahm sich der Hofjude Marcus seiner Friedländer Glaubensgenossen an und war ihnen mit Rat und Tat behilflich. Vor allem aber machten die Akzisebeamten darauf aufmerksam, daß die Juden im Jahre 1728 durch den Hausierhandel etwa 300 Taler an die Akzisiekasse abgeführt hätten, die nun fortfielen. Als sich am 6. Januar 1730 der Ordensmeister persönlich an den sächsischen Kurfürst wandte und darlegte, daß die Juden ohne den Hausierhandel nicht leben könnten, traf im April 1730 eine günstige Antwort ein. Nur in Guben, Luckau, Lübben und Ca lau blieb es den Friedländer Juden auch ferner verboten, Handel zu treiben. Auch die S o r a u e r Kaufleute hatten von ihrer Standesherrschaft ein Privileg erlangt, wonach in ihrer Stadt kein Jude zum Handel zugelassen wurde. In all diesen Städten durften sie nur zu den öffentlichen Jahrmärkten erscheinen. Der Landesherr, der weiteren Widerspruch der einheimischen Krämer befürchtete, ordnete an, daß den Juden die Konzession zum Betriebe des Hausierhandels „nicht allzu öffentlich“ erteilt würde. Auch sollten die Zollbeamten fleißig aufpassen, daß sie alle Abgaben richtig zahlten. So mußten die Juden beispielsweise Waren verzollen, die für christliche Kaufleute frei passierten. Akzise zahlten sie doppelt so viel wie diese. 464 Taler Handelsakzise nahm die landesherrliche Regierung 1725—1727 von den Friedländer Juden ein. Die jüdischen Hausierer waren äußerst rührige Leute, stets darauf bedacht, ihren Handel zu erweitern. Bei der Landbevölkerung fanden sie besonders deshalb Anklang, weil sie auch Butter, Käse, Leinewand, getragene Kleider, Alt-Silber, goldene Ringe, Felle und Pferde in Zahlung nahmen und Waren auf Kredit abgaben. Zuweilen zogen 1—2 Juden mit Pferd und Karren im Lande umher, bis sie Pferd und Wagen irgendwo losgeschlagen hatten. Dann setzten sie ihren Weg zu Fuß fort. Meistens aber bereisten sie die Niederlausitz einzeln und trugen ihren Kram auf dem Rücken. Oeffneten sie ihr Pack, so boten sich den begehrlichen Blicken der Landbevölkerung Spitzen, mit Gold und SilbeF verzierte Stoffe, schlesische und oberlausitzer Leinewand, Halstücher, Schnupftücher, Strümpfe, Perlen, silberne Taschenuhren, Tabakdosen, Ringe und andere Herrlichkeiten dar. Die meisten Waren kauften sie auf der Frankfurter Messe. Tuche handelten sie meist in Resten, ganze Stücke erstanden sie nur bei besonders günstigen Gelegenheiten, so z. B. bei Ausverkäufen. Da die christlichen Handelsleute der Niederlausitz neben ihrem Handel oftmals die Landwirtschaft und Bierbrauerei betrieben, gerieten sie vielfach ins Hintertreffen. Auf ihre Beschwerde ordnete die Landesregierung 1733 an, daß die Juden sich auf solche Waren beschränken sollten, die von den Krämern nicht geführt würden. Jedoch wiesen sowohl das Ordensamt als auch die Lübbener Amtsregierung demgegenüber darauf hin, daß es kaum eine Ware gäbe, die von den Krämern nicht verkauft würde. Auch die Niederlausitzer Stände setzten sich für den Handel der Juden ein, da sonst der Landmann wegen jeder Kleinigkeit meilenweit gehen müsse. Der Lübbener Amtshauptmann von Burgsdorf meinte gar, die Bevölkerung kaufe lieber von Juden, weil sich die christlichen Kaufleute nicht mit einem christlichen Nutzen begnügen wollten. Während die Juden von jedem Taler Ware 1 Groschen 6 Pf. Akzise und 4 Pf. Zoll zahlten, entrichteten die Christen nur 6 Pfg. Akzise und gar keinen Zoll und verkauften doch die Elle 1—2 Groschen teurer als die Juden5). 5) Rep. 139 L Nr. 924. 66

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