Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Wiederaufnahme der Juden in die brandenburgischen Städte nach dem Schwarzen Tode
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 2)
- Language
- German
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Hans Lichtenstein. Zur Wiederaufnahme der Juden in die brandenburgischen Städte legen, Perleberg, Strausberg und Luckau) haben wir zwar keine Kunde von Verfolgungen, aber ebenso fehlt jede Nachricht über Juden im 14. Jahrhundert; erst um die Mitte des 15. oder zu Beginn des 16. Jahrhunderts finden wir wiederum Juden in ihnen. Nur in fünf Städten (Frankfurt a. d. O., Neuruppin, Prenzlau, Arnswalde und Pritzwalk) fehlt jede Kunde von Verfolgungen, während Juden in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nachweisbar sind; wir dürfen daher annehmen, daß die jüdischen Bewohner dieser Orte von den Schrecknissen des Schwarzen Todes verschont geblieben sind. Bei diesem Umfang der Verfolgungen kann man nicht behaupten, daß den Juden in der Mark zur Zeit des Schwarzen Todes ein besseres Schicksal als anderswo beschieden gewesen ist. Der Grund der Verfolgungen ist derselbe wie im übrigen Deutschland: die Juden werden * verdächtigt, die Brunnen vergiftet zu haben, um so ihre christlichen Mitbürger zu vernichten. In einer undatierten Urkunde, die aber jedenfalls im Frühjahr 1349, vor dem Eindringen der Pest, ausgestellt ist, sichert der Rat zu Perleberg den dortigen Juden seinen Schutz zu10); „falls jedoch durch zuverlässige Männer offenbar und bewiesen wird, daß die genannten Juden den Tod der Christenheit veranlaßt haben oder in Zukunft veranlassen werden, sollen sie dafür erleiden, was das Recht fordert, wie es heißt, daß die Juden anderswo Menschen durch Vergiften umgebracht haben.“ Die Verfolgungen gehen durchweg von den Bürgern aus. Ausdrücklich bezeugt ist dies für Soldin10 a), Berlin-Cölln, Stendal11) und Salzwedel12). Nur in der Neumark scheinen die Stadtbehörden die Juden vor dem Landesherrn geschützt zu haben, und in einem Falle läßt er sämtliche Juden einer Stadt (Königsberg, N.-M.) verbrennen, am 23. Februar 135113). Doch ist anzunehmen, daß dies nicht mehr mit dem Schwarzen Tode in Verbindung stand, sondern andere, uns unbekannte Gründe gehabt hat. Die brandenburgischen Juden galten schon vor Erlaß der Goldenen Bulle (1356) als markgräfliche Kammerknechte, und deshalb erhebt der Markgraf Anspruch auf das hinterlassene Judengut. So schenkt Ludwig der Aeltere am 21. Oktober 1350 dem Dekan der Soldinschen Kirche zu Berlin (oder Berlinchen) ein Haus, das früher dem Juden Meyer gehört hatte14). Wo wie in Salzwedel14 a) der Rat über den Besitz der Juden verfügt hatte, ist es später zu einem Vergleich mit dem Landesherrn gekommen14 b). Entsprechend nahmen die Markgrafen von der Rache für ihre ermordeten Kammerknechte gegen Zahlung von Entschädigungen Abstand14 c). Noch im Jahre 1350 aber wurden die ersten Juden wieder in brandenburgischen Städten aufgenommen, und zwar einzig und 10) Riedel A III 381 f. Der Herausgeber läßt den Schutzbrief allerdings um 1350 erteilt sein, aber aus dem Inhalt geht hervor, daß die Pest Perleberg noch nicht erreicht hat. Ferner weilen die Juden schon in der Stadt, von einer Aufnahme ist nicht die Rede. 10a) Vgl. Fußn. 7. 1* 1) Riedel B II 333 f. (22. Juli 1351). B VI 87 f. (4. Jan. 1352). Urkunden-Buch zur Berlinischen Chronik, hgg. vom Verein für die Geschichte Berlins. 1252 bis 1550. 2. Teil, Berlin 1880, Nr. 132 (2. Jan. 1361). Riedel A XV 139—41. 152—54 (Stendal, 13. Nov. 1351. 22. März 1360). 12) Riedel A XIV 130 (23. März 1363). 13) Riedel A XXIV 48 (30. Nov. 1349). A XIX 223. 14) U.-B. zur Berlinischen Chronik Nr. 88. 14a) Vgl. Fußn. 9. 14b> Vgl. Fußn. 12. 14<0 Vgl. Fußn. 7. 11, 12. 60