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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 59

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Zur Wiederaufnahme der Juden in die brandenburgischen Städte nach dem Schwarzen Tode
Date
1935-01-01
Page
Seite 59 (sequence 1)
Language
German
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Zur Wiederaufnahme der Juden in die brandenburgischen Städte nach dem Schwarzen Tode Von Hans Lichtenstein Die auffällige Erscheinung, daß die Juden unmittelbar nach der Pestverfolgung von 1348—49 in denselben Städten wieder Aufnahme fanden, deren Bürger sie soeben als Brunnenvergifter verbrannt oder vertrieben hatten, teilweise noch in denselben Jahren, in denen der Schwarze Tod seine Opfer forderte, ist oft behandelt worden1), aber meist im Hinblick auf die Verhältnisse in West- und Süddeutschland; das Kolonialland im Osten dagegen mit seiner verhältnismäßig geringen jüdischen Bevölkerung blieb in der Regel unberücksichtigt2). Es bedarf aber noch der Untersuchung, ob die Gründe und die Einzelheiten der Verfolgungen wie der Wiederaufnahme im Osten dieselben waren wie in den älteren Teilen Deutschlands. Hoeniger3) hat bemerkt, daß die Verfolgungen die brandenburgischen Juden anscheinend weniger schwer getroffen haben als ihre Glaubensgenossen im Süden und Westen. Dieser Eindruck kann bei der Lückenhaftigkeit der Quellen entstehen, läßt sich aber bei näherer Betrachtung nicht aufrechterhalten. Daß die Fürsten4) und die Stadtobrigkeiten5) die Juden zu schützen versuchten, ist auch sonst in Deutschland vorgekommen, nur ist dieser Versuch selten von Erfolg begleitet gewesen. In der Mark Brandenburg nun ist dieses Bemühen nur in Spandau, Perleberg und der Neumark bezeugt, und wir wissen, daß es trotzdem in Spandau6) und Soldin7) zu Verfolgungen gekommen ist. Welchen Umfang das Morden angenommen hat, zeigt die folgende Ueberlegung. Wir kennen 26 Orte, in denen Juden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts lebten, und an nicht weniger als neun von ihnen sind Verfolgungen ausdrücklich bezeugt (Stendal, Berlin, Spandau, Brandenburg, Guben8), Salzwedel9), Tangermünde, Osterburg und Soldin). An weiteren zwölf Orten (Nauen, Templin, Havelberg, Arneburg, Seehausen, Werben, Kyritz, Jüterbog, Gardex) Zuletzt von Ellen Littmann, Studien zur Wiederaufnahme der Juden durch die deutschen Städte nach dem schwarzen Tode. Diss. Köln. Breslau 1028. 2) Ludwig Davidsohn in seinen wertvollen „Beiträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Berliner Juden vor der Emanzipation“, Berlin 1920, scheidet leider nicht zwischen den Zuständen vor und nach dem Schwarzen Tode. 3) Robert Hoeniger, Der Schwarze Tod in Deutschland, Berlin 1882, S. 8f. 4) Riedel, Codex diplomaticus Brandenburgensis, Berlin 1838 ff., A XI 300 f. (Spandau, 23. Nov. 1340). 5) Riedel A III 381 f. (Perleberg). XXIV 48 (Neumark). 6) Siegmund Salfeld, Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches, Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland III, Berlin 1898, S. 85. 7) Riedel A XVIII 457 f. (31. Juli 1340). 8) Salfeld, S. 84. 85. 270, Anm. 1. 9) Riedel A XIV 114 (1. Dez. 1357). 59

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