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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 52

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Leipziger Meßjuden kämpfen um die Gleichberechtigung
Date
1935-01-01
Page
Seite 52 (sequence 3)
Language
German
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Arno Kapp. Leipziger Meßjuden kämpfen um die Gleichberechtigung Wünschen der Handelsdeputierten an. Das aber war dem Kurfürsten zuviel. Er gestattete am 21. Januar des Jahres 1800 „den fremden Handelsjuden das Feilhalten ihrer Waaren während der Messen in der Reichsstraße“. Trotzdem ließ der Rat im Jahre 1804 einer Reihe von jüdischen Händlern auf der Reichsstraße durch Gerichtsknechte ihre Waren wegnehmen, weil sie nach ausfeläuteter Messe noch mit Bändern auf der Reichsstraße feilhielten. Diese traße scheint einer der gesuchtesten Verkaufsplätze der jüdischen Händler gewesen zu sein. Im Jahre 1804 hatten hier folgende Kaufleute Meßbuden errichtet (siehe Leipziger Ratsarchiv, II. Sekt. C/599, Bl. 202!): Aus Lissa: Joseph Marcus, Samuel Jacob und Isaac Jacob; aus Dessau: Hirsch Jacob, Pincus Jacob, Israel Colin, Isaac Aaron, Simon Aaron, Hirsch Salomon, Abraham Zacharias, Mendel Joseph, Wolff Abraham, Wolff Jacob, Samuel Jacob und Nathan Moses; aus Meseritz: Jacob Wolf; aus Hamburg: Moses Abraham Dreyer; aus Teplitz: Isaac Müller, Moses Köhler, Abraham Bauer; aus Schwerin: Aaron Joseph, Aaron Joel, Michael Abraham, Mendel Moses und Abraham Salomo; aus Gröbzig: Hanna Bendix; aus Tirschtigel: Wolff Liebmann; aus Zerbst: Salomon Aaron; aus Bemburg: Moses Assur, David Salomon und Samuel Gumpel. Außerdem hatte noch eine Eva Heynemann, deren Geburtsort nicht angegeben ist, einen Verkaufsstand errichtet. Am 27. Januar 1806 erschienen Kramermeister und Handelsdeputierte abermals vor dem Rate und beschwerten sich über „die täglich mehr überhand nehmende Ausbreitung der handelnden Meß-Juden und deren Handel überhaupt, besonders aber auch darüber, daß die Juden von der eigentlichen Vorschrift, nach welcher sie mit ihrem Handel anfänglich blos auf Stuben und Kammern, und nachher conmivendi auf den Brühl und den unteren Theil der Reichsstraße angewiesen worden, seit einiger Zeit gar sehr abweichen, und durch Beziehung ordentlicher Gewölber sich in die Hauptstraßen einzunisten suchen, wobey sie denn unter anderem anführen, daß eben jetzt wieder ein Hamburger Jude, Nahmens Hirsch David Oppenheim, im Reichenbachschen Hause auf der Catharinenstraße auf nächstkommende Jubilatemesse ein Gewölbe zu beziehen im Begriffe sey. Wir insgesamt wissen diesem allen nichts weiter beyzufügen, als daß wir die Klagen allenthalben billig und gerecht finden, und daß durch die mehrere Ausbreitung der Juden nicht allein dem gantzen handelnden Publico allerdings auf vielfältige Art, wie erwiesen werden kann, beträchtlicher Schaden zugefügt werden kann, sondern auch mit Recht zu befürchten sey, daß selbige, wenn ihnen nicht ernstlicher Einhalt geschiehet, nach und nach die besten Gewölber an sich zu bringen suchen werden.“ Kramer und Kaufleute verlangten am Schlüsse ihrer Eingabe noch, daß der Rat dem Hausbesitzer und Bankier Reichenbach verbieten werde, sein Gewölbe an den Hamburger Juden zur Messe zu vermieten. Der wackere Bankier aber lehnt das Ansinnen der christlichen Kaufleute ab, da er mit Oppenheim einen fünfjährigen Kontrakt gemacht habe. Er rechtfertigt sich vor dem Rate am 4. Februar 1806 durch nachstehendes Schreiben (L. R. Archiv, II. Sekt. 0/140 b): „Es scheint, als wollte man mir einen Vorwurf daraus machen, daß ich mein Gewölbe an einen jüdischen Handelsherren vermietet habe . . . Ich hoffe jedoch, daß solche Verfassung überhaupt mit den toleranten Grundsätzen unseres Zeitalters nicht zu vereinigen ist.“ Und in einem Briefe vom 26. Februar desselben Jahres schreibt Reichenbach an den Rat: „Will die Obrigkeit ihre Vorschriften maintonieren, nachdem sie weilland ein Bürgermeister selbst übertreten hatte?“ Oppenheimer beauftragt mit der Wahrung seiner Interessen den damaligen Akzisinspektor und Advokaten Johann Christian Gottlieb Haase, welcher am 7. März 1806 an den Rat der Stadt schreibt: „Die ganzen Eingaben der . . . Herren Cramermeister und Handels- Deputierten zu Leipzig zeugen von äußerst intoleranter und mit dem Zeitgeiste im Mindesten nicht zu vereinbarender Gesinnung. Ja, wollte man auf die eigentlichen Motive ihres Verlangens zurückgehen, so dürfte man wohl ohne Schwierigkeit entdecken, daß Egoismus und die Furcht, durch eine mit wenigem Profite zufriedene Nachbarschaft in dem unmäßigen 52

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