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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 40

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Die deutsche Judenfrage vor 100 Jahren
Date
1935-01-01
Page
Seite 40 (sequence 7)
Language
German
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Ismar Freund. Die deutsche Judenfrage vor 100 Jahren Ein aus Köln datierter Artikel der Hanauer Zeitung, welcher sich auf eine ruhige Weise über die p. p. Judenordnung ausspricht, dürfte sich, nach dem Bericht des Gesandten „indem er die Vorteile hervorhebt, welche unsere Judenordnung vom 11. März 1812 den Israeliten zugesteht, ferner des Art. 16 der deutschen Bundesakte und einer wahrscheinlichen Beschwerde der Judenschaft beim Bundestag erwähnt und an die Weisheit unserer Regierung appelliert“, „wegen des Gemessenen und zugleich Künstlichen in seiner Abfassung einen noch allgemeineren Beifall und umso größere Wirkung versprechen.“ Wenn der Gesandte auch eines zustimmenden Artikels im Neuen Hessischen Volksblatt Erwähnung tut, glaubt er die Bemerkung nicht unterlassen zu sollen: „Eigentümer dieses Blattes ist der Abgeordnete F. F. Hofmann, dessen Gesinnungen in Bezug auf die Juden in Süddeutschland gerade kein Geheimnis sind, und dem man nicht selten vorwirft, daß er das Hessische Volksblatt zum Verkünder dessen erwählt, was er selbst als Abgeordneter in der Kammer nicht zu beantragen wagt.“ Ist das die allgemeine Reaktion der Oeffentlichkeit auf den Plan, so kann man sich leicht vorstellen, welche Stimmung er bei den zunächst Betroffenen, den Juden, auslöste. Bezeichnend dafür ist eine Vorstellung, mit der sich unter dem 26. Februar die Notablen der Judenschaft in Bonn (unterzeichnet von H. Cahn, Bankier und Gutsbesitzer, I. L. Eskeles, Inhaber einer Fabrik und Gutsbesitzer, S. Wolff, Königlicher Hofagent, und Dr. med. A. Wolff) an den Minister des Innern wandten. „Zwei Zeitungsartikel“, so heißt es darin, „in der Allgemeinen Augsburger und der Frankfurter Postamtszeitung haben die israelitischen Bewohner des Niederrheins in die größte Bestürzung versetzt. Ke nachteiligen Folgen der Befürchtung der Möglichkeit der Einführung eines solchen Edikts äußern sich schon jetzt auf höchst beunruhigende Weise. Mehrere bedeutende jüdische Familien scheinen sich mit der Absicht zu tragen, auszuwandem. Andere entziehen ihre Kapitalien schon jetzt der Zirkulation, um für den schlimmsten Fall vorbereitet zu sein. Jede Idee von Erwerb von Grundbesitz scheint aufgegeben, und es ist nicht zu verkennen, daß jüdische Kaufleute schon jetzt die Spuren eines gewissen Mißtrauens bei ihren Geschäftsfreunden wahrzunehmen haben.“ Die Aeltesten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, für welche die Veröffentlichung eine um so schmerzlichere Ueberraschung bedeutete, als sie nach den ihnen kurz vorher vom Minister v. Brenn gemachten Mitteilungen über den Reformplan an solche Möglichkeiten auch nicht im Entferntesten hatten denken können, beratschlagten, was gegenüber der drohenden Gefahr zu tun wäre. Ein Teil der Mitglieder vertrat den Standpunkt, daß sich die Aufgaben des Kollegiums in der Beaufsichtigung und Ordnung der „speziellen, meist ökonomischen Interessen“ der Gemeinde erschöpften. Der andere hingegen erblickte hierin nur einen Nebenzweck und sah als vornehmste und hauptsächlichste Aufgabe die Berücksichtigung der allgemeinen jüdischen Interessen, und zwar nicht nur der Monarchie, sondern auch des Auslandes an. In Konsequenz dieser grundsätzlichen Meinungsverschiedenheit sprach ein Teil des Kollegiums sich dahin aus, von jedem öffentlichen Schritt in der Angelegenheit Abstand zu nehmen, da ein solcher nur schaden könnte, die übrigen Mitglieder vertraten den entgegengesetzten Standpunkt, und dieser drang durch. Man beschloß 40

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