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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 33

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums
Date
1935-01-01
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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Siegfried Ucko. Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums dort die Tendenzen des Vereins mit der Freiheitsbewegung der Liberalen in Spanien und Portugal vergleicht. Das hätte er an offenliegender Stelle im Zeitalter so starker politischer Unterdrückung der Geistesfreiheit wohl nicht ausgesprochen, aber so eine Anspielung ist ein klein wenig bezeichnend für die Ahnung, es liege etwas Revolutionäres latent in den eigenen Bestrebungen. Kirschbaum selbst ist derjenige, der aus dem Kreise des Vereins am bestimmtesten für die Bestrebungen Mordechai Immanuel Noahs65), in Amerika für die Juden einen eigenen Staat zu schaffen, eintritt. Seine dem Verein eingereichte und dann im Druck erschienene Schrift הלכות ימות המשיח״“ endet mit einem Aufruf zur Unterstützung des Planes, den Noah vorgeschlagen hatte66). Aber all diesen Bestrebungen zur Tat — auch dort wo sie ins ganz Große zielten — fehlte der Bezug auf die ferne, Wirklichkeit werdende Zukunft. Aktivitätsstreben des jüdischen Mensehen ohne die Ueberzeugung, daß der Jude noch einmal ״weithistorische“ Bedeutung erlangen könne — das drückt auch der Schlußsatz der ersten Rede von Gans aus: ״Auf denn Alle, die Ihr des edleren Geistes seid; auf, die hundertfache Fessel und ihre Einschnitte nicht zu Gefesselten machen konnte; auf, die Ihr Wissenschaft und Liebe zu den Seinen und Wohlwollen über alles setzet; auf, und schließt Euch an diesem edlen Vereine, und ich sehe in der festen Verbrüderung solches Guten die messianische Zeit herangebrochen, von der die Propheten sprechen, und die nur des Geschlechtes jederzeitige Verderbtheit zur Fabel gemacht“67). Nur einmal in der Geschichte kann — so will es die Umwelt lehren — ein Volk, als in sich geschlossenes, Epoche machen68); dann — nach diesem einen Male — lebt sein Geist fort als eine Welle in dem Ozean des sich in der Selbsterkenntnis verwirklichenden Geistes. Die Juden haben die Epoche ihres Volkes überlebt — so lautet das Urteil der Zeit, dem sich nicht einmal der junge Jude in ihr entziehen kann. Ratlos steht man vor jener Anomalie, daß der jüdische Mensch noch in Selbständigkeit da ist, während der Geist, der zu seiner Zeit von ihm ausgegangen ist, nun Bestandteil des geistigen Kosmos Europas, der Menschheit, ist. Will der Jude seinen Sinn noch finden, so kann dies nur dadurch geschehen, daß er mit zur Erkenntnis dieses geistigen Kosmos beiträgt, ihn dem menschlichen Bewußtsein näher bringt. Im Wissen vom Judentum, das ein Teil des Ganzen, der Weltenvernunft und des Weltengeistes sei, rechtfertige sich die jüdische Existenz, weil der Teil, den man im Judentum erfaßt, Teil des Ganzen ist und das Ganze in den Teilen lebt. 66) Vgl. bei Gelber: Vorgeschichte dies Zionismus. 66) Ein Exemplar dieser Schrift befindet sich in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin. Der vollständige Titel lautet:הלכות ימות / 'fivuaj לl{ המשיח שחיכה וליקט.. מוהרר אליעזר סיני.כץ הר־״ר יהודא 67) Erste Rede a. a.O., S/42.; P'jTJ' (■ f J 68) Vgl. hierzu Hegel: Philosophie des Rechts, § 347 ühcT Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte (ed. Georg Lasson, Leipzig, Meiner 1920), Bd. II, S. 42. — Einflüsse dieser Position im Verein bemerkt man etwa in dem Schreiben eines Dr. Wolf aus Karlsruhe an den Verein im Jahre 1822. ״Da der Israelite als solcher keine welthistorische Bedeutung haben kann, so dürfte bei ihm wahrlich kein anderes reformatorisches Mittel angewandt werden ... als das der geistigen Bildung.“ 33

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