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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 32

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums
Date
1935-01-01
Page
Seite 32 (sequence 32)
Language
German
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Siegfried Ucko. Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums damaligen Juden viel zum Untergang des Vereins beigetragen habe; und daß der Kampf des Vereins gegen die „Rachmones“-Stimmung unter den Juden tief in seinen aktivistischen Motiven fundiert war und einer gewissen ethischen Größe nicht entbehrte, das konnte er vielleicht nicht sehen. Wir müssen hier noch ein anderes geistesgeschichtliches Motiv heraussteilen, das die Aktivität des Vereins, die so groß hervorgebrochen war, hemmte. Wir haben schon entscheidende Motive aufzuzeigen versucht, die den autoemanzipatorischen Absichten des Vereins entgegenstanden; und noch ein wichtiges, psychologisch sehr wirksames Moment kommt hinzu! Ethischer Nationalismus und religiöser Liberalismus — beides Konzeptionen, die den Fortbestand des Judentums an ethischen Gesichtspunkten messen und das Recht des Fortbestandes von allgemein-menschlichen Normen abhängig machen — entnehmen, jeder in seiner Art, ihre Triebkraft einer Idee: dem Glauben an eine durch menschliche Tat zu verwirklichende messianische Zukunft. Aus ihm leiten sie das Recht des Bestehenbleibens ab. Aus dieser Idee konnte der Kulturverein Kräfte nicht empfangen. Die Gedanken der Zeit waren ganz auf die eigene Zeit gestellt, die eine „weltgeschichtliche“ sein sollte und ihren Sinn in sich selbst tragen sollte. Der bewegende Flug der Gedanken auf eine ferne Zukunft, die erst den höchsten Wert in sich barg, war der damaligen Generation versagt. „Es ist ebenso töricht zu wähnen, irgendeine Philosophie gehe über ihre gegenwärtige Welt hinaus, als ein Individuum überspringe seine Zeit, springe über Rhodus hinaus. Geht seine Theorie in der Tat drüber hinaus, baut es sich eine Welt, wie sie sein soll, so existiert sie wohl, aber nur in seinem Meinen ... Hier ist die Rose, hier tanze.“ Das sind Worte aus Hegels Vorrede zur Philosophie des Rechts62). Diese in der Zeit wirkende und ganz auf die eigene Zeit gehende Gedankenrichtung fand auf jüdischer Seite Unterstützung von Gedanken, die aus der Epoche der ersten Emanzipationskämpfe hinüberragten. Den härtesten Ausdruck fanden sie in jenem berüchtigten Bendavidschen Aufsatze „Ueber den Glauben der Juden an einen zukünftigen Messias“, der noch in der Zeitschrift des Vereins Platz fand63). Dort heißt es am Schluß: „Kein Mensch . . . verarge es daher dem Juden, wenn er seinen Messias darin findet, daß gute Fürsten ihn ihren übrigen Bürgern gleichgestellt, und ihm die Hoffnung vergönnt haben, mit der völligen Erfüllung aller Bürgerpflichten auch alle Bürgerrechte zu erlangen“64). Das freilich ist der Standpunkt der Friedländer-Epoche. Bei dem tätigen Teile der Vereinsmitglieder wurden aber diese Ansichten dadurch modifiziert, daß nun das Moment national-ethischer Aktivität — gewonnen aus einer neuen Blickrichtung auf das Bestehende und geschichtlich Gewordene und einer neuen Art des Selbstempfindens — so hinzutrat, wie es uns etwa in Mosers Antwortschreiben an Kirschbaum begegnete. Es ist doch immerhin charakteristisch, daß Moser G2) ed. Gans, 1833, S. 19. 63> Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums, S. 197. G4) a. a. O., S. 225. 32

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