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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 24

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums
Date
1935-01-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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Siegfried Ucko. Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums Triumph über Menschlichkeit und Völkerwohl zu verschaffen, der kein geringerer war über des Gekreuzigten verkannte, verachtete Lehre; so lange Juden und Mauren daselbst noch den Wohlstand und die Kultur des Landes mit dem eigenen Wohlstand, mit der eigenen Kultur erhalten, unterstützen und erhöhen durften, bestand eine Verbindung zwischen den Juden des Orients und Okzidents, deren gegenseitiger wichtiger Einfluß noch zu wenig wissenschaftlich erörtert worden ist, um in seinem ganzen Umfange erkannt werden zu können, was in den seitdem verflossenen drei Jahrhunderten von einer solchen Verbindung hie und da noch stattfand, kann auf keine Weise mit jener verglichen werden . . . Manches Stückchen heiliger Erde zwar liegt auf unseren Begräbnisörtern zu sanfterem Kopfkissen des Entschlafenen, reiche Aimosenspende für die Betenden auf Zion wurde durch neugiererregende Jerusalemetische Wanderer vermittelt, aber wo zeigte sich die Wißbegier zu einer wissenschaftliche und praktische Zwecke verfolgenden Reise in jene Gegenden angeregt? War es doch genug an der Ueberzeugung von dem unterirdischen Rollen aller Körper zur seligen Auferstehung in Jerusalem! Was sollte in den öden finsteren Tagen des Exils, in dem langweiligen Zwischenakt des großen Dramas, dessen Held das Volk Israel ist, zu einer regelmäßigen, die Erwartung befriedigender Entwicklung desselben zu tun notwendig befunden werden, da ein deus ex machina, Messias genannt, schon von seitet zu gehörigen bestimmten Zeit alles in Ordnung bringen wird? Aber nach diesem Harren der Zuschauer durch Hunderte von Jahren, wird endlich ein allgemeines Gähnen Zeichen der eingetretenen Ungeduld, richtige Schauspieler stellen sieh auf die Bühne und lehren das Volk, daß das Stück nur aus dem Stegreife fortzuspielen sei, wenn nicht ein allgemeines Austrommeln das Ende davon sein soll. Ein solches Spielen aus dem Stegreif ist unserVerein. Um solches ist der an den Verein das Wort richtende, der Arzneikunde beflissene H. Sinai Kirschbaum, bemüht. Wie treffend läßt sich nun nicht wieder die von dieser Seite eingetretene neue Zeit mit den Ereignissen auf der Pyrenäischen Halbinsel in Beziehung bringen, wo ein der Zuchtrute des Despotismus entwachsenes Volk schon in der Wiege seiner Freiheit die Schlange herkulisch zerreißt, die es in seinem Busen findet? Aber ich will diese Betrachtung nicht näher führen, um mich nicht von dem Besonderen meines Gegenstandes zu sehr zu entfernen. Da mag nun vor allen Dingen das Schwindeln der Beschränktheit ferngehalten werden, das der Schluß des vorliegenden Briefes in Erwähnung bringt. Weiß sich der Schieferdecker darüber zu erhaben, dessen Sturz von der Sonnennähe einer Turmspitze das ängstlich gaffende Volk unvermeidlich glaubt, warum sollte es nicht ein mit geistiger Kraft begabter Mann vermögen . . .“ Hier ist das durch die Einsicht einer Substanzialität des jüdischen Menschen geforderte Prinzip einer eigenen Wirksamkeit des jüdischen Menschen auch für einen weiten Umfang zum klaren Ausdruck gebracht. Der Messias wird in den Bereich der menschlichen Handlung gelegt, und das Problem „Judentum“ wird bis zu der mutigen Frage hinaufgefuhrt, ob durch Aktivität das Ganze des Judentums wieder Bedeutsamkeit erhalten könne. Gehen wir zu einer Analyse der drei Reden von Eduard Gans über, so möge sie dazu dienen, einiges schon Angedeutete starker zu betonen, manches neu anzudeuten und hier und da Linien aufzuzeigen, deren Weiterverfolgung nicht unlohnend wäre. Man muß sich vergegenwärtigen, daß die jüdische Realität, die Gans vor Augen hat, zu der er sich in Beziehung setzt, ihm zunächst und auf den ersten Blick kein „Judentum“, kein geistiger Inhalt ist, dem er sich aus Notwendigkeit oder aus Glaubensgründen verbunden fühlen muß. Die jüdische Realität, die er sieht, ist der jüdische Mensch — in seiner Hilfsbedürftigkeit und in seiner Kulturbedürftigkeit. Es ist noch nicht der Jude in der metaphysischen Substanzialität, wie er etwa bei List uns begegnete, vielmehr der Jude in seiner Diesmalig- 24

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