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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 20

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums
Date
1935-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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Siegfried Ucko. Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums man sich dann auf den endgültigen Namen einigte, mußte Gans auf Anfrage ausdrücklich betonen, daß „unter diesem allgemeinen Ausdruck (Wissenschaft der Juden) sowohl die von den Juden betriebene als auch die „Wissenschaft des Judentums“ enthalten gedacht werden könnte. Was den Umfang der säkularisierten Arbeit, die man von seiten des Vereins für das Judentum plante, anbetrifft, so müssen wir uns hier mit einem Hinweis summarischer Art begnügen. Freilich ist ja auch das Meiste dieser Arbeit Plan geblieben oder kam nicht über die Anfänge hinaus. Auf das Archiv für die Korrespondenz haben wir schon oben hingewiesen. In der „Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums“ finden wir auf S. 533 ein Beispiel dafür, wie diese Korrespondenz gedacht war. Heinrich Heine berichtet im November 1822 über zu gründende Frauenvereine im Sinne der Kulturtendenzen des Vereins30). Große Aufmerksamkeit schenkt man auch dem Bemühen, den Juden den Weg zur Landwirtschaft zu ebnen; vorerst will man eine Liste aller jüdischen Gutsbesitzer aufstellen, die jüdische Eleven aufnehmen können. Gerade die enge Verknüpfung mit den Gegenwartsfragen der jüdischen Gemeinschaft ist es auch, die dem Begriff der Wissenschaft des Judentums eine so breite Grundlage gibt. In dem schon zitierten Aufsätze von Wolf in der Zeitschrift des Vereins („Ueber den Begriff einer Wissenschaft des Judentums“) findet das einen beredten Ausdruck: „Wenn von einer Wissenschaft des Judentums die Rede ist, so versteht es sich von selbst, daß hier das Wort Judentum in seiner umfassendsten Bedeutung genommen wird, als Inbegriff der gesamten Verhältnisse, Eigentümlichkeiten und Leistungen der Juden, in bezug auf Religion, Philosophie, Geschichte, Rechtswesen, Literatur überhaupt, Bürgerleben und alle menschlichen Angelegenheiten; — nicht aber in jenem beschränkteren Sinne, in welchem es nur die Religion der Juden bedeutet.“ Daß diese umfassende und übergreifende Definition des Begriffes einer Wissenschaft des Judentums und damit auch die umfassende und übergreifende Bestimmung des Begriffes des Judentums nicht allein von der praktischen, auf die Gegenwartsarbeit tendierenden Richtung des Vereins bedingt ist, darauf brauchen wir nach unseren Hinweisen auf die veränderte geistige Position der Kulturvereinler überhaupt nicht mehr speziell einzugehen. Die subtilste Ausführung hat das neue Wissenschaftsprogramm in dem Aufsatze von Zunz „Grundlinien zu einer zukünftigen Statistik der Juden“ erhalten31). Immer mehr und immer bewußter beschränkt sich der Verein auf die wissenschaftliche Tätigkeit32). Das ist im Vergleich zu den ursprünglichen, großangelegten praktischen Plänen, die das ganze Leben der Juden umspannen sollten, eine starke Einschränkung, die im Statut des Vereins mit dem Streben zur Konzentrierung der Kräfte gerechtfertigt wird. Man darf aber nicht vergessen, daß ein viel positiverer, geistesgeschichtlicher Grund diese Entwicklung des Vereins förderte: Die Zeit fühlte sich als die Zeit des Geistes, die Wissenschaft war ihr nichts anderes als Sprachorgan dafür, daß nun der Geist zum Bewußtsein seiner selbst gekommen war. Die Wissenschaft sollte durch ihre Existenz, durch ihre Arbeit Zeuge sein, daß das Zeitalter des Geistes, ein neuer Weltenmessias, nun herangekommen sei. 30) Vgl. Bieber a. a. O., S. 30. 31) Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums, S. 523. (Von der Zeitschrift sind bekanntlich nur drei Hefte erschienen.) S2) Vgl. hierzu den „Entwurf von Statuten des Vereins usw.“, Berlin 1822, gedruckt bei Ferd. Nietack. 20

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