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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 6

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums
Date
1935-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Siegfried Ucko. Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums Rubaschoff in seiner Einleitung zur Neuherausgabe von Gans* Reden getan hat, muß fragen, was dieser Jugend der Tatsachenkomplex „Judentum“ bedeutete. Die Menschen, die den Kulturverein schaffen — zwanzig Jahre nach Friedländers Sendschreiben an Teller —, sind selbst schon fast Kinder der Assimilation, von ihren Eltern im Geiste der Aufklärung oder halber Aufklärung erzogen. Sie hatten die Geistigkeit der Zeit in sich aufgenommen und die aufgenommenen geistigen Stoffe waren die lebendige und sich entwickelnde Wirklichkeit ihrer Existenz; ihnen gegenüber waren die jüdischen Stoffe, die sie in einem ansehnlichen Maße beherrschten, ein Rudiment, das durch immer erneute Eroberungen im Geiste der Zeit überdeckt wurde. Diese Zeit ruft ihnen ihr Judentum auch immer wieder in Erinnerung, aber sie steht zugleich auch zwischen ihnen und den jüdischen Bildungselementen ihrer Jugend. Ihre jüdische Umgebung ist gebrochen in aufgeklärte Juden und in Juden, die noch den Lebensstil des jüdischen Mittelalters repräsentieren. Aeußere Anlässe, Kulturrepressalien sind es, die für sie diese Rudimente zum Problem erheben. Was ist mit diesem Undefiniertem, „Judentum“ genannt, anzufangen?! Die Mittel zur Bestimmung, Einordnung dieses Phänomens gewährt ihnen die Bildung, der sie in ihrer Zeit verhaftet sind und deren Wirken bis in unsere Tage hineinragt. Von den Formkräften dieser Bildung aus muß man versuchen, die eigentümliche Beantwortung der Fragen, die ihnen Vorlagen, zu verstehen. Verfolgt man alle Manuskripte, die uns von Gans erhalten sind, so spürt man deutlich, wie äußere Not — nicht materieller Art — ihn in den Bezirk des Judentums zurückzwang, kann aber auch auf Schritt und Tritt beobachten, wie er diesen Bezirk theoretisch zu erfassen, zu begründen sucht. Auf die Stellungnahme von Gans werden wir noch gesondert hinweisen, und es muß bei diesem Hinweis besonders reizvoll sein, die Eigenart der Judentumsproblematik aus den wirkenden Hegelschen Einflüssen herauszustellen. Es ist sicher methodisch nicht ganz gerechtfertigt, die Grundstimmung des Kulturvereins allein aus der Hegelschen Philosophie abzuleiten, aber seit dem Vorgänge von Graetz hat man sich mit dem Hinweis des Zusammenhanges der Kulturvereinler mit der Hegelschen Philosophie begnügt. Für Eduard Gans ist dieser Einfluß freilich der bestimmende; das lehrt uns jeder Abschnitt seiner Studiengeschichte. Schon bei Zunz dürfte das wesentlich anders sein. Einen wichtigen Hinweis bieten seine Kolleghefte vom Oktober 1815 bis Juni 1817, aus der Zeit also, in der Hegel noch nicht in Berlin war. Er hört und schreibt sorgfältig mit bei de Wette, Wolf, Boeckh, Savigny und Solger, und man darf den unmittelbaren Einfluß nicht übersehen, den diese Historikerkreise, insbesondere die durch.Savigny repräsentierte „historische Schule“, auf den Mann ausübten, der aus den Trümmern des Vereins, der den Begriff der Wissenschaft des Judentums fand, die Wissenschaft selbst rettete. Je mehr man sich um die Erkenntnis der geistigen Situation zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der ja die Kulturvereins-Gründer aufgewachsen sind, bemüht, umso mehr erstaunt man über die 6

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