Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 4
Article
Elkan Herz, der Freund und Verwandte Moses Mendelssohns, der Vater der ersten Leipziger liberalen Judengemeinde
Date
1932-01-01
Page
Seite 200 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2259275-2259293-2259297-2261582--3938-2261658
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

hörten, und wo nicht ein so „starker Andrang fremder und armer Juden" zu verzeichnen war als in der Messestadt Leipzig-, hatte der Kurfürst bereits unterm 5. Juli 1787 verfügt, daß armen Juden die Begräbnisgebühren entweder ganz oder wenigstens teilweise zu erlassen seien. Der Leipziger Rat resolvierte zwar, daß an die Regierung in obiger Sache Bericht zu erstatten sei; der Bericht aber ist niemals nach Dresden abgesandt worden. Elkan Herz betrieb sein umfangreiches Grossohandelsgeschäft im Hause Nr. 503 auf der Reichsstraße. Es ist das noch heute stehende Haus Nr. 34. Im Melderegister der Meßstadt10) ist Elkan Herz als Kaufmann eingetragen, ebenfalls im Haus Nr. 503 wohnend. Als auf Antrag der sächsischen Ständeversammlung der jüdische Kultus durch Verordnung vom 20. Dezember 1834 unter die Oberaufsicht des sächsischen Ministeriums gestellt worden war, verlangte das Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts am 16. Januar 1835 vom Rate der Meßstadt, über „die in Leipzig befindlichen jüdischen Einrichtungen in Kenntnis gesetzt zu werden"11). Am 2. Februar erscheint deshalb der damalige Cantor der Leipziger Judengemeinde, Wolff Ulmann, auf der Ratsstube, wo er zu Protokoll gibt, daß zur Ausübung des gemeinschaftlichen jüdischen Gottesdienstes nach den Grundsätzen der Mosaischen Religion eine Synagoge sich im sogenannten Herzschen Hause Nr. 503 auf der Reichsstraße im Hofe eine Treppe hoch befinde. Der öffentliche Gottesdienst bestehe im Beten, Vorlesen und Auslegen der alttestamentlichen Gesetze, und zwar in hebräischer Sprache. Auf die Frage des Rates, ob eine Abteilung der Gemeinde in besonderer Synagoge ihre Gottesdienste verrichte, antwortet Ulmann: „Es findet kein vereinigter FamiHengottesdienst statt, aber während der Messen existierten in Leipzig verschiedene Synagogen, nämlich fast regelmäßig eine Brody'sche, Warschauer, Dessauer, Wollsteiner, Breslauer, Krakauer und Halberstädter, deren jede ihren besonderen Kantor habe." 10) Meldebuch der Stadt Leipzig Nr. 86b/1816. ") L.R.A. Cap. 42. F. Nr. 1. Die Ausgaben der Leipziger jüdischen Gemeinde, die damals aus 22 Familien mit insgesamt 74 Personen bestand, werden von Ulmann mit 400 bis 500 Talern pro Jahr veranschlagt. Der Mietzins für die Synagoge im Herzschen Hause beträgt dabei 19 Louisdor in Gold. Im Jahre 1838 finden wir die sog. Berliner Synagoge ebenfalls im „Herzenschen Hause"12). Noch Jahrzehnte nach Elkan Herz' Tode hieß das Haus, in dem der Freund Mendelssohns gelebt hat, allgemein bei den Leipziger Juden das „Herzensche Haus". Trotzdem es den Juden in Leipzig verboten war, Grundbesitz zu erwerben, ließ diese Bezeichnung beim Verfasser dieser Zeilen die Vermutung aufkommen, daß Elkan Herz dieses Haus besessen haben müsse. Die Häuserchronik der Stadt nennt als Besitzer des Grundstückes einen Spediteur Seitmann und später einen Advokaten Römisch. Beides aber waren nur Strohmänner für Herz. Darüber unterrichten die aufgefundenen Nachlaßakten13) über Elkan Herz. Er war am 20. April 1816 im Alter von 64 Jahren abends 7 Uhr in seinem Hause in der Reichsstraße Nr. 503 gestorben1*), nachdem ihm sein Weib Jochebed geb. Samuel am 12. Mai 1813 im Tode vorausgegangen war. Beide wurden laut ihrem letzten Willen in Dessau beigesetzt. Bereits am 23. April 1816 teilte das Kreisamt Leipzig dem Rate der Stadt mit, daß die Erben des Verstorbenen sich sämtlich im Auslande aufhielten. Der Rat ließ daher das Testament so lange versiegeln, bis zur Entsiegelung und Verabfolgung desselben landesherrliche Bewilligung eingelaufen war. Am 27. April verlangten die Erben Oeffnung des Testaments, da sie „in außerordentlichen großen Schaden versetzt würden, wenn während der Ostermesse der Nachlaß versiegelt bliebe, mithin die laufenden Wechselraten und andere Dokumente nicht eingezogen werden könnten." Sie stellten dem Rate in dem Leipziger Handelshause A. Schlesinger & Co. einen Bürgen, den die Stadt annahm. Nunmehr konnte das Testament entsiegelt werden. Elkan Herz hatte es am 15. Dezember 1815 „bey noch völlig gesunden Seelenkräften und freyem Anis) Siehe Nr. 11. Bl. 116. «) L.R.A. XXXIII/Abschoss. II P. Nr. 46. ") Leichenbuch Nr. 38 fol. 296. 200

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.