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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 198

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 4
Article
Elkan Herz, der Freund und Verwandte Moses Mendelssohns, der Vater der ersten Leipziger liberalen Judengemeinde
Date
1932-01-01
Page
Seite 198 (sequence 1)
Language
German
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Miszellen Elkan Herz, der Freund und Verwandte Moses Mendelssohns, der Vater der ersten Leipziger liberalen Judengemeinde. Von Arno Kapp. Aus dem Briefwechsel zwischen Moses Mendelssohn und seinen Freunden Lessing und Nicolai ist uns bekannt, daß der große Philosoph mehrmals in Leipzig zur Messe gewesen ist, so z. B. in den Jahren 1769 und 1773. An die Messestadt fesselten ihn aber auch Bande des Bluts; denn hier wohnte sein Verwandter Naftali ben Elchanan, gewöhnlich Herz Jacob genannt, und dessen Familie: seine Gattin Gittel und sein Sohn Elkan Herz. Mit letzterem, den er seinen „Heben Vetter" nennt, steht er in regem BriefwechseL Im Jahre 1770 empfiehlt er ihm in einem Schreiben den Rabbiner von Neuwied, R. Salomon Salman, mit dem Hinweis auf ihrer drei gemeinsame Abstammung von Rabbi Moses Isseries aus Krakau. Mit ihm konnte er sich brieflich über philosophische und allgemeine Bildungsfragen auseinandersetzen; denn als Elkan Herz sich im Jahre 1780 beim Kurfürsten von Sachsen um den Titel eines Hoffaktors bewarb und gleichzeitig um Ausstellung eines Freipasses innerhalb Sachsens zu geschäftlichen Zwecken nachsuchte, bemerkte die kurfürstliche Kammer dazu, daß der Petent sicherem Vernehmen nach zu Leipzig dem Studium mit großem Erfolge obgelegen und sowohl in mathematischen und philosophischen als auch in den schönen Wissenschaften gute Kenntnisse erlangt habe; er werde auch von seinen Lehrern als ein überaus ehrlicher Mann beschrieben1). Elkan Herz studierte bereits als löjähriger an der Leipziger Universität Seine Immatrikulation erfolgte am 13. Juli 1767. Der frühe Tod des Vaters zwang ihn, das väterliche Geschäft in Leipzig zu übernehmen und dem liebgewordenen Studium auf immer zu entsagen. Und als er im Jahre 1791 den Kurfürsten bat, ihm einen Paß auf Lebenszeit auszustellen, schrieb die Regierung von Dresden aus an den Rat der Stadt Leipzig am 11. Mai desselben Jahres2),!) Max Freudenthal, Zum zweihundertjährigen Geburtstage Moses Mendelssohns (Philo-Verlag Berlin 1929). 2) Leipziger Ratsarchiv LI/26. 198 „dass der Schutzjude Elkan Herz zu Leipzig unterm 15. September 1781 in Rücksicht der damals beygebrachten vortheilhaften Zeugnisse von seiner guten Aufführung, der richtigen Ablegung seiner Personensteuer und der wegen Entdeckung eines bey der Capelle der Römisch- Catholischen Glaubensgenossen zu Leipzig sich ereigneten Diebstahls geleisteten nützlichen Dienste, einen auf zwey Jahre gerichteten Passvon Unserem Geheimen Cabinet zur Befreyung von den den Juden bey ihrem Reisen in hiesigen Landen obliegenden besonderen Abgaben, für sich, sein Eheweib, Kinder und Bediente erhalten hat", welcher Paß alle zwei Jahre verlängert wurde. Als Inhaber eines derartigen Freipasses war man von den sonst gewöhnlichen Zollaufschlägen, dem Geleits-, Schutz-, Waage- und Brückengeld befreit. Niemand durfte den Inhaber eines solchen aufhalten und ihm so den Verkehr erschweren. Elkan Herz war schon damals ein hochangesehener Kaufmann; er handelte mit inländischen Fabrikwaren. Als der Rat die christlichen Handelsdeputierten um ihr Gutachten über ihn ersuchte, schrieben diese am 16. Juli 1791 an die Stadt: „Wir nehmen keinen Anstand, hierdurch gebührend anzuzeigen, dass uns zwar wider des hiesigen Schutz- Juden Elcan Hertz zeitheriges Verhalten etwas ungleiches nicht bekannt, jedoch immer . . . wahrscheinlich sey, dass durch den Handel der Juden überhaupt . . . uns sehr beträchtlicher Nachtheil zugezogen werde . . Da aber die Behörden bestätigen, daß Elkan Herz „wohl einer der besten Schutzjuden" sei, erteilt der Kurfürst ihm am 4. Mai 1792 von Schloß Pillnitz aus den erbetenen Cabinettspaß auf Lebenszeit3). Am 13. Juli wird ihm an Ratsstelle die glückliche Nachricht mitgeteilt. Herz Jakob, der Vater Elkans, hatte sich als Kaufmann in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts in Leipzig niedergelassen. Die Stadt hatte ihn zu ihrem Schutzbefohlenen gemacht. Er wohnte am Brühl und war, wie der Rat angab, nicht unvermögend. Als ihm am s) Siehe meinen Artikel im Leipziger jüdischen Gemeindeblatt vom 20.7.1928.

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