Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der Vorwurf der Hostienschändung und das erste Auftreten der Juden in der Mark Brandenburg
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 6)
- Language
- German
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Hans Lichtenstein. Der Vorwurf der Hostienschändung u. das erste Auftreten dertfuden in der Mark Brandenburg Am 30. April 1294 fällte der Rat zu Frankfurt a. d. O. einen Vergleich zwischen den christlichen Schlächtern und den Juden und erlaubte zehn namentlich genannten Juden, an drei Tagen der Woche Vieh zu schlachten20). Am 28. Oktober 1295 verbot der Rat zu Berlin in einem Privileg für die Tuchmacher den Verkauf von Garn an Juden21). Am 4. April 1297 erließen die Markgrafen Otto V. und Konrad eine Judenordnung für die Stadt Stendal, „eine der interessantesten und humansten märkischen Judenordnungen des Mittelalters"22), was abermals zeigt, daß sie die Einwanderung von Juden ermutigten. Am 9. November 1307 verbot Markgraf Hermann denjenigen Juden zu Spandau, die nicht Hausbesitzer waren, Fleisch zu verkaufen23), was zeigt, daß Juden Grundbesitz in der Stadt besaßen. Am 25. April 1311 werden Juden in einem Gildebrief für die Knochenhauer in Tangermünde erwähnt24). 1313 ist die erste urkundliche Erwähnung von Juden in der Neustadt Brandenburg a. d. Havel: ein Jude Jakob empfängt aus einer Erbschaft ein Pfand für ein Darlehen von vier Talenten nebst einem Schilling Zinsen25). Am 30. April 1315 behielten sich Graf Ulrich und seine Söhne Günther und Heinrich in einem Privileg für Neuruppin die Gerichtsbarkeit über die dortigen Juden vor26). Am 10. August desselben Jahres verlieh Markgraf Waldemar der Stadt Nauen die Rechte über zwei seiner Juden27). Am 13. Oktober 1319 bestätigte Herzog Rudolf von Sachsen die Stadt Guben und übertrug ihr die Schutzgerechtigkeit über die dortigen Juden28). Dasselbe Recht gewährten die Herzöge Otto und Wartislaw von Pommern den Städten Prenzlau29) und Templin am 23. August 1320*°). Am 7. September 1321 trafen die Juden zu Arnswalde in der Neumark Abmachungen mit der Stadt über Synagoge und Friedhof; die Gemeinde muß also damals schon verhältnismäßig groß gewesen sein31). Eine Judengasse (platea Judaeorum) ist in S alz w edel 1322 bezeugt32). Am 24. Dezember 1334 erteilte Markgraf Ludwig der Römer seinen Kammerknechten, den Juden zu Havelberg, Arneburg, Pritzwalk, Seehausen, Werben und Kyritz Schutzbriefe33), im Jahre 1338 Erzbischof Otto von Magdeburg den Juden zu Jüterbog34). 1344 verpflichtete Markgraf Ludwig der Römer die Juden zu Gardelegen, ihm das seinen Vorgängern gezahlte Jahrgeld zu entrichten, und nahm sie darauf am 8. März desselben Jahres als seine Kammerknechte unter seinen besonderen Schutz35). Am 9. September 1344 stellte Markgraf Ludwig der Römer den Juden der Neu mark einen Schutzbrief aus36). Am 2. Januar 1345 nahm er die Juden zu Perleberg in seinen Schutz und regelte am 12. Ok- 20) Riedel A XXIII 6. Die Namen sind: Mosco, Jacobus, Jacobus apud Johannem de hoghenwalde, Zamsora, Glomeke, Datrit, Jacobus apud hughonem, Josep, Samel, Habram. 21) Berlinisches Stadtbuch, Berlin 1883, S. 68 ff. 22) Riedel A XV 44 f. — Ludwig Davidsohn, Beiträge z. Sozialu. Wirtschaftsgesch. der Berliner Juden vor der Emanzipation, Berlin 1920, Anm. 176. — Hermann Krabbo, Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus Askanischem Hause, Leipzig 1910 ff., Nr. 1670. 23) Fischbach (J. L. Dilschmann), Diplomatische Gesch. und Beschreibg. d. Stadt u. Festung Spandow, Berlin 1785, S. 104. 24) W. Zahn, Die Tangermünder GUdebriefe (28. Jahresbericht des Altmärkischen Vereins f. vaterL Gesch. und Industrie zu Salzwedel, Abtlg. f. Gesch., Magdeburg 1901, S. 47). 25) G. Sello, Märkische Forschgn. XVIII (1884), S. 35, Nr. 81. 2e) Riedel A IV 284 f. 27) Riedel A VII 308. 23) Riedel B I 448 f. 29) Riedel A XXI 121 f. so) Riedel A XIII 165 f. 31) S. den Anhang. 32) Gaedcke, MGWJ LXVIII (1924), 318, Anm. 1. 33) Riedel A 1 62 f. 34) Karl Christian Heffter, Urkundliche Chronik der Kreisstadt Jüterbock, Jüterbock 1851, S. 243 f. 35) Riedel A VI 98 f. Aus logischen Gründen gehört Nr. 134 vor Nr. 133. 36) G. Sello, Markgraf Ludwigs des Aelteren Neumärkisches Judenprivileg vom 9. September 1344, Der Bär V (1879), 25 ff. 194