Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Kampf um die Fürther Judenapotheke
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 6)
- Language
- German
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August Jegel. Kampf um die Fürther Judenapotheke bach, welche zwischen 1667 und 1672 tätig war, sich um diese Dinge wenig kümmerte, bis der volljährig gewordene Markgraf Johann Friedrich ein Verbot gegen Löb erläßt, ohne Gehorsam zu finden45). Auch an den dompröpstlichen Grundherrn des Löb wendet man sich natürlich46). Doch erzielt man zunächst nicht den erhofften Erfolg47), obwohl Nürnberger Apotheker ihren Fürther Kollegen unterstützen; denn am 29. September verweigert der Dompropst jedes Eingreifen gegen Wolf Löb. Diese Erklärung gibt Dr. Mertladen in Gegenwart von Dr. Würfel und Dr. Volkamer vor dem Fürther Apotheker ab. Da der Domprobst eine schriftliche Antwort abschlägt, ist der Gegenseite ein Einspruch um so erschwerter, als der Bamberger Jurist spöttisch meint, „die Apotheker hätten sich die Suppe selbst versalzen, weil sie sich zuerst nach Ansbach gewendet". Andererseits gibt Dr. Mertladen den Rat, „der Sache gradatim abzuhelfen und erst die eigenen Leute von Löb abzuziehen". Dieser Vorschlag, der eines gewissen Doppelspieles nicht entbehrt, konnte sich um so gefährlicher auswirken, als die beiden Brüder Wolf und Moses miteinander in einen Erbschaftsstreit, auf den ich an dieser Stelle nicht näher eingehen kann, geraten waren43). Einen zweiten Anlaß zu dem allmählichen Rückgang der Apotheke bildet auch der Umstand, daß die Ansbacher Regierung den Apotheker Samuel Philipp Oppermann 1692 in ihren Schutz nimmt49). Indem sie „Aufrichtung und Visitation von Apotheken" als Polizeisache erklärt und deshalb die alleinige Entscheidung in diesen Fragen beansprucht, will sie den Dompropst auch rechtlich ausschalten50). Folgerichtig wird dem Cadolzburger Oberamt am 19. November 1695 befohlen, die jüdische Apotheke öffentlich zum Verkaufe auszubieten51). Doch scheint dieser Auftrag nicht ausgeführt worden zu sein, da sich der Kaiser ganz allgemein der Fürther Juden annimmt52). Sofort greift auch der Dompropst wieder ein, und am 6. Oktober 1699 bestätigt Dr. Franz Rudger die Apothekervisitation von 169653). Allerdings zieht im gleichen Jahr Wolf Löb nach Prag und stirbt dort hochbetagt am 12. Juni 1712 Wann die Apotheke wirklich erlischt, wissen wir nicht sicher. Auf jeden Fall sprechen die Fürther Zinsbücher noch am Anfang des 18. Jahrhunderts davon, daß ein zweistöckiges Haus, welches dem Leibarzt Wolf Löb gehöre, auch Apotheke heiße54). Ferner wird noch 1747 eine Apotheke des Juden Fränkel erwähnt55), und sogar noch ein Bericht der Polizeidirektion Fürth an die Ansbacher Medizinaldeputation vom 16. Mai 180356) bemerkt bei der Mohrenapotheke, daß „sie der gemeinen Judenschaft gehöre", wie noch heute das Haus Mohrenstraße 2 (nicht die jetzige Mohrenapotheke) im Besitz der jüdischen Kultusverwaltung ist. Wir können also die Fürther Judenapotheke durch etwa anderthalb Jahrhunderte verfolgen. Wenn auch nicht alle Einzelheiten ihrer Geschichte sich zur Zeit feststellen lassen, so führt doch ihr Werden und Sein hinein in den Streit der kleinen Herrschaftsgewalten Fran- 45) Prot. I, 337 ff. 4«) Prot. 1, 337 ff.: 1677, 14.7. *7) Prot. I, 312 ff. **) U.B.II, 2, 232ff., 274ff. u. 302ff. *•>) U. B. II, 2, 302. 5<>) U. B. II, 2, 274 ff. 5*) U. B. II, 2, 302 ff. 52) Germ. Mus. Bibl. 8°. F. B. 117 in. 53) U. B. a. a. O. 54) Staatsarch., Zinsbuch für den Ort Fürth. Nr. 1006, Bl. 86, Nr. 1008, Bl. 29; Nr. 1009, Bi. 40. 55) U. B. I, 2, 44. 5S) Fürth, Stadtarch. Rep. 85, 1. 154