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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 151

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 2-3
Article
Kampf um die Fürther Judenapotheke
Date
1932-01-01
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
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August Jegel. Kampf um die Fürther Judenapotheke ständlich, ja erklärlich, obschon nicht geleugnet werden soll, daß auch niedere Geldbeutelrücksichten mit wirksam sind. Wenn wir auch nicht alle Einzelheiten des offen und versteckt geführten Kampfes aus den Akten erfahren, so erkennen wir doch die Hauptlinien. Es ist mir geglückt, mehr Archivalien aufzufinden, als die Forscher kannten, die vor mir denselben Stoff behandelten12), und sie miteinander in Verbindung zu setzen, da ich die Kulturgeschichte jener Tage von verschiedenen Seiten her aus einwandfreien Akten und Urkunden kennenzulernen mich bemühe13). Infolgedessen kann ich den bisher übersehenen allgemeingeschichtlichen Zusammenhang, der allein den Vorfall verständlich macht, herausarbeiten. Leider sind auch meine Quellen nicht ganz lückenlos, da ich aus dem bischöflichen Archiv zu Bamberg, das noch des wissenschaftlichen Ordners harren soll, nichts erhalten konnte, so daß ich den Standpunkt des Dr. Lob und seines geistlichen Schutzherrn fast nur aus den Aeußerungen der Gegner erschließen muß. Welche Vorbildung Dr. Löb genossen hat, wissen wir nicht genau. Auf keinen Fall dürfte er anfänglich die üblichen Prüfungen abgelegt haben14), weil ihn die Nürnberger Aerzte unter Berufung auf ihr Grundgesetz von 1592, das ich in der Bayerischen Aerztezeitung (August 1931) eingehender beleuchtet habe, unbedingt ablehnen. Dieses untersagt nämlich allen, die nicht an einer anerkannten Hochschule den Doktorhut erworben haben, die Tätigkeit im Stadtgebiet. Dieser Widerstand bestimmt Löb, sich in Wien bei dem kaiserlichen Arzt Dr. Manageta einer Prüfung zu unterziehen15). Auf Grund derselben wird Dr. Löb ein sogenannter bullatus, das heißt, ein durch eine fürstliche Bulle, nicht durch eine Hochschulurkunde privilegierter Arzt und Doktor. Bald erhält er von Kaiser Leopold I., der nach dem Vorbild seiner Ahnen den „kaiserlichen Kammerknechten" aus begreiflichen Geldgründen sehr gewogen ist16), einen Freibrief. Infolgedessen kann Dr. Löb im ganzen Reich leibzollfrei reisen und Kranke behandeln17). Doch muß er während seines Fürther Aufenthalts seine Heilmittel zunächst bei den Nürnberger Apothekern kaufen, wenn er in der Nähe tätig ist18). Um nicht wegen jeder "Einzelheit in die Reichsstadt zu fahren und sich dabei der demütigenden Maßnahme, Begleitung durch einen Polizeidiener oder andere Beauftragte des Rates, auszusetzen, erwirbt er sich allmählich einen immer größeren Vorrat von Heilmitteln, so daß er zwar nicht rechtlich, aber tatsächlich bald eine Apotheke besitzt. Damit man sein Haus leichter findet, bekommt er das Recht, einen Löwen, der wohl auf seinen Namen anspielt, an der Außenwand anzubringen. Doch begnügt er sich nicht damit, fremde Heilmittel abzugeben, sondern stellt auch selbst nach dem Zeitbrauch einige her. Er kauft in Nürnberg Rohstoffe und läßt sie durch einen Apothekergesellen aus Burzbach, den er mit der Familie bei sich aufnimmt, verarbeiten19). 1662 erlangt er sogar einen kaiserlichen Freibrief, Hauptpillen und -pulver herzustellen und zu vertreiben20). Schließlich braut er auch ein Magenwasser zusammen, indem er in Branntwein 12) Friedrich Marx, Fürth in Vergangenheit und Gegenwarth, Fürth 1887, S. 77ff. — Haenle, a.a.O., S. 171 ff. — Fronmüller, Chronik der Stadt Fürth, Fürth 1887, S. 97 ff. — Leopold Löwenstein, Zur Geschichte der Juden in Fürth (Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft 1908). — Carl Kassel, MGWJ, Jahrg. 36, S. 233 ff. 13) Nürnberg, Luitpoldhaus, Aerztlicher Verein, Acta Collegii Medici (= Acta) II, 135 ff. u. 159 ff. — Germ. Mus. Arch., Apotheker-Prot. Buch (= Prot.) I, 326 ff. — Staatsarch., Diff. Akten 31 mit Urk.-Buch (= U.B.). ") Acta 235. U.B.III, 153ff. 16) Grätz, Geschichte der Juden, Bd. 10, Leipzig 1868, S. 307. — Vgl. auch Staatsarch. Rep. 110, 219. 17) U. B. III, 2, 153 ff. w) Prot. I, 342 ff. «) Prot. I, 337 ff. 20) Prot- I, 342 ff. 151

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