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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 150

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 2-3
Article
Kampf um die Fürther Judenapotheke
Date
1932-01-01
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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August Jegel. Kampf um die Fürther Judenapotheke Nur das letztgenannte Nürnberger Gemeinwesen schließt seit dem Ende des 15. Jahrhunderts3) die Juden unbedingt aus und untersagt während der folgenden Jahrhunderte immer wieder jeden Handel mit ihnen, soweit er über die Bedürfnisse des täglichen Bedarfs hinausgeht und insbesondere Versatzgeschäft oder Veräußerung gebrauchter Gegenstände betrifft4). Die Deutung des Begriffes „Bedürfnisse des täglichen Bedarfs" ist zwar damals wie heutzutage etwas flüssig, umfaßt aber in erster Linie die unbedingt nötigen Nahrungsmittel, Kleidungs- und Haushaltsgegenstände5). Allerdings beweist auch in diesem Falle die immer wieder erfolgte Erneuerung des Verbotes, daß der Nürnberger Rat trotz der angedrohten Strafen wenig Gehorsam findet; denn offenbar fehlt ihm schon wegen der verwickelten landesherrlichen Zuständigkeit die Kraft zur Durchführung. Er muß sich sogar dagegen wehren, daß der Bamberger Dompropst auf seinen Besitzungen in Gostenhof, also unmittelbar vor den Stadttoren Nürnbergs, Juden aufnehmen will6). Freundlicher den Juden gegenüber stellt sich der Hohenzoller, indem er gegen das übliche Schutzgeld den Daueraufenthalt von Fall zu Fall gestattet7), dagegen fördert der geistüche Würdenträger wie sehr viele seiner Standesgenossen die Aufnahme der Juden und läßt sich sogar vom Kaiser die ausdrückliche Erlaubnis erteilen, Juden halten zu dürfen8). Auch errichtet der Amtmann des Dompropstes wohl nicht auf eigene Verantwortung ein neues Judenhaus unter dem Schein, als ob es ein Amtsgebäude werde9). Infolge dieses Schutzes treten die Fürther Juden ziemlich selbstbewußt auf und erregen dadurch mannigfachen Anstoß10); denn die Schlagworte des Antisemitismus sind auch dem 17. Jahrhundert nicht fremd, wenn auch die grausamen Pogrome des 14. Jahrhunderts aufgehört haben. Wohl veranlaßt durch jenen dompropsteilichen Schutz siedelt sich auch der genannte Arzt, welcher aus der Fremde, wahrscheinlich mit durchziehenden Truppen, ankommt, auf bambergischem Hoheitsgebiet an, als eine herrschende Seuche gesteigerten Arztbedarf hervorruft, und gewinnt durch seine Geschicklichkeit rasch Boden, obwohl die Zeitanschauungen den Christen widerraten, sich an jüdische Aerzte und Apotheker zu wenden; denn man traut jenen alle erdenkliche Bosheit und Hinterlist gegenüber einem Christen zu, da sie durch keinen Eid gebunden seien wie die christlichen Vertreter der Heilkunde. Diese Ansicht vertritt am deutlichsten und mit eingehender Begründung, welcher eine gewisse Tiefe nicht abzusprechen ist, der Frankfurter Arzt Dr. Ludwig von Hörnigk11). Nur aus diesen allgemeinen Anschauungen, die mit Gegenwartsschlagworten zusammenklingen, wird das feindliche Verhalten der christlichen Apotheker und Aerzte in Nürnberg und Fürth gegen den jüdischen Arzt ver- 4) Nürnberg, Staatsarchiv, Nürnberger Mandate A, Nr. 54, B, Nr. 167, C, Nr. 111, D, Nr. 135, E (1586, 31. August), F, Nr. 17. 19. 24. Vgl. auch Rats verlässe 1664, 2. 7.; 1665, 20. 7.; 1666, 31. 8.; 1779, 29. 9.; Brief buch Nr. 296, Seite 366. 5) Siehe obige Mandate, dazu die Marktordnungen! 6) Nürnberg, Staatsarchiv, Nürnberger Ratsverl. 1664, 14. 4. 7) Haenle, Geschichte der Juden im Fürstentum Ansbach. Ansbach 1867. Andreas Würfel, Ausführlicher Bericht von Juden. 1732; Nachrichten von der Judengemeinde, 1755, Seite 7. Vgl. auch Staatsarch., Rep. 110, Nr. 221—223: Brandenburgische Juden in Fürth 1704—30. 8) Staatsarch., Diff. Akten. 31: Urkundenbuch (= U.B.) II, 2 Nr. 67; Hist. 283, Seite 101. Hugo Barbeck, Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth, Nürnberg 1878. ö) Staatsarch., B-Lade, Seite 191, Nr. 10. io) A.a.O. Nr. 4, 6, 11. u) medicaster Apella oder Judenarzt 1631. — Politia medica, Frankfurt 1638 (§73 ff., S. 51, u. Tit. 18, S. 178 ff.)- 150

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