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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 126

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1932-01-01
Page
Seite 126 (sequence 27)
Language
German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus bräische Grammatik, die er „beim Herrn Operino (Oporinus, s. Teil I, A. 108), Buchdrucker zu Basel", gesehen habe111). Aus rabbinischen Kreisen stammt ein Schriftchen, das für die gebräuchlichsten deutschen Substantiva, Verba, Gruß- und Segensformeln die entsprechenden hebräischen und neuhebräischen Vokabeln lieferte, des Elias Levita „Nomenclarura hebraica"112). Der Plan ging von dem geschäftstüchtigen Drucker P. Fagius aus („rae hortatore" Bl. lb). Dieser hält, wie er in der Vorrede sagt, die Vokabelkenntnis wie in den andern Sprachen so auch hier für ein wichtiges Mittel der Unterweisung an die „tyrones et studiosi"113). Der Druck ist in vier Spalten geordnet: die erste Reihe enthält in alphabetischer Folge die deutschen Vokabeln mit hebräischen Typen, wie sie die deutsch schreibenden Juden verwenden114); es folgen in Reihe 2—4 die hebräischen, lateinischen und deutschen Vokabeln, die beiden letzten Reihen sind von Fagius hergestellt. Am Schluß der Vorrede stellt Fagius für die Zukunft eine Sammlung hebräischer Gespräche und Briefe in Aussicht. Nach der Vorrede zur 2. Ausgabe sollte das Buch eine „puerilis nomenclaturarum Hebraicarum institutio", ein Hilfsbuch zum Uebersetzen aus dem Deutschen ins Hebräische sein — ein Zweck, den wohl auch Münsters Lexicon trilingue (s. Teil I, S. 191) verfolgte. Beide Werke zeigen, wie die Gelehrten unter humanistischem Einfluß das hebräische Studium fruchtbar machten und bereicherten. In jene Zeit fällt die Entstehung der jüdisch-deutschen Volksliteratur115). Wir haben die Entwicklung des hebräischen Sprachstudiums verfolgt von den primitiven Versuchen Pellikans über die wissenschaftlich fundierende Arbeit Reuchlins und die Nutzbarmachung jüdischer Textinterpretation durch Fagius und Münster bis zu den theologisch orientierten Werken Melanchthons, Forsters und der anderen Wittenberger Hebraisten. Wir verlassen den Gang der Geschichte mit dem Ende des 16. Jahrhunderts und hoffen ihn demnächst mit einer Darstellung der hebräischen Sprachwissenschaft im Zeitalter der Aufklärung wieder aufzunehmen. Die Entwicklung zeigt eine doppelte Kurve mit dem Ziel der Theologisierung der Sprachwissenschaft Höhepunkt der ersten ist Reuchlin, der zweiten Melanchthon, zwischen beiden Seb. Münster, bei dem sich die immanent sprachlichen Tendenzen zum letztenmal in einem Realismus exakter Forschung verkörpern. Bis zu ihm spielt die Sprache mit dem Menschen, entzieht sich ihm, läßt sich endlich besiegen; seitdem spielt der Mensch mit der Sprache und büßt das mit dem Verlust der Herrschaft über sie. boren trat er zum römisch-katholischen, dann zum reformierten Bekenntnis über — s. Nouv. Biogr. gener., Paris 1855 ss., tom. 45. "0) „Bedenken ff." Vormbaum, I, S. 758. m) Gemeint ist Wigandus Happelius, ein Schüler des P. Fagius, Professor in Marburg, f 1572. ''Sein Lehrbuch hieß: „Linguae sacrae Canones grammatici", Basel 1561, 653 S. Am Anfang zwei hebr. Episteln, die sich Fagius und Happel gegenseitig widmen, mit lateinischer Uebersetzung, als Anhang ein Index und Kommentar zum Propheten Jonas, 142 S., 8°. Steinschneider, Nr. 804. 112) D-nsn nlfctf. Isny 1542. 31 Bl., 8°. 2. Ausg. v. J. Drusius, Franeker 1652. Vorrede + 240 S., 8°. Perles, S. 131 ff. Steinschneider, 1166. 11S) Geiger hat das wohl übersehen; er hält den Zweck des Buchs für nicht ersichtlich (Studium, S. 63). 114) Seit d. 15. Jahrh. verwendete man hebräische Schrift zur Aufzeichnung von Liedern in deutscher Sprache. A. Berliner, Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter, S. 57. F. Rosenberg „Ueber eine Sammlung deutscher Volksu. Gesellschaftslieder i. hebr. Lettern". In „Zeitschrift f. d. Gesch. d. Juden i. Dtschld.", herausg. v. L. Geiger. 1888. Bd. 2„ S. 232—96. S. 235.!") Berliner, S. 126f. 126

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