Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 26)
- Language
- German
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Otto Kluse. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus libri duo"103). Clenard (= Nicol. Cleynaerts), ein weitgereister flandrischer Grammatiker (f 1542), beherrschte durch seine (auch griechischen) Unterrichtswerke den ganzen Kontinent; letzteres Lehrbuch war eins der ausführlichsten jener Zeit, für den Unterricht aber wegen der zahlreichen üblichen Exkurse über die chaldäische Sprache, über Sprachforschung u. ä. wenig brauchbar104). In der Institutio105) sind ferner genannt J. Forsters Bibelkxikon (s. o. S. 106 f.), das gegenwärtig als Quelle für den damaligen Wissensstand Bedeutung hat, und J. Avenarius Lexikon106). Avenarius (1516—90) war Professor der orientalischen Sprachen in Jena und schrieb außer dem Lexikon eine hebräische Grammatik (s.o. S. 102). An Sturms Anstalt in Straßburg wirkte 1542 als Lehrer des Hebräischen der Italiener E. Tremellius (1510—80. S. o. A. 28). Er gab einen hebräisch-griechischen Katechismus107), eine chaldäisch-syrische Grammatik108) heraus und übersetzte das Alte Testament ins Lateinische. Auch er hütet sich ängstlich, Worte und Phrasen aus dem „Schmutz der Rabbinen" zu schöpfen, und spricht nur die Sprache der „göttlichen Orakel in den heiligen Büchern"109). M. Neander nennt110) des W. Hoppelius hedings mit fast gänzlicher Vernachlässigung der deutschen Bibliotheken, bei Chauvin-Roersch, S. 162—169. 103) Basel (Frobenius) 1518. 2. Aufl. Straßbg. 1525. Steinschn., Nr.354 u. Zusätze, S. 361. 104) Knepper, S. 316. 10*) Institutio, III, S. 419 u. 440. 106) D^Ehgfn -i?D hoc est Liber radicum seu Lexicon Ebraicum. Wittbg. 1568. 841 S. Gr. 4°. 2. Ausg. 1589. Steinschn., Nr. 150. Die Grammatik heißt V~$PÖ fl*?^ Grammatices Ebraicae sanctae linguae prima et secunda et tertia pars. Wittbg. 1562 u. 1570. Letztere Ausg. in der Preußischen Staatsbibliothek. 104+76+119 Bl. Steinschn., Nr. 149. 107) Die „Rudimenta fidei" (o. O. 1554) bestehen aus zwei Teilen: 1. OTO'.y;s'!(oai<; -yji; Xptax'.dvtov xiotstoi;, Gespräch zwischen Lehrer und Schüler "in griechischer Sprache, 126 S. 2. n; * n - P7 3 3 n -i § a (d. i. Buch der Belehrung der Auserwählten Gottes), Glaubenssätze aus dem Alten Testament, ohne Seitenzählung mit lateinischer Vorrede (s. u. A. 109) in hebräischer Sprache. Der letzte Teil, rein theologischen Inhalts, ist nochmals gedruckt London 1820, 120 S., 8°. Steinschn. (Nr. 2020) zitiert eine 1. Auflage der Rudimenta von 1541. los) [)je Grammatica Chaldaea et Syra bildet den Anhang zu des Verf. Uebersetzung des Neuen Testaments. Der Titel heißt: ,/H xatvyj foaöifjjaj. Testamentum novum. srnn K^rP^. Est autem interpretatio Syriaca Novi Testamenti Hebraeis typis descripta". o. O. (Genf). 1569. 1418 S., Gr. 4°: Zenker II. 1529. Steinschn. vacat. Fürst (III. 443) hat Paris als Druckort. Die aramäische Grammatik umfaßt 98 S. — Tremellius begründet die Verwendung hebräischer Typen damit, daß die syrischen Laute mit den hebräischen identisch und syrische Schriftzeichen selten sind. „Etsi Chaldaei et Syri proprios habeant characteres, tarnen quia vi ac sono cum Hebraeis iidem sunt . . . nec facile horum idiomatum typi proprii reperiuntur, nos typis Hebraeis utentes haec praecepta trademus" (Einl. S. 5). Die Sprache der Bibelübersetzung des Tremellius (synoptisch dem griechischen Text gegenübergestellt, ohne besonderen Wert für die Textkritik) ist der westaramäische Dialekt, die „Sprache Jesu", die in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts vom Arabischen verdrängt wurde. Th. Nöldeke, Beiträge zur Kenntnis der aramäischen Dialekte. Z. D.M.G. 22 (1868), S. 443—527. S. 526. Bruchstücke seiner Originale sind in Handschriften des 7.—11. Jahrhunderts erhalten. S. o. A. 88. „Chaldäisch und syrisch" werden promiscue für aramäisch gebraucht. Auch Münster nennt das Targum eine „Syriaca expositio" (Diqduq, S. 12), Theseus Ambrosius schrieb 1539 eine Introductio in Chaldaicam linguam Syricam. Benfey, S. 219. 109) „Summa diligentia cavi, ut de faece Rabbinorum verba et phrases non haurirem, sed illud genus orationis adhibui, quo divina oracula fuerunt . . . conscripta". Aus der Vorrede des sepher chinnuk (s. o. A. 107), S. 5. Ueber des Tremellius Reise durch die Konfessionen — von jüdischen Eltern ge- 125