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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 124

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1932-01-01
Page
Seite 124 (sequence 25)
Language
German
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Otto Kluse. Die hebräisch« Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus traditionellen Typus hatte. Auch hebräische Gedichte sind von E. Levita erhalten, so am Ende von Masoreth hammasoreth und in den Vorreden zu seinem Tisbi. Eine Sammlung jüdischer Gedichte aus jener Zeit bringt Wolf"). Im humanistischen Lager sah man auf die pädagogische Seite der Sache und hielt solche Dressur für jüdische Ueberspannung. Der Behandlung der hebräischen Sprache als lebendiger werden ja immer Grenzen gezogen sein. So bemerkt G.Wicel in einer Rede, mit der er sein Lehramt in Erfurt antreten wollte — da der Ruf nicht kam, ließ er die Rede drucken —: „Ich will nicht hebräische Briefe, nicht hebräische Reden, nur das will ich, daß du dich an die hebräische Bibel gewöhnst und dich mit ihren Phrasen und Eigenheiten vertraut machst"99). Der Zweck war also die Lektüre, deren Verständnis man in einer dem Moralprinzip entnommenen Interpretation suchte (s.o.S. 108). „Bei dem damaligen tiefen Stand der Exegese — sie begnügte sich mit dem sensus literalis — war diese dogmatisierende Interpretationsmethode ebenso gegeben wie ihr Gegenstück, die schriftfundierte Dogmatik"100). Wir werden wieder daran erinnert, daß die Theologie die Verwalterin des hebräischen Sprachgutes war. Was diese Männer über Spracherlernung sagen, ist klar und richtig. Es ist ihr gutes Recht, das Hebräische für ihre theologische Wissenschaft zu beanspruchen. Sie sehen aber nicht die Grenzen, die sie damit der Sprache stecken. So apodiktisch und überlegen sie ihre Universitätsideologie vom Aussichtsturm der Kirche aus predigen, so unsicher werden sie bei den Sprachproblemen, wo sie mit ihrer Strukturforschung, ihren religiösen Denkmethoden nicht weiterkommen. Hier rächt sich die unnatürliche Scheidung von wertendem und wissenschaftlichem Subjekt. Man kann eben nicht als wertfreier voraussetzungsloser Wissenschaftler — Ziele setzen. Trotzdem ist eine Entwicklung wahrzunehmen. Das Bild des Sprachstudiums ist in dieser nachreformatorischen Zeit und unter diesen Männern ein anderes. Nachdem die hochgehenden Wogen der Kirchenbewegung abgeebbt waren, gelangte das Studium des Hebräischen in ruhiges Fahrwasser, gewann an Selbständigkeit und eigenem Leben. Der jeweilige Stand der Sprachwissenschaft bedingt die Beschaffenheit der Lehrmittel. Ich führe die pädagogische Literatur an, soweit ich sie in meinen Quellen gefunden habe; ein Mehr würde die Abhandlung zu einer Bibliographie anschwellen lassen. Sturm nennt101) als Lehrbücher des Nik. Clenardus Grammatik102) und W. F. Capitos (s. o. A. 48) „Hebraicarum institutionum 9«) Wolf, IV, S. 1140—67. ") „Non exigo a te epistolas Hebraicas Marte tuo scriptas, non colloquia Hebraica. ., sed illud volo, ut Bibliis adsuescas Hebraicis, ut phrasin et idiomata imbibas . ." G. Wicel, Oratio in laudem Hebr. linguae. o. O. (Lips.?) 1534. 14 Bl., 8°, Bl. 10. Ex.: Bln. Staats-Bibl. Steinschneider, Nr. 2154. 10°) Kluge, Humanismus, S. 35f. Auch in den klassischen Sprachen pflegte man diese Interpretation. Vgl. oben A. 21. 101) Institutio, II, S. 84. 102) plTpn? rn*? Tabula in grammaticen Hebraeam (später rhfi*? Tabulae) ist seit der 1. Ausgabe (Lovanii 1529 bei Dirck Martens. Hebr. Bibliogr. I. 1858. S. 107 f.) in Paris, Köln, Antwerpen mehrfach aufgelegt worden. Vgl. Steinschneider, Nr. 412. Die Berliner Staatsbibliothek besitzt die 9. Aufl. Köln 1567. 88 Bl. 12° und die 12. Aufl. Lugd. Bat. 1589. 93 S. 8°. S. o. A. 69 u. 91. Die Bibliographie ist zusammengestellt, aller- 124

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