Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 23)
- Language
- German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus (s. Teil I, S. 189) und Elias Levitas Grammatik*6). „Wenn ein Knabe alle Wochen nicht mehr denn nur zwey bletichen in den Hebraeis Tabulis97) lernet, so kann er sie one grosse mühe in einem halben jähr fertig zum ende lernen" — ein etwas optimistischer Standpunkt, der damals aligemein war (vgL des L. Geusius Brief an A. Masius. 1. Mai 1540. Ausg. Lossen, S. 8). „Darnach möchte man jm pro exemplo praeceptorum Grammatice exponiren, parvum Catechismum Lutheri Hebraeum, item Euangelia Hebraea88) oder etwa Genesin, dieweil diese Bücher und alle Libri Historici in der Bibel viel leichter sein denn Davidis, Salomonis und der Propheten Bücher, welche sehr schwer auch was die Grammaticam belanget". Der durchaus richtige Gesichtspunkt, die Auswahl der Lektüre nach dem Schwierigkeitsgrad zu treffen, dessen Berücksichtigung Propheten und Chochma-Literatur („Salomonis Bücher") für Anfänger verbietet. Als Ergänzung der „Tafeln" verweist Neander auf seine eigenen „Erotemata" (s. o. S. 117), die sogar nach seiner Meinung den Lehrer entbehrlich machen. Er kennt auch ein Novum Testamentum in lingua Syriaca, das der Jurist Joh. Alb. Widmenstadius in Wien „den Christen in Syria, so unter dem Türcken wohnen, zu trost" geschrieben und auf Kaiser Ferdinands Kosten „literis Syriacis" in Druck gegeben hat89). Soweit der s6) Tin?n n?D, eine vollständige Grammatik, mit Münsters Version. Basel 1525. 8. Steinschneider, 1159. Bachur, „der Auserwählte", war Levitas Beiname. 87) P^rn? J"^1"1^* Grammatices heb. ling. tabulae succinctae et breves, collectae ex Erotematis". . . M. Neandri, Witeb. 1575. 39 BL 8°. Ex: Bln. Staats-Bibl. Die Ausgabe ist redigiert von J. Wagner aus Elrich. Steinschn. (No. 1416) nennt eine Ausgabe von 1581. 88) S. das über Tremellius S. 125 u. A. 28 Gesagte. Unter den existierenden hebräischen Uebersetzungen des Neuen Testaments ist das EvgL Matthaei in lingua hebr. von Seb. Münster (Bas. 1537) zu nennen. Vgl. oben A. 29. Die Originale waren bestimmt für die historischen Ausläufer der jüdischen Urgemeinden Palästinas. G. Dalman, Hebr. Uebersetzungen des N. Test. Realenzyklop. 8, III, S. 102. 89) Gemeint ist J. A. Widmanstadt. Das Werk führt auf der Titelseite: Div. Ferdinandi Rom. imperatoris designati iussu et liberalitate, characteribus et lingua Syra. 1555. Scriptorio prelo expressa. Am Schluß: Viennae Austriacae. 4°. Ohne Seitenzählung. Ex.: Bln. Staats-Bibl. In der Widmung an den Kaiser gibt W. als Grund der Ausgabe an: „ut Asiaticis Christianis, qui vetere Syrorum lingua partim vulgo partim in sacris tantum utuntur, eorumque incredibilis multitudo ... ad finem usque orbis illius dispersa ob Evangelicorum librorum indigentiam praeter baptismum vix ulla religionis vestigia retinent, immortale hoc beneficium tribuere posses". S. 15. in der Vorrede nennt Widmanstadt auch Masius (s. o. S. 107) als Autorität für die Meinung, daß das Evangelium Matthaei ursprünglich nicht in der alten hebräischen sondern in der syrischen Volkssprache geschrieben sei. Vgl. A. Masius an W. Postel. April 1554. Briefe von A. Masius u. seinen Freunden, her. von M. Lossen. Leipzig 1886. S. 160 ff. Ueber Postellus (s. Teil I, A. 113) vgl. L. Geiger, Zsch. f. d. Geschichte der Juden i. Deutschland, IV (1890), S. 127. Am Schluß jenes Testaments stehen die Namen des Typengießers und Druckers und eine poetische Anweisung, das Buch „fine a Latinis diverso" zu lesen. Der Druck in Schwarz und Rot ist ausgezeichnet. Eine 2. Auflage (Coloniae Allobrogum 1569) druckte H. Stephanus. Später druckte man das Werk mit hebräischen Buchstaben, so in der Plantinischen Ausgabe, Antw. 1573 (M.Steinschneider, Hebr. Bibliographie. Bd. VII. 1864. S. 71). Neander meint entweder die Wiener oder die Genfer Ausgabe. Richtig La Caille, S. 52: „A Vienne fuit imprime Novum Test. Syriace, in quarto en 1555, qui est tres-rare". Die Uebersetzung ist eine Redaktion der Peschitta („die Einfache". Nöldecke, S. 40. 42). In welchem Verhältnis sie zu Tatians Diatessaron und dem Sinaipalimpsest steht, läßt sich hier nicht ausführen. Vgl. Historical Catalogue of the printed editions of holy scripture. London 1911. Bd. II, S. 1528 f. Widmanstadt sammelte einen sehr großen Teil der hebr. HSS. der Staatsbibliothek zu München (s. Teil I, A. 4) und schrieb auch die erste syrische Grammatik „Prima Elementa" 1558, Neudruck Antwerp. Platinus 1572. Zenker, Bibl. Orient, Lpz. 1861, II, 1525/26. Benfey, S. 218. 122