Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 20)
- Language
- German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschlaad im Zeitalter des Humanismus endet haben „. . . und bin so klug als wie zuvor". „C'est de Thebreu pour lui", sagt der Franzose. Das sind ihm böhmische Dörfer. Ein nicht ganz einheitliches Bild erhalten wir von der Stellung des großen Straßburger Rektors Joh. Sturm (1507—89) dem Hebräischen gegenüber. Von seinen eigenen hebräischen Studien gibt er einen Bericht in der epistola classica vom Jahre 1565 an den Hebraisten seiner Akademie Elias Kyber68): Danach hat er erst 1564 als 57jähriger, als 6<|Hu,a8^<; (s. o. A. 44), mit dem Erlernen angefangen. Er hätte schon früher dazu Gelegenheit gehabt, als er nach Löwen ging (1524), wo Joh. Campensis am Collegium tnlingue Buslidianum (s. o. A. 3) Hebräisch unterrichtete. Campensis, ein Freund S. Münsters, hatte wohl kein rechtes Lehrtalent, sodaß er nur wenig Hörer hatte. Anders wurde es, als Nicol. Clenardus dort unterrichtete, seine Tafeln herausgab und erklärte69). Mit ihm verkehrte Sturm später in Paris freundschaftlich, er rühmt sein Geschick und seine Erfolge. Um doch nicht ganz urteilslos zu bleiben, bekennt Sturm in diesem Abriß seines Studiengangs, daß ihm die hebräische Sprache anfangs arm („paucorum verborum et inops") erschienen sei; nach kurzer Bekanntschaft aber merke man ihre Gedankenfülle, den Reichtum an Wörtern und Formen. Wesentliche Förderung habe sein Studium erfahren durch die Lektüre des Hier. Massarius, eines gelehrten Arztes, und Josia Rihelius, die Kommentare des Genfers Sancta Pagninus, das Lexikon J. Forsters70). In späteren Jahren lernte er sogar, weil ihm die Redefreiheit entzogen war, ein hebräisches Wörterbuch auswendig und glaubte dazu so viel Zeit zu brauchen wie der Weinbauer vom Setzen der Rebe bis zur reifen Frucht, d.h. in drei Jahren fertig zu sein71). Sturms grundsätzlicher pädagogischer Standpunkt der Sprache gegenüber war bestimmt durch den halb religiösen der pietas erudita, dem das Hebräische nicht ganz entbehrlich erschien. So setzte er es in dem Abschnitt „De festis diebus et de sacris lectionibus" seiner Erstlingsschrift „De literarum ludis recte aperiendis" es) Institutio, I, S. 138 f. Ueber Sturm vgL Kluge, Humanismus, S. 7 f. 69) ebda., I, S. 139. Wolf, II, S. 604. Vgl. unten A. 102. „Campensis avait donne la theorie et rassemble les eiements de la söence grammaticale; Cleynarts appliquait ä Phebreu ses vues sur la methode d'apprendre les langues . . . il eut la satisfaction de voir sa methode justifiee par la pratique". Neve, Memoire ff., S. 315. Ueber Camp. vgl. F. L. Hoff mann, Jo. van Campens hebr. Grammatik u. Professur in Krakau. Hebr. Bibliogr. VII (1864), S. 42. Ueber CL vgl. Biogr. nat., Bruxelles 1866ss., IV, S. 163 (Art. von Neve). Ueber das Verhältnis beider siehe V. Chauvin et A. Roersch, Etüde sur la vie et les travaux de Nie. Clenard. Bruxelles 1900. S. 36. 110—7. Clenards Methode war 1. Einführung in medias res, 2. Darstellung des Wichtigsten in anschaulicher einprägsamer Anordnung, 3. Absolvierung des Kursus „vixdum exaeto trimestri". Er begründet das im Vorwort. Münster kopiert ihn in seinem Op. gr. cons. (s. Teil I, S. 189), nennt aber (praef. S. 5) unter den Koryphäen wohl Campen, nicht aber Clenard, der damals schon fünf Auflagen erlebt hatte. Lebensabriß neuerdings bei Drerup, a. a. O-, I, S. 79 f. 70) Massarius Hieron. Massaria, ein Schweizer, fl564, „hinterließ eine Grammatik von der deutschen u. hebräischen Sprache, die noch nicht gedruckt ist". Jöcher, III, S. 265. Jos. Rihel, 1525—97, Gelehrter u. Buchdrucker in Straßburg. Jöch., VI, S. 2169. Santes Pagninus, Dominikaner in Lucca, t 1541, übersetzte das Alte Testament 1528 als der erste nach Hieronymus, schrieb lexikal. u. grammatikal. Werke, u.a. einen Aruch (s. Teil I, A. 124). Die Titel bei Steinschn., No. 1506—11 und Zusätze u. Berichtigungen ff. (Centralbl. f. Bibliothekswesen XIII, 1896, S. 461 f.). Diese Bibelübersetzung wurde von Anas Montanus revidiert in die Antwerpener Polyglottenbibel aufgenommen. „Quot correctiones tot corruptiones" beurteilt P. Rieh. Simon (Hist. crit. du V. T-, 1. 2, ch. 20) diese Revision. Brief Plantins an Masius 1570. Ausg. Lossen, S. 439. Neve, 1. c, S. 231. — Forster s. o. S. 105 f. 71) Brief an Joh. Lobettius. 21. Mai 1579. A. Reifferscheid, Quellen z. Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland i. XVII. Jahrh. Heilbronn 1889. S. 676. 119