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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 116

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1932-01-01
Page
Seite 116 (sequence 17)
Language
German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus gischen und fränkischen Schulen (in Gotha 1594 auf Veranlassung des Herzogs Casimir, da in einer Prüfung sich sämtliche Kandidaten des Hebräischen unkundig zeigten); 1525 ist es erwähnt im Lehrplan der Stadt Eisleben5»). Den Anfängen des hebräischen Unterrichts in Westfalen hat Kl. Löffler eine Untersuchung gewidmet58a) Er hat für Münster (s.o. S. 114) das Vorhandensein einer von dem Rektor Herrn, v. Kerssenbroch verfaßten hebräischen Grammatik (Qozer haddiqduq. Epitome grammaticae hebraeae) festgestellt (sie stammt aus dem Jesuitenkollegium und befindet sich jetzt in der Universitätsbibliothek), die in Köm 1560 gedruckt und dem Kölner „Hebraicae Iiteraturae professor pubticus" Joh. Isaac (getauft 1546 s. o. A. IQ) gewidmet ist. Sie stellt sich dar als ein bloßer Auszug aus Isaacs „Perfectissima Hebraea grammatica" (Köln 1557. Ex.: Münster, Univ.-Bibl.), veranlaßt sowohl durch eine vom Bischof vorgenommene Neuordnung der Schlußprüfung für die Ordinanden als auch durch das Drängen der Studiosen, die sich auf den Kirchendienst vorbereiteten. Der vorbereitende Gymnasialunterricht wird also auf die oberste Klasse beschränkt und nur fakultativ gewesen sein. — Für Dortmund fällt der Beginn hebräischer Lektionen nach der Chronik der dortigen Dominikaner (Handschrift der Staats-Bibl. Berlin) mit dem Gründungsjahr (1543) der „großen Schule" zusammen. Westhoff (Chroniken der deutschen Städte, XX, 455) setzt für 1545 das Auftreten eines Dr. Tilman Kleinmeister an, der „Linguae Sanctae, dat ist der hebräischen tungen fundament gelesen, und grote underrichtungh derselvigen sproche gedaen". Wahrscheinlich handelt es sich in beiden Fällen um in Aussicht genommene Maßnahmen. 1548 erschien des Rektors Joh. Lambach „Methodus recte legendi Hebraica per Joh. Scaevasten ff." (Ex.: München Staatsu. Univ.-Bibl.), und die dritte Sprache gewann Bürgerrecht im Dortmunder Lehrplan. Noch frühere Jahre lassen sich für die hebräischen Anfänge in Minden (1530) und Herford (1542) feststellen. 1566 erhielt Flensburg ein Gymnasium trilingue; wöchentlich wurden in zwei Stunden hebräische Grammatik und Altes Testament unterrichtet, ebenso am Joachimsthal 160759). Die Landesschulen in Koburg (1605) und Heilbronn (1582) gaben in ihren hebräischen Kursen Gelegenheit, mit dem Studium der Theologie einen Anfang zu machen. Im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts gehört das Hebräische zum Bestand der hohen Schulen und trägt dazu bei, diese in ihrer Eigenart von den niederen zu sondern. Die in den Jesuitenschulen geltenden Regulae 1566 und 1577 gestatten das Hebräische nur denen, „qui in Theologiae facultate mediocriter iam eruditi sint". Ratio studiorum, her. von G. M. Pachtler, S. J. (Monumenta Germ. Paed. 2 und 5, Berlin 1887), I, S. 127. 196. Die von einer aus Hochschullehrern bestehenden Komrnission verfaßte Ratio stud. 1586 bestimmte für die Kollegien eine „introductio ad Rabinos intelligendos" (II, S. 124). Aber schon die dem praktischen Unterricht geltenden Institutionen von 1599 bekunden neben ihrem Zweifel an der Authentizität der Masoret. Punktation offenes Mißtrauen gegen die Rabbinen, „denen man kein großes Gewicht beilegen dürfe, damit niemand für sie eingenommen werde" (II, S. 296). Als Lehrbuch in den Jesuitenkollegs werden des Kardinal Rob. Bellarmin Institutiones ling. Hebr. (Romae 1578. 3. Ausg. 1585. 231 S. 12°. Ex.: Berlin Staats-Bibl.) „trotz ihrer Weitschweifigkeit" den Tabulae des freigeistigen Clenard (s. u. S. 125) vorgezogen. Es ist erfreulich, wie sehr die strenge jesuitische Ordnung dem philologisch-formalen Charakter des Studiums gerecht wird („praecipua cura verborum", Beachtung der hebr. Idiotismen, Hinzuziehung andrer Orient. Sprachen. Ratio II, S. 298 f.) Die wechselvolle Geltung des Hebräischen als Schulfach in den späteren Jahrhunderten geht über den Rahmen dieser Untersuchung hinaus. Als ein Ausnahmefall muß es jedenfalls bezeichnet werden, wenn noch Fr. Aug. Wolf während seiner Nordhäuser Schulzeit in ss) Pauken, I, S. 301. 07. 13. Mertz, S. 459. Tholuck, a.a.O., I, S. 173.197. *8a) Ztschr. f. vaterl. Geschichte u. Altertumskunde Westfalens LXX (1913), S 304_9. "») Vormbaum, II, S. 75. Paulsen, I, S. 317. 116

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