Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 15)
- Language
- German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus der Vorrede zu seinem oben besprochenen Lexikon: „Inprimis autern iuventus, postquam fundamenta iedt linguae Latinae tum Graecae, assuefacienda est ad hoc Studium Hebraeae linguae"45). Diese Sprache, heilig und rein, in der nicht wie in den andern so viel Anstößiges geschrieben sei, solle der Jugend gleichsam zur Nahrung dienen. Und Mich. Neander formulierte seine Ansicht von dem Beginn des hebräischen Unterrichts in folgenden Worten: „Und ob wol etliche meinen, man solle die Jugend mit der Hebräischen Grammaticken zu frieden lassen, und dasselbe Studium sparen, biß sie erwachssen, und nu anfangen, Theologiam zu studieren und der Kirchen zu dienen, so bringet man doch die Praecepta allezeit eher in die Jugend, ob sie gleich alters halben sie nicht alle gnugsam verstehen, denn in die Alten und erwachssenen, da sich der alte Pappegey vor der Ruthen nicht mehr fürchtet"46). Der Ilfelder Rektor meint, die „Hebraea Lingua sei nicht allein den Theologis nütz, Sondern auch nötig allen Studiosis, dieweil sie alma mater ist". Alle Sprachen sind, nach Neanders Ausdrucksweise, aus ihrem Leibe gekommen, auch die Lingua germanica, die aus Persien stamme. Darum könne man Hebräisch „auch lust halben und propter collationem cum aliis Unguis" studieren. So faßte man das Hebräische als allgemeines Bildungsmittel auf wie die klassischen Sprachen auch. Neanders „Bedenken" stammen aus einer Zeit, in der das Hebräische im Lehrplan der großen Schulen feststand. Der Weg, den die Sprache als Lehrfach aus kleinen Anfängen bis zu ihrer Geltung zurückgelegt hat, war ein weiter. Am frühesten von allen höheren Schulen Norddeutschlands, nämlich schon vor 1517, wurde das Ideal einer scientia trium linguarum angestrebt in Münster. Der Konrektor der dortigen Domschule, Joh. Pering, ließ 1517 in Köln eine Sentenzensammlung aus Lorenzo Vallas „De verbo bono" erscheinen und fügte ihr an eine „Exhortatio studiosae iuventutis ad linguam Hebraicam in frequenti scholasticorum coetu habita, cum auspicaturus esset Hebraicae linguae rudimenta" 46a). Wahrscheinlich fand die Einrichtung bereits im folgenden Jahr mit Perings Weggang nach Wesel ihr Ende. Die älteste gedruckte Schulordnung des neuen Kirchenwesens, die von Eisleben im Jahre 1525, läßt mit dem Hebräischen von einigen einen Anfang machen47). In Straßburg wurden 1530 hebräische Vorlesungen gehalten, wenn auch nicht im Umfang der lateinischen und griechischen. Der dortige Rektor, Otto Brunfels, Sturms Vorläufer, schreibt in seiner „Catechesis puerorum" 1529: „Hebräisch treiben wir nicht viel; diese Sprache ist erst später zu erlernen, wenn die Schüler im Lateinischen und Griechischen vorgeschritten"*8). Sturm begann mit seinen hebr. Studien als 57jähriger (s. u. S. 119), dagegen; Melanchthon als „adolescens". Camerarius, S. 70. F. Neve, der Historiker des Löwener Collegium Busleidianum (s. o. A. 3), schreibt: „L'exemple de Jean Reuchlin, de Rodolphe Agricola et d'Erasme prouve assez qu'on peut s'adonner avec fruit ä l'etude de Phebreu meme dans un äge avance". Memoire, S. 267. 45) Forster, Bl. 8 b. 46) „Bedenken, wie ein Knabe zu leiten und zu unterweisen", 1582. Vormbaum, I, S. 757. Vgl. M. Steinschneider, Hebr. Bibliographie. Bln. 1864. Bd. VII, S. 69—72. 4ßa) C. Krafft in der Zeitschrift f. preußische Geschichte. Bd. 5 (1868), S. 473. 47) K. Harrfelder, Melanchthoniana Paedagogica. Leipzig 1892. S. lff. Paulsen, I, S. 277. 48) C. Engel, Das Schulwesen in Straßburg vor der Gründung des protest. Gymn. 1538. Straßb. 1886. S. 49. J. Knepper, Das Schul- und Unterrichtswesen im Elsaß von den Anfängen bis geg. d. J. 1530. Straßb. 1905. S. 316. Vgl. Brunfels' Brief an den Basler Hebraisten W. F. Capito 1519. Geiger, Studium, S. 112 Anm. 3. 114