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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 111

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1932-01-01
Page
Seite 111 (sequence 12)
Language
German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus In Königsberg verband J. Skiurus theologische und hebräische Vorlesungen. Die Professur der hebräischen Sprache gehörte zur philosophischen Fakultät. Nach den Statuten soll der Inhaber im Sommer die historischen Bücher des Alten Testaments, im Winter die fünf Bücher Mosis erklären30). Der oben genannte Königsberger A. Wesseling ging, von Melanchthon empfohlen, 1553 nach Rostock und „trug nicht wenig dazu bei, die alttestamentlichen Studien, die damals nur von wenigen in ihrer Bedeutung erkannt wurden, wieder in ihre Rechte einzusetzen und emporzubringen"31). Wie in Marburg und später (1614) in Wittenberg war auch in Rostock nach den Universitätsstatuten 1564 der Hebraicus der „zehnte und letzte professor artium"32). Er hatte die hebräische Grammatik S. Münsters und die des F. Stancarus33) (s. u. S. 128) vorzutragen und der Uebung wegen die Genesis, die Psalmen und Proverbien zur Erläuterung zu benutzen. Nach der Tübinger Universitätsordnung des Herzogs Ulrich vom Jahre 1535 war die hebräische Lektur keine einem Ordinarius zugeteilte. Die Statuten schreiben darüber: „Wir haben auch gnugsam ursach, warumb die Hebreisch Lektion nit ordinaria gemacht, Sonder fry gelassen ist, dann dise Sprach nit allen Studenten Sonder allein denienigen die sich uf die hailigen schrifft geben wollen, fürstendtlich und dienstlich ist . . .". Die anderen Studenten „würden sich hoch beschweren, wa man sie umb des Magisterij willen zur Hebreischen Sprach dringen wölte". Dagegen gilt sie als „hoch vonnöten allen denen, so in der heiligen schrifft fruchtbarlich zustudiern fürhaben"34). Anders in Heidelberg, wo das Statutenbuch der Artistenfakultät 1549 für die Zulassung zum Baccalaureatsexamen die Beibringung von „praeceptiones et instituta" auch der hebräischen Grammatik vorschreibt35), während in Freiburg das Hebräische nur für die Magistranden obligat war36). Eine Ausnahme unter den Universitäten machte Köln (gegründet 1388), die Hochburg des Obskurantentums. Heinr. Veucht erklärte im Jahre 1544, daß in der Zeit, in welcher er Student gewesen, weder Griechisch noch Hebräisch an der Universität gelesen worden sei37). 30) D. H. Arnoldt, Ausführl. Historie der Königsbergischen Universität. Königsberg 1746. Th. 2, S. 346/47. 31) O. Krabbe, Die Universität Rostock im 15. und 16. Jahrh. Rostock u. Schwerin 1854. S. 548. 32) ebda, S. 605. Vgl. Paulsen, I, S. 233/34. 35) „De modo legendi hebr. brevissima institutio", Argent. 1525, und „Hebr. gramm. institutio", Basil. 1547. Steinschn. 1946/47. Melanchthon urteilt über ihn: „Stancarus ist in Ebräischer Sprach wohl gelahrt". Brief an Christian III. v. Dänemark. 30. Okt. 1553. Corp. Ref., VIII, S. 166. 3*) Urkunden Tübingen, S. 181. 190. •») J. F. Hautz, a.a.O. I, S. 423. Dort auch eine Strafandrohung für durchgefallene Kandidaten, die ihre Examinatoren bedrohten oder sich persönlich an ihnen vergriffen. 36) Universitätsstatuten 1548: „ut studiosi ad linguarum praelectionem audiendam adhortarentur (!), magistrandi quidem ad hebraeam, baccalaureandi autem simulque magistrandi ad graecam". C. Zell, De studio Graecarum Latinarumque literarum, quäle per saeculum 15. et 16. in academia Alb. Ludov. viguit. Freibg. 1830. S. 12. S. o. A. 11. 37) L. Ennen, Geschichte der Stadt Köln. Köln 1863 ff. Bd. 4, S. 68. III

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