Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2259275-2259293-2259296-2261446--3828-2261506- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft ia Deutschland im Zeitalter des Humanismus sie sei leichter erlernbar als die klassischen Sprachen17). Bei allem Lob der Herrlichkeit der Sprache kommt er in seinen Ausfällen immer wieder auf die Betrugsmanöver, die Schluderei der Rabbinen zurück18), um schließlich Gott zu bitten: erhalte deine heilige Sprache und erwecke ihr treue Lehrer, die sie rein und unbefleckt von den jüdischen Irrtümern und ihrem Schmutz fortpflanzen und verherrlichen. Forsters Abscheu ist nicht leicht zu überbieten, ebensowenig seine Agitationsmethode. Das Buch selbst entspricht nun wohl dieser Abkehr, ist aber ein Muster von Oede und Einseitigkeit. Forster weiß mit seinem Material nicht schöpferisch zu arbeiten, an Stelle der rabbinischen Autorität setzt er nur die willkürlichsten etymologischen Phantasien. Willkürlich versetzt und verwechselt er verwandte, auch nur der Figur nach ähnliche Buchstaben. Zu jedem der 1758 Worte liefert er auf fast 1000 Seiten Großquart einen ausgedehnten kritischen Apparat. So ist das Werk ein reines Reallexikon geworden und mehr noch: ein Kompendium der alttestamentlichen Theologie und eine Bibelkonkordanz. Das Grammatische beschränkt sich auf Aufzählung der Ableitungen unter jeder Stammform. Beispielsweise wird von & * (No. 681) die Bedeutung gegeben „rectum, aequum, planum fuit", auf die Verwandtschaft verwiesen mit den Verben und mW, H», -ic?3, it?«. Zur Begriffserklärung werden einige Dutzend Stellen aus dem Alten Testament zitiert, allerdings nicht in der Sprache Kanaans, sondern lateinisch. Unter der Ueberschrift „Inde nomina" folgen nun -litf-fc (planities), Dntfals Plural dazu, nitf;, der Eigenname ]} 1 tö ^. Die chaldäische Uebersetzung, griechische Parallelen aus dem Neuen Testament, lateinische aus Klassikern und Kirchenvätern folgen, ohne daß für den Benutzer die Ableitung klarer, der Begriffswechsel deutlicher wird. Ueberhaupt geht das Werk über den Durchschnitt der Schüler mit geringer Vorbildung und ohne ausgeprägten Lerntrieb hinaus. Es ist ein opus consummatum für Kenner, eine Raritätensammlung, in der alle Kommentatoren, mit Ausnahme der jüdischen, Aufnahme gefunden haben. Diese sind ein für allemal ausgeschlossen. „Das einzige wird von manchen nicht gebilliget, daß er in seinem Haß wider die Rabbinen zu weit gegangen, da er durch massigen und vernünftigen Gebrauch ihrer Anmerkungen manches Licht hätte erhalten können"19). Eins leuchtet ein: Wie bei Melanchthon und später bei Moller wird bei Forster die hebräische Sprache lediglich in den Dienst des theologischen Studiums gestellt. Erst durch die Theologie ist das Verdammungsurteil gegen die Rabbinen (s. Teil I, S. 182 f.) in die Bibelforschung hineingetragen worden; Reuchlin, Fagius, Münster haben es noch nicht gehabt, wohl aber finden wir es bei Melanchthon und Forster, die hierin einen Denktyp bilden. Seitdem gehen Bibelforschung und Sprachforschung getrennte Wege. 17) „Equidem non est alia (lingua) sub coelo, quae simpliciorem habet rationem declinandi etc." Forster, Bl. 9 a. Mit dieser primitiven Empirik setzte er sich in direkten Gegensatz zu Melanchthons Urteil. Vgl. Camerarius, S. 70: „multum et saepe collocutus est de eius linguae difficili et obscura tractatione atque notitia". 18) „Sordes et ineptiae Rabinorum", Forster, BL 9b; „inania somnia Rab.", ebda, Bl. 3a; „corruptelae Rab.", ebda, Bl. 8a; „horribiles blasphemiae contra Christum, contra intemeratam virginem Mariam . . . contra universam re- Tigionem Christianam, non parum etiam obscoenitatis et spurcitiae", ebda, B1.9a. 19) G. Th. Strobel, Nachricht von dem Leben D. Joh. Forsters. Nürnberg 1775, S. 31. — Wolf, II, S. 551. Schon der Anhang der Meditationes hebraicae des Johannes Isaac (Jochanan Levi, Exjude. Köln 1558; s. u. S. 116) enthält eine Kritik „contra confusissimum D. Johannis Fürsten Lexicon". F. L. Hoffmann, Hebr. Grammatiken christl. Autoren bis Ende des 16. Jahrh. i. d. Hamburger StadtbibL, Jeschurun VI., Bamberg 1868, S. 44. Eine weit schärfere Verurteilung mit dem Vorwurf, er habe die hebräischen Studien vielmehr gehindert anstatt gefördert, erfuhr Forster durch Schickards „Bechinath Happeruschim". Schnurrer, S. 112. 106