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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 102

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1932-01-01
Page
Seite 102 (sequence 3)
Language
German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus nommen wird. Seine eigenen bescheidenen Kenntnisse — nicht nur nach dem Urteil des aufklärerischen Halle im 18. Jahrhundert — machten bei der Bibelübersetzung die Unterstützung durch Aurogallus, Cruciger und Forster nötig. Wo er nichts besseres zu haben meinte, folgte er der Vulgata. Auch Melanchthons Kenntnisse reichten für den Jugendunterricht nicht aus, wie sehr er die hebräische Sprache verehrte, in ihr und für sie arbeitete4). Als er bereits in Matth. Aurogallus (s. Teil I, A. 111) den ersehnten geeigneten Vertreter des Hebräischen und geschätzten Kollegen gefunden hatte, wirkte er für das hebräische Studium durch Herausgabe des Textes der Klagelieder Jeremiae, des ersten beglaubigten hebräischen Textes in Wittenberg5). Der Zweck war aber weniger der sprachliche als der sachliche, aus dem Inhalt des Buches den gegenwärtigen Niedergang der Kirche und die Macht des Glaubens zu lehren (s. u. S. 108). In die gleiche Kategorie seiner editorischen Tätigkeit gehört die Herausgabe der hebräischen Grammatik des J. Avenarius (Wittenberg 1557) und der Konjugationstafeln des F. Titius6); zu Böschensteins hebräischer Grammatik 1518 schrieb er die Vorrede7). Ueber Melanchthons Ansicht von Sinn und Bedeutung der hebräischen Sprachstudien sind wir unterrichtet durch zwei Reden „De studio linguae Ebraeae"8), deren Inhalt folgender ist (unter besonderer Berücksichtigung der Rede von 1549): Melanchthon freut sich, daß er nicht vor ungebildeten und profanen Geistern spricht, sondern vor religiös interessierten. Aber auch diesen gelte die hebräische Sprache für barbarisch, für eine aussichtslose Sache ähnlich den ägyptischen Hieroglyphen. Sie fürchten, die Reinheit und Eleganz der lateinischen Diktion zu verlieren, wenn sie die Pfeif- und Zischlaute jener Sprache nachzuahmen versuchten, wenn sie mit schwerfälligen Sätzen ein Bild von der Unkultur jener Zeiten malen wollten. Diese Einwände pflegte nämlich Politianus seinem Freund und Gönner Picus v. Mirandola zu machen9), braica sunt genuina . . . Wan wir das Hebreische ergreiffen, so lassen wir Graeca und Latina fahren. Man muß also reden, wie man auff dem marckte redet". Tischreden, Weimar. Ausg., Bd. 2. 1913. S. 648. — Das Trachten nach dem Namen eines Trilinguis macht Celtes lächerlich durch Schilderang eines Narren „nomen qui gescit habere poetae / Nominibusque tribus nobilis esse cupit". Conr. Celtis Protucii Quatuor libri Amorum. Norimb. i502. 134 Bl. (Hl. 10). Bl. 37b. Desgleichen in den Epigrammen: „ingenuus quisquis titulis tria nomina sumit". Epigr. II. 63. Ausg. Hartfeider. Berlin 1881. S. 37. A. Masius (s. u. S. 107) war mit sich unzufrieden, „quod trium modo linguarum peritus". Brief des L. Geusius an M., Brügge 1540. Briefw. Ausg. Lossen, S. 8. Vgl. Teil I, A. 14, 130, S. 92, unten A. 11, 13. Dem Bedürfnis der Unterweisung in den drei Sprachen trug Rechnung das 1518 in Löwen von Hieron. Busleiden unter Assistenz von Erasmus gegründete Collegium trilingue, über das wir eine ausgezeichnete Darstellung in der Monographie von F. Neve, Memoire histor. et litter. sur Ie College des Trois-Langues ä l'Universite de Louvain (Mem. couronnes de l'Acad. Beige XXVIII), Brüx. 1856, besitzen. S. Teil I, A. 39. Paulsen (I, S. 129 f.) hat sich diese Quelle entgehen lassen. 4) „continuatio studii illius linguae'^. Camerarius, S. 70. 5) nirp n;j?-pn 1524. Wittenberg b. J. Klug. Bauch, S. 484. Steinschn. vacat. Ex.: Breslau Stadt-Bibl., Zwickau Ratsschul-Bibl. 6) Strobel. III. 2. S. 51 f. Ueber Avenarius s. u. S. 125. *) Corp. Ref., I. S. 54. S. Teil I, Anm. 69. 8) Die Reden 1546 Corp. Ref., XI, S. 708—15; 1549 ebda. XI, S. 867—77. 9) Pico di Mirandola (1463—94) sah in der jüdischen Kabbalah (s. u. A. 67) den Erweis der Uebereinstimmung von Judentum und Christentum. J. Burckhardt, Kultur d. Renaiss. (10. Aufl. Leipzig 1908) I, S. 216. Graetz, VIII, 102

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