Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Zur Geschichte der Juden in der Schweiz unter Kaiser Sigismund (1411-1437)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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M. Ginsburger. Zur Geschichte der Juden in der Schweiz unter Kaiser Sigismund (1411—1437) zu halten und bei sich sitzen und wohnen zu lassen, soviel sie wolle und ihr füglich sein werde. Dieselben Juden und Jüdinnen sollten dem Kaiser nur die halbe Judensteuer und den goldenen Opferpfennig zu geben verpflichtet sein. (Thomm en, 181, Nr. 157, I). Im Jahre 1429 wird laut kaiserlichem Schreiben vom 4. Dezember aus Pressburg der güldene Opferpfennig von Protonotar und Sekretär Kaspar Schlick einkassiert, u. z. von den Juden in Bern, Zürich, Luzern, Solothurn, Weingarten, Bremgarten, Bruck, Rütlingen, Zofingen, Mellingen, Baden, Aarau, Lentzburg, Zug. (Thommen, 225. Nr. 208, I, II.) Daß aber die Juden nicht nur Steuern und den goldenen Opferpfennig, sondern auch sonstige Abgaben zu leisten hatten, ersehen wir aus einem vom 2. Mai 1434 aus Basel datierten Briefe des Kaisers. Er war dem Bürgermeister und Rat und Bürgern dieser Stadt seiner Untertanen wegen Geld schuldig. Er schickte deshalb Boten an die Juden im Erzbistum Mainz, Köln und Trier, in Oesterreich, Savoyen und Regensburg mit dem Befehl, daß sie 7y2 Tausend Gulden bezahlen sollten, sei es an barem Geld oder auf Versprechen an St. Johannestag zu Sonnwenden. Conrad zu Weinsberg, Hans und Ulrich von Helfenstein, Reinhard von Niburg, Friedrich Wolfskell und Steffan von Lutzelbrunn begleiteten die Boten und waren ihnen behilflich bei der Einkassierung (Thommen, 264. Nr. 246, V). Diese Geldverlegenheit des Kaisers kam allerdings den Juden auch manchmal zu Gute, wie wir aus einer am 24. Februar 1434 ebenfalls zu Basel ausgestellten Urkunde ersehen können. In derselben heißt es nämlich, daß der Kaiser die Juden des Reiches zu sich beschieden habe, um ihn gleich seinen Vorfahren, die ihre kaiserliche Krönung zu Rom empfangen hatten, zu „ehren"; da habe der Jude Salman von Rheinfelden, wohnhaft in Zürich, seinen Sohn, Leo von Schaffhausen, zu ihm gesandt und ihm die verlangte „Ehre" erwiesen. Deshalb habe er dem genannten Salman, seinem Sohne Leo und vier fremden Juden, die bei dem genannten Leo gesessen und „in seiner Steuer" sind, ihren Frauen und Kindern und allem Gesinde die Gnade getan, daß sie alle dieselbe Freiheit haben sollten, welche die Juden im Bistum Constanz besaßen laut den vom Kaiser ihnen zu Chur und Constanz bewilligten Freiheitsbriefen, und zwar auf zehn Jahre. Die Fürsten und Untertanen des Reiches sollten die Jüden wider diesen Brief nicht beschweren, und Adel und Städte sollten sie nicht mit ungewöhnlichen Zöllen belegen (Thommen, 261). Am 20. März 1434 erhielten die Juden von Zürich, Schaff hausen, Winterthur, Bremgarten und Mellingen die gleichen Privilegien wie ihre Glaubensgenossen zu Augsburg, weil sie dem Kaiser anläßlich seiner Krömmg 1000 rheinische Gulden geschenkt hatten. (Thommen, 261/2; Nr. 244, II, III). Wenn wir uns nun noch fragen, wie es im einzelnen mit den Juden in den genannten Ortschaften unter der Regierung des Kaisers Sigismund verhielt, so ist zu bemerken, daß die Ortsbehörden, soweit dies die Urkunden erkennen lassen, im großen und ganzen mit ihren Juden schalten und walten konnten, wie es ihnen beliebte. Der Kaiser kümmerte sich im allgemeinen um derartige Angelegenheiten nicht. Für ihn war die Hauptsache, daß die Juden ihre Steuern und Abgaben regelmäßig entrichteten und an Leib und Leben nicht geschädigt wurden. Zürich machte von dem ihm vom Kaiser verliehenen Rechte, Juden in beliebiger Zahl aufnehmen zu dürfen, ausgiebigen Gebrauch. Zu den bis 1414 angesiedelten jüdischen Familien kamen 1419 noch Jöslin von Kolmar, seine Frau Gutlin, Salomon und seine Frau Olina, ihr Sohn Löwe, ihre vier Töchter, drei Knechte und zwei Mägde. Ohne Zweifel ist dies derselbe Salomon und sein Sohn Löwe bzw. Leo, die 1434 von Sigismund einen Freiheitsbrief erhielten. Löwe wurde 1435 in Schaffhausen als 80