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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 1
Article
Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde
Date
1932-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Maier Balaban. Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde dem Reichtum und dem Geschmack ihres Stifters zeugt- Die Türschnitzerei au der Lade stellt einen Wald mit mehreren Hirschen und Vögeln vor. Auch Popper hatte eine seiner Töchter, Rosa (Malka), mit Jonas aus Wien (Wiener) verheiratet und ihn in seinem Testament gleich anderen Schwiegersöhnen beschenkt33). Sehr reich war der Krakauer Jude Dawid Teodor Kozuchowski, dessen Söhne sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Askanas nannten. Wir besitzen sein Testament in hebräischer Sprache3*) und inzeitgenössischer polnischer Uebersetzung, die zu Gerichtszwecken angefertigt wurde35). Aus diesem Testament (1647) erfahren wir, daß eine seiner Töchter mit Föbus aus Wien (Wiener) verheiratet war, wogegen eine zweite (Bella) beim Tode ihres Vaters mit einem Sohne des Rabbiners Jakob Josua Falk verlobt war36). Kozuchowski hinterließ mehrere Häuser in der Judenstadt und ein glänzendes Geschäft wie auch sehr viel bares Geld. Mit dem Beginn des großen Krieges (1648) begann eine Flucht aus den östlichen Provinzen des polnischen Staates nach dem Westen; nach Krakau und Posen, wohin ohnehin infolge des Dreißigjährigen Krieges auch sehr viele Juden aus Deutschland sich geflüchtet hatten. Infolge des Elends und der Enge brach in Krakau eine Pest aus, die der Chronist Natan Hannover, der im Jahre 1651 (oder 1652) sich in Krakau aufgehalten hatte, beschreibt37). Mit dem Anmarsch der Schweden beginnt eine Flucht aus Krakau nach dem Westen, nach Schlesien, Mähren und nach Wien. Der Krakauer Rosen Jeschiba Abraham Buchner verlegte seine Schule nach der Kaiserstadt, bald kam hieher auch Reb Heschel, Rabbiner von Lublin, der gleichzeitig mit der Belagerung Krakaus durch die Schweden zum Krakauer Rabbiner erwählt wurde38). Mit dem Rabbiner kamen die reichen Bankiers und Kaufleute, unter ihnen wahrscheinlich die meisten „Wiener", die ja hier ihre Eltern oder Verwandten hatten39). Ein Teil der Flüchtlinge kehrte nach dem Friedensschluß nach Krakau zurück, um mit den verarmten Brüdern das Leben neu einzurichten. Die Fremden, auch die Wiener, suchten aber die unglückliche Stadt nicht mehr auf; die Einwanderung nach Krakau aus dem Westen, die fast ohne Unterbrechung Jahrhunderte gewährt und tausende von Juden aus Böhmen, Mähren, Oesterreich, ja aus den weitesten deutschen Ländern hieher geführt hatte, hörte in dieser Zeit gänzlich auf. Als aber 1670 über die Wiener Juden die Katastrophe hereinbrach, er- 33) Wojewodenbücher Bd. III, S. 2486, abgedruckt bei Balaban, Krakow, S. 272—273. 3*) Wettstein, Kadmonijot mipinksaoth jeschenim, S. 31—37, Nr. 12. 35) Wojewodenbücher, Bd. III, S. 1586—98, abgedruckt bei Balaban, Krakow, 1. Aufl., S. 189—202, 2. Aufl., Annex II, S. 547—552. 36) Friedberg, Luchoth Sikkaron, S. 7. 37) J e w e n M e z u 1 a h, Ed. Krakow 1896, S. 59. S8) Lewin, L., Judenverfolgungen im zweiten schwedisch-polnischen Krieg (in: Zeitschrift der historischen Gesellschaft f. d. Provinz Posen, XVI, S.81). 39) Balaban, Die Juden in Krakau bszaas der schwedischer Invasie (jüdisch: Jüden in Pojlen). Warschau 1930, S. 116—138. Dasselbe hebräisch in der Hazefira 1926, Nr. 49, 61, 67, 73 (Jehudei Krakau bymei Hakiwusch haschwedi 1655—1657). 5

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