Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Majer Balabaru Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde Jahre leihen Vater und Sohn auf Mamrane bei dem Magnaten Ferdinand Myszkowski insgesamt 46800 Gulden18), gleichzeitig bei dem Adeligen Lubowiecki 20 000 Gulden"), im Jahre 1644 bei Kochowski 27800 Gulden20) usw. Satt an Geld und Jahren, baute Reb Eisik im Jahre 1638 in der Judenstadt am Kasimir eine eigene Synagoge im Krakauer Renaissance-Stil21), die bis heute steht und den Namen des Stifters führt. Nach seinem Tode (1653) übernahmen seine Söhne und Schwiegersöhne, die mitsamt ihren Kindern und Kindeskindern durch anderthalb Jahrhunderte die Leitung der Judengemeinde innehatten, die väterlichen Geschäfte. Unter den Schwiegersöhnen führt Isaak ben David Wiener (Wiedenczyk), noch bei Lebzeiten seines Schwiegervaters, zahlreiche große Geschäfte auf eigene Hand durch. Im Jahre 1641 bestätigt der Adelige Peter Mieszalowski, daß er sein Pfand von Isaak Wiener zurück erhalten hat22). Im Jahre 1642 kauft Wiener von dem Vetter seiner Frau, Joseph Sohn Mosis, ein großes Haus23) und ein Jahr später ein zweites Haus von Markus Sohn» Samuels und dessen Frau Minde, Tochter des Baruch Morawczyk (aus Mähren)24). Im Jahre 1644 leistet Isaak einen Eid, daß er dem Adeligen Trzebinski das Pfand rückerstattet hat25), und im Jahre 1645 gibt er der Frau Susanna, Tochter des Adeligen Sarkala, die bei ihm für 1114 Gulden versetzten Pfänder zurück26). Im Jahre 1647 kauft er ein halbes Haus bei Nata Askanas und seiner Frau Chane27). Von seinen Söhnen Pinkas28) und Lazarus Wiener erhielt der erste das größte väterliche Haus. Während der Schwedeninvasion wurde aber dies Haus samt allen anderen Judenhäusern zerstört, wobei Pinkas um sein Vermögen kam. Nun war er gezwungen, das Haus für 5200 Gulden zu verkaufen. Die neuen Eigentümer, Lazarus und Markus Italiener (Wlochowicze), waren bei dem Adeligen Lipski verschuldet; dieser ersteht das Haus bei einer Subhastation und vermacht es testamentarisch den Bernardinern29). Die Vorsteher der Judengemeinde waren mit der Tatsache unzufrieden, aber auch die Patres hatten keine Lust, in das sumpfige Ghetto einzuziehen. Nun greift Lazarus Wiener, der Bruder Pinkas, ein, kauft im Jahre 1668 von den Bernardinern das Hau? zurück und rettet das väterliche Erbe vor den „Fremden"30). Noch reicher als Reb Eisik war Wolf Popper oder Bocian (Storch). Wie es scheint, war er der reichste Jude in Krakau, und sein Vermögen wird auf 300000 Gulden geschätzt31). Er führte seine Geschäfte in Breslau, wo er einen ständigen Agenten in der Person des dortigen Bürgers Teufel hatte32). Auch er stiftete im Jahre 1620 eine eigene Synagoge in der Judenstadt am Kasimir, die zwar nicht so groß wie die Jekelesische ist, aber immerhin von. 18) das., III, S. 240—246. 19) das., III, S. 248—249. 20) das., III, S. 448—449 und pg. 521. 21) Grotte, Deutsche, polnische und böhmische Synagogentypen im 11. bis 19. Jahrhundert (in: Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt a.M., Bd. VII/VIII, S. 65, Tafel XII). 22) Wojewodenbücher, Bd. II, S. 1758. 23) das., III, S. 212. **) das., III, S. 312. 25) das., III, S. 505 und 1737—40. 2«) das., III, S. 778. 27) das., III, S. 1302—04. Isaak Wiener hat einen Bruder Pinkus Wiener, der ebenfalls in Krakau verheiratet war und im Jahre 1637 dem Samuel Jakubowicz ein Haus verkaufte (das., II, S. 895). Aus Wien stammt der große Krakauer Kaufmann Samuel Rakuski (das., III, S. 1744). Rakus heißt auf Tschechisch und Altpolnisch: Oesterreich; somit ist Rakuski identisch mit Oestreicher. 28) das., III, S. 35. *>) Relationes castri crac. Bd. 95. B S. 1718. 30) Relationes u. s. Bd. 96 S. 249, am 4. Juli 1668. 31) M i c z y ri s k i u. s. 32) Ausführlich bei B a 1 a b a n, Krakow u. s. S. 271 ff. 4