Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2259275-2259293-2259295-2261315--3681-2261364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Majer Balaban. Das tetzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde Im Grundbuch über den Judengezirckh.....in der unteren Wörth anno 1632 sub numero 18 ist das Haus des Hof befreiten Juden Leib Crackhaw vorgemerkt. „Bis zum dritten Stockwerk ist es gemauert, nur das Vierte ist aus Holz. Das Haus ist zwischen den Häusern des Henoch Schik und des Abraham Einschilt in der Gassen, gegen den Prater über, gelegen"8). Einer der reichsten Juden in Krakau in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war Isak Jakubowicz (Sohn Jakobs) im Ghetto als Reb Eisik Reb J e k e l e s bekannt9). Schon sein Vater Reb Jekele wird in den Akten wie auch bei dem antisemitischen Schriftsteller jener Zeit, Pater Miczynski: Jakubek Bogaty, Jekele der Reiche, genannt und auf 50—80000 polnische Gulden eingeschätzt10). Er war mit Breindel Rappoport aus Lemberg, der Schwester des Abraham Rappoport, des Verfassers des EthanHaesrachi Tnisn }rrK verheiratet11), bekleidete seit seiner Jugend bis zum Jahre 1647 das Amt eines Gemeindeseniors (Parnas) und übergab dann dies Amt seinem ältesten Sohne Moses. Dieser Moses spielt eine gewichtige Rolle während des „großen Krieges", besonders während der schwedischen Okkupation in Krakau (1655— 1657), wie auch nach der Rückeroberung dieser Stadt durch das polnische Heer. Auch sein Bruder Nachman, der den Titel eines königlichen Sekretärs hat, wird in den Akten mehrmals genannt12). Reb Eisik Reb Jekeles betrieb einen ausgedehnten Warenhandel, befaßte sich aber viel, wenigstens bis zum Jahre 1630, mit Geldhandel und Wucher. Kleinere Summen lieh er auf Faustpfänder, am liebsten auf Preciosen, teure Kleider und Waffen, große Summen auf Mamrane13) und Wechselbriefe. Im Jahre 1622 wurde er von dem Krakauer Stadtrat Stanislaus Chudowicz vor Gericht geladen, weil er demselben zwei Mamrane, die als Deckung für irgendein Geschärt bei ihm deponiert waren, nicht aushändigen wollte. Beide Schuldscheine lauteten auf je 3000 Gulden und waren am 10. Dezember 1619 ausgestellt; der eine war zu Maria Lichtmeß 1620, der andere am selben Tage 1621 in Lublin fällig1*). Im Jahre 1624 steht Eisik in einem. Prozeß mit dem Krakauer Bürger Ignaz Freiherr; es handelte sich hier um eine Schuld dieses Bürgers von 6000 Gulden an den verstorbenen „Doktor Sefardi", der mit Reb Eisik verwandt war16). Das waren aber nur die Anfangsgeschäfte Reb Eisiks. Mit den Jahren steigen diese Geschäfte, und die verliehenen Summen erreichen viele Zehntausende polnischer Gulden. So bestätigt am 19. Juli 1643 der Adelige Andräas Tabura,. daß er von Reb Eisig die ihm gebührenden 10522 Gulden erhalten hat16). In diesem Jahre giriert Reb Eisik, zusammen mit seinem Sohne Moses, dem Adeligen Peter Zbijewski einen Wechselbrief auf 10522 Gulden1'). In demselben 8) Schwarz Ignaz, Das Wiener Ghetto, S. 183. Laut Wachstein, Inschriften, I, Nr. 461, ist Leib Cracau identisch mit Jehuda Leib Pollak und Bacharach. Er starb in Wien im Jahre 1657. 9) Balaban, Krakow, I, S. 255—266. In den Kahalakten des 17. und 18. Jahrhunderts finden wir sehr oft bei verschiedenen Namen den Zusatz: TlKl was in Reb Eisig Reb Jekeles aufgelöst wird. Einer seiner Familienangehörigen, Mose Reb Jekels, war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderte durch viele Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde und führte viele Kämpfe mit seinen Gegnern, die ihn zur Abdankung zwingen wollten. Siehe Balaban, Krakow, II, § 21 (im Druck). 10) Miczynski, Zwierciadlo Korony Polskiej, Krakau 1618, S. 39. Siehe meinen Aufsatz, Die Confiscierung eines antisemitischen Buches in Polen im Jahre 1618" (in Sonzino-Blätter Bd. IV). ") S. Buber, Ansehe Schern, S. 7ff., Nr. 12. 12) Archiv der Isr. Kultusgemeinde Krakau dd 19 XI 1657 und Staatsarchiv in Krakau: Relationes castri cracoviensis Bd. 90 pg. 92—93. 13) Lateinisch: Membrana, siehe Bloch, Der Mamran, ein jüdischpolnischer Wechselbrief (in: Festschrift für A. Berliner. Berlin 1903). ") Wojewodenbücher, Bd. I, S. 1687—91. 15) das., I, S. 1235—38. 16) das., III, S. 801—802. 17) das., II, S. 1750—52.