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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 2

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 1
Article
Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde
Date
1932-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Majer Balaban. Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde kauer Bürgerschaft stand in engen Handels- und Verwandtschaftsbeziehungen zu den Nachbarländern wie Böhmen, Mähren, Oesterreich und Preußen, was sowohl aus den Handelsregistern als auch aus den Zollbüchern der Stadt Krakau ersichtlich ist. Auch in der Kunst und Literatur finden wir darüber sichtbare Spuren2). Aehnlich wie bei der christlichen Bürgerschaft ging es bei den Juden zu; hunderte von Jünglingen aus dem Westen studierten auf den Talmudakademien eines Mose Isseries, eines Natan Spira oder Joel Serkes, und reiche Krakauer Juden verheirateten ihre Töchter mit jungen Leuten aus Prag oder Wien. Als im Jahre 1634 im Wiener Ghetto eine Pest ausbrach, erinnerte sich Simon Auerbach, Sohn Meschulam Selmans, daß in der Zeit, da er in der Jeschiba des Rabbi Natan Spira in Krakau studierte, dort ein von Mendel Bacharach verfaßtes Gebet zur Abwehr der Pest vorhanden war. Auerbach konnte sich aber dieses Gebets nicht entsinnen, und so mußte er ein neues verfassen, welches am 29. März 1634 in der Wiener Synagoge gesungen wurde 3). Auch zwischen den jüdischen Gemeinden beider Städte bestanden freundschaftliche Beziehungen. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts lieh die jüdische Gemeinde in Wien der Krakauer behufs Errichtung eines Spitals 800 Gulden, die erst im Jahre 1620 abgezahlt wurden*). In diesem Jahre zahlte die Krakauer Kahal Verwaltung (Spitals-Gabbaim) dem Juden Moses Goyczyn (Itschin) 700 Gulden zurück, wobei der Krakauer Kaufmann Mose Wiener (Wiedericzyk) vermittelte5). Unter den Wiener Juden, die in der Judenstadt „am unteren Werd" eine gewichtige Rolle spielten, finden wir mehrere Krakauer, die teils als Kaufleute nach Wien verzogen, teils aber geborene Wiener waren und nur Frauen aus Krakau hatten. Pinchas Ben Israel Horowitz6) z. B. hatte in Wien zwei Söhne: J e h u d a, der bei der Gründung der Judenstadt „im Unteren Werd" den siebenten Teil des Hauses zum „Gulden Schwan" erwarb und innerhalb der Wiener Gemeinde Bedeutung hatte, und Isaak, der, wie es scheint, nur geschäftlich nach Wien kam und hier am 20. Januar 1631 starb. Beide Brüder wurden nebeneinander begraben und ein Doppelstein ziert ihr Nachbargrab. Am obersten Giebel dieses Steines unterhalb eines Psalmenverses und oberhalb des Epitaphs lesen wir das Wort "pKip Krakau, das allein aus einem entsprechenden Satz erhalten geblieben ist7). 2) Kutrzeba-Ptasnik, Dzieje handlu i kupiectwa krakowskiego (Geschichte von Krakaus Handel und Kaufmannschaft). Krakow 1911. 3) Kaufmann, Letzte Vertreibung der Juden aus Wien, S. 31—32. *) Staatsarchiv in Krakow, Wojewodenbücher des jüdischen Gerichtes, Bd. I, S. 1785. Ich zitiere weiter nur „Wojewodenbücher". 5) Wojewodenbücher, Bd. I, 1786—87. 6) In den polnischen Akten wird er Israel Pinkus oder Pinkus Doctor genannt. Er stammte aus Prag, wo sein Vater Israel im Jahre 1572, sein Großvater Meschullam Selman 1550 starben, vgl. Hock-Kaufmann, Die Famüien Prags, S. 90. Pinkas erste Frau war eine Enkelin des Hohen Rabbi Low, die zweite, Mirjam, eine Schwester des Rabbi Moses Isseries. Vgl. Balaban, Dzieje £ydöw w Krakowie i na Kazimierzu (Geschichte der Juden in Krakau und am Kasimir), Bd. I, 2. Aufl. (1931), SS. 166 und 252, dort die genealogischen Tafeln. (Ich zitiere weiter Balaban, Krakow). Siehe auch H. Horowitz. Die Familie Horowitz in Prag. ZGJ Tschechoslowakei II 225—8. 7) Wachstein, Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien, I, Nr. 156 und 157. 2

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