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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 1

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 1
Article
Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde
Date
1932-01-01
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde Von Majer Balaban In seinem ausgezeichneten Werke „Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien" suchte David Kaufmann nach den Spuren der Wiener Exulanten und fand sie in vielen Gemeinden Deutschlands und Polens. Er suchte sie aber nicht dort, wo sie am leichtesten zu finden waren, d.i. in Krakau, und zwar deshalb, weil er keine archivalischen Untersuchungen in den polnischen Gemeinden anstellte und zu seiner Zeit keine Vorarbeiten dazu vorhanden waren. Zwar war bereits ein Jahr vor Kaufmanns Buch der erste Band von Dembitzers „Klilath Jofi" erschienen, aber dieser behandelte nur die Lemberger Rabbiner, und erst nach fünf Jahren (1892) sollte der zweite Band, der die Biographien der Krakauer Rabbiner umfaßte, erscheinen, wo hier und da Notizen über Wiener Juden (vielleicht auch Exulanten) verstreut sind. Auch die zahlreichen Arbeiten Wettsteins, die ausschließlich auf Krakau Bezug haben, enthalten einige Notizen über „Wiener und Oesterreicher", aber erst die Erschließung der Krakauer Staats- und Stadtarchive1) ermöglichte eine genaue Untersuchung der Wiener Einwanderung, wie auch all dessen, was sich daran schloß. Nun erfahren wir aus diesen Quellen, daß Wien und Krakau in ständiger Wechselbeziehung standen, daß viele Krakauer Juden in Wien wohnten und handelte» und viele Wiener Juden in Krakau ihren ständigen Sitz hatten und ihre Geschäfte betrieben. Während des großen kosakisch-tartarischschwedischen Krieges in Polen (1648—1660) flüchteten viele Krakauer wie auch sonst polnische Juden nach Wien, und nach der Vertreibung im Jahre 1670 wählten mehrere Wiener Familien Krakau zu ihrem ständigen Sitz. An der Hand meiner archivalischen Studien will ich hier in Kürze erstens die Wechselbeziehungen zwischen Wien und Krakau und zweitens ein Liquidierungsdokument der Wiener Judengemeinde aus dem Jahre 1670, welches sich in Krakau befindet, behandeln. I. Wechselbeziehungen zwischen Wien und Krakau im 17. Jahrhundert. Bereits im 16. Jahrhundert wohnten in Krakau außer den erbgesessenen deutschen und polnischen Bürgern viele Italiener, die zusammen mit der Königin Bona hierher gekommen waren. Auch aus Schottland und Holland kamen verschiedene Kaufleute nach Krakau, die oft für eine längere Zeit oder für immer dort blieben. Die Kra-!) Zur Orientierung über die Krakauer Staatsarchive siehe Kutrzeba, Katalog krajowego archiwum aktow grodzkich i ziemskich w Krakowie. Krakow 1907. Vgl. Encyclopaedia Judaica III, 274 f. 1 1

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