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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 269

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 4
Article
Hebraica aus Stammbüchern des 18. Jahrhunderts
Date
1931-01-01
Page
Seite 269 (sequence 7)
Language
German
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tischen, poetischen und epischen Inhaltes, überschauen. Er war es, der als Anhänger Hartwig Wesselys für die Gründung moderner Schulen eintrat, ferner ist die Herausgabe der ersten jüdischen Katechismen sein Verdienst. Leider ist es nicht möglich festzustellen, worauf die Beziehungen des Herrn Künhans zu solchen ehrwürdigen Männern beruhten; die weiteren Eintragungen aus den Jahren 1785 und 1786 geben keinen Anhaltspunkt für das Leben des Mannes, den Aboab, Pardo und Calimani als Freund bezeichneten. Außer den hier angeführten Hebraicis aus dem 18. Jahrhundert mag noch so manches interessante Blatt in den weiteren Stammbüchern der Linel-Sammlung verborgen sein, und der Forscher, der sich der mühseligen Arbeit einer Durchsicht dieser Bände unterziehen will, würde wohl reich belohnt werden. „Flamänder" als Spitzname. Von Max Grunwald. Nach einem Bericht über den „Ritus der portugiesischen Synagoge" aus Hamburg in der Allgemeinen Zeitung des Judentums 1838, S. 43, bezeichnete man die afrikanischen Sefardim als „barbariscos", die nordeuropäischen als „flamingos", wozu wir nach C. Roth (REJ 1930, p. 206) ergänzend bemerken können, daß in Italien die westlichen sefardischen Gemeinden „ponentini", die östlichen „levantini" genannt wurden. Ueber Ursprung und Wandlung dieser Bezeichnung „flamingo" mögen hier einige Daten folgen. Um die Wende des 16. Jahrhunderts kamen, wie ich in meinem Buche „Portugiesengräber" (S. 6) bemerke, sefardische Juden aus Flandern nach Hamburg. Sie ergänzten sich auch dorther, und Flandern wurde bei ihnen zugleich die Bezeichnung für Niederdeutschland, ähnlich dem englischen Dutsch für Holländer. Nach einer Mitteilung J. Cassutos sen. war bis in die neueste Zeit hinein bei den Hamburger Portugiesen die Bezeichnung „framengo" (Vläme) für jeden Fremden gebräuchlich. Noch heute bezeichnen die Juden in Marokko alle im Lande weilenden, aber nicht zum Lande gehörenden Glaubensgenossen, die meist aus Gibraltar, Portugal und Algerien, z.T. auch anderswoher stammen, mit dem Spitznamen „Flamencos". Selbst die eingeborenen Juden, die sich „de flamenco" (d. h. europäisch) kleiden, werden zuweilen so genannt (vgl. V. J. Horowitz, Marokko, S. 59). Aehnlich wurde von den Hamburger Juden jeder Jude von jenseits der Elbe als „Pollek" bezeichnet, im Orient jeder spanische Jude als „Frenk". In Sevilla heißen die Zigeuner, die in Granada „gitanos" (Aegypter) genannt werden, „Flamengos". Daher der Name des bekannten Tanzes. Auch hier liegt wohl der Gedanke an ihre Fremdheit zugrunde. Waren doch zahlreiche Vlämen als Künstler und Gewerbetreibende in Spanien eingewandert. Von Prag erzählt E. H. Kisch in seinen Erinnerungen („Erlebtes und Erstrebtes", S. 52), daß man den tschechischen Mob, dessen Attacken auf das Ghetto die jüdischen Lastträger abschlugen, „Flamänder" nannte. H. Scholz, „Die Dörfler", hat S. 42 ff. ein ganzes Kapitel „Die Flamänder". Er erzählt: „Wie die Chronik berichtet, sind vor Zeiten in unser Ländchen (das schlesische Gebirge) flämische Tuchmacher gekommen, die man die Flamender nannte. Da sie keine Seßhaftigkeit hatten, waren sie auch nicht sonderlich geachtet, und als sie später wieder fortzogen, geschah es, daß man jeden, der gleich den flämischen Tuchmachern so heimatlos daherwanderte, einen „Flamender" nannte. Hauptsächlich aber meint man damit die Landstreicher und Bettelleute". (Tuch in „Faländschen", d. h. „Flandrisch Tuch", zu verkaufen, war 1797 den Juden in Lissa erlaubt, vgl. Gesamtarchiv der deutschen Juden, Mitt. IV 1923, S. 89.) Auch in die Mark Brandenburg kamen Vlämen als die ersten Bandwirker. In Schlesien hat sich aber bis heute der jedem Schlesier geläufige Ausdruck „Flaumpauer" für einen ungeschliffenen Menschen erhalten. W. Schremmer (Schlesische Volkskunde, S. 2) bemerkt dazu: „Flämischer Bauer (Erinnerungen an die erste Besiedlung?)." Das Fragezeichen verrät nach den obigen Ausführungen eine überflüssige Vorsicht. Aehnlich werden in übertragenem Sinne gebraucht: Abderiten, Amalek 269

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