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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 266

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 4
Article
Hebraica aus Stammbüchern des 18. Jahrhunderts
Date
1931-01-01
Page
Seite 266 (sequence 4)
Language
German
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Vorbildes zu Werther, Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, am 12. September seine Devise „Unser Wissen ist Stückwerk" eintrug. Auch Weihnachten verbrachte der Student in der Heimat; denn am 23. Dezember 1755 schrieb der Musiker Johann Ferdinand Graefe, der braunschweigische Kammerrath und Vertoner anakreontischer Dichtungen, launige Verse in das Stammbuch. Hatte Giseke sein Studium anfänglich durch häufige Reisen unterbrochen, so blieb er seit dem Beginn des Jahres 1756 bis zum Ende des Jahres 1758 ständig in Jena, wo sich unzählige der dortigen Professoren in sein Buch schrieben. Es würde zu weit führen, alle Namen aufzuzählen und so mag es genügen, die wichtigsten derselben, vor allem jene, die für das Judentum von Bedeutung sind, zu erwähnen. Da findet sich der Philologe und Naturforscher Johann Ernst Imanuel Walch, dessen tiefe Frömmigkeit, verbunden mit der Liebe zu allem Schönen und Guten, ihm allgemeine Verehrung eintrug, der Theologe und Philosoph Friedrich Theodosius Müller, der Vorlesungen über die hebräische Sprache abhielt und im Stammbuch einen Vers aus den Psalmen hebräisch niederschrieb, sein Kollege Friedrich Samuel Zickler, dessen Entwurf der Kirchengeschichte des alten Testamentes bekannt ist, ferner der begabte Orientalist Johann Friedrich Hirt, dessen Schriften zum alten Testament und zur hebräischen Grammatik zu seinem Ruhme beitrugen, schließlich der hervorragende Naturforscher Philipp Ludwig Statius Müller, dessen Text zu Knorrs „Vergnügen der Augen und des Gemütes" seinen Namen bewahrt, weiterhin bedeutende Aerzte, Rechtsgelehrte und Historiker. Unterdessen besuchte Giseke in Halle den Leiter des dortigen Waisenhauses, den frommen und ehrwürdigen Wohltäter Gotthold August Francke, der die Worte eintrug: „Wenn Gott für uns ist, wer ist gegen uns?" Offensichtlich verließ Giseke, wohl nach bestandenen Examina, im Frühjahr 1759 die Universität; denn im Mai findet sich ein Erfurter Eintrag des dortigen Universitätsrektors und Theologen Johann Christoph Hunold, wenige Tage später der Name des 266 Nordhäuser Gelehrten Johann Andreas Fabricius, des im Pegnitzer Blumenorden als Ferando III. bekannten Literaten. Es muß dahingestellt bleiben, ob der junge Theologe in seiner Heimatstadt eine Anstellung fand, jedenfalls begegnen in der nächsten Zeit Einträge aus der Nähe von Braunschweig. So am 26. Juli 1760 aus Wolfenbüttel die des Archidiakonus Franz Anton Knittel, des Freundes von Lessing, dessen Frau die Besuche des herzoglichen Bibliothekars fürchtete, da die Disputationen der gelehrten Männer bis tief in die Nacht hinein dauerten. Erst im Jahre 1773 hat Giseke sein Stammbuch wieder hervorgeholt, um im Sommer in Rinteln Beiträge der dortigen Gelehrten zu erhalten, so des Professors der Rechte und Hofrates Johann Nicolaus Moeckert, des Altphilologen und Lessinggegners Johann Philipp Asbrand, der Theologen Gottfried Schwarz und Philipp OttoVietor. Im Oktober ist er kurze Zeit in Göttingen und sammelt Unterschriften. Da ist zunächst der eifrige Lessinggegner im Fragmentenstreit, Gottfried Leß, ferner aus Lessings Kreis der Bibliothekar der Universitätsbibliothek, der scheue, feine Dichter Johann Andreas Dieze; der Literarhistoriker und Begründer des „gelehrten Deutschlands", das Meusel fortführte, Georg Christian Hamberger, der berühmte Theologe Johann David Michaelis, auf welchen die historisch-kritische Betrachtungsweise des alten Testamentes zurückgeht und der jahrelang die Redaktion der Göttinger Gelehrten Anzeigen leitete, ferner der Prof. der Metaphysik und hebräischen Sprache, Johann Georg Heinrich Feder, dessen reiche literarische Tätigkeit ihn zu Göttingens bekanntesten Größen stempelte, schüeßlich der berühmte Altertumsforscher Christian Gottlob Heyne, der Freund Diezes und eifrige Mitarbeiter an den Gelehrten Anzeigen. Der Sommer des Jahres 1773 zeigt Giseke ebenso wie bereits der Juli 1772 in Pyrmont, wo er jedenfalls die Brunnenkur gebrauchte. Dort traf er mit dem dänisch-deutschen Historiographen Johann Heinrich Schlegel zusammen. Im darauf folgenden Sommer aber lernte er hier Moses Mendelssohn kennen, der ihm die schon angeführten Zeilen einschrieb. Auf der

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