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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 254

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 4
Article
Beitrag zur Geschichte der Juden in Oberhessen von ihrer frühesten Erwähnung bis zur Emanzipation
Date
1931-01-01
Page
Seite 254 (sequence 4)
Language
German
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Rosy Bodenheimer. Beitrag zur Geschieht« der Juden in Oberhessen in den Jahrhunderten der Neuzeit ein Gebiet mit starker jüdischer Bevölkerung, zeigt erst im 14. Jahrhundert die ersten Ansätze zu einer jüdischen Einwohnerschaft. Das braucht nicht Wunder zu nehmen, da die Wetterau als Reichsboden und uraltes Kultur- und Wirtschaftsgebiet für diese Frühzeit Bedingungen für jüdische Ansiedlung bietet, die der rauhe und unwirtliche Vogelsberg damals noch nicht abgeben konnte. Wenn die Juden in jener Frühzeit auch keineswegs jeder eigenen Landwirtschaft entbehrten, so waren sie doch bei der Struktur der damaligen Gesellschaft und Wirtschaft im wesentlichen auf Handel und Geldverkehr angewiesen. Ein Gebiet, das verkehrswirtschaftlich so gut erschlossen, relativ so dicht besiedelt war wie der alte Gau der Wetterau, bot ihnen andere Existenzmöglichkeiten als jenes noch dünn besiedelte, schwerer zugangliche Gebirge, dessen rein bäuerliche Bewohner ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse doch noch in weitgehendem Maße in der Eigenwirtschaft befriedigten13). In Münzenberg gab es bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahnhunderts eine jüdische Gemeinde1*). Im Jahre 1188, so berichtet Eleasar von Worms, müssen die Juden von Münzenberg unter Zurücklassung ihrer Thorarollen und Pfänder fliehen. Eine christliche Frau war an einem Platze, an dem Juden wohnten, in einen Brunnen gefallen. Man hatte die Juden beschuldigt, die Frau in den Brunnen gestürzt zu haben. Auch in Friedberg haben bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts Juden gewohnt. 1241 müssen die Juden der Wetterau nach der Reichssteuermatrikel dieses Jahres 150 Mark aufbringen, während vergleichsweise eine so alte Gemeinde wie die Wormser 130 Mark und die Speyerer 80 Mark bezahlt Jüdische Gemeinden in Assenheim und Nidda und auch wieder in Münzenberg sind für die Zeit Rudolfs von Habsburg bezeugt. 1303 gibt König Albert dem edlen Manne Ulrich von Hanau die Erlaubnis, die ihm vom König Rudolf verpfändeten Juden zu Münzenberg, Assenheim und Nidehe gleicherweise an die edlen Herren Philipp und Philipp von Valkenstein zu verpfänden15). Von den Judenverfolgungen des Jahres 1298 waren die Juden von Biedenkopf mit betroffen16), von denen des Jahres 1337 die von Büdingen und Friedberg. ") Walter Diemer, Die Besiedlung des Vogelsberges in Geqgr. Mitt. aus Hessen, hersg. v. Dr. W. Sievers, 5. Heft, 1909. — Friedrich v. Thudichum, Wettereiba, eine Gaugeschichte, in der Festschrift der juristischen Fakultät in Gießen zum Universitätsjubiläum 1907. ") Aronius, Regesten, Nr. 323 b — Vgl. Germania Judaica I und Julius Cahn: Ein Wetterauer Dynastenbrakteat mit hebräischer Umschrift (Zeitschr. f. Numismatik, XXXIII. Band, Heft 1 und 2). Cahm beweist bei der Beschreibung und Erklärung eines im Odenwald gefundenen Brakteaten mit hebräischer Umschrift vom Jahre 1180 in durchaus überzeugender Weise, daß der Dynast Kuno I. von Münzenberg (1151—1212) 1190 einen jüdischen Münzmeister. David ha-Cohen gehabt hat. 15) H. E. Scriba, Regesten der bis jetzt gedruckten Urkunden zur Landes¬ und Ortsgeschichte des Großherzogtums Hessen Darmstadt 1847, 2. Abtv Nr. 651. ") S. Salfeld, a. a. O., SS. 276 u. 238. 254

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