Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 17)
- Language
- German
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Sara Schiffmann. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges falls ein größerer Teil der Bürger mit den Juden befreundet war, Mangel an Waffen den Schutz unmöglich gemacht zu haben6*). Der Erzbischof von Köln, Hermann III., war königsfreundlich65). Er wird also bestrebt gewesen sein, den Befehl des Königs auszuführen. Daß Hermann III. wie Johannes von Speyer die Juden in Befestigungen außerhalb Kölns unterbrachte, wird auf denselben Befehl zurückgehen66). Wie sich im einzelnen die Beziehungen zwischen dem Bischof und den Juden gestaltet haben, ist schwer zu sagen. Zur Zeit Annos II. erscheinen die Juden als seine Gläubiger67). Dem gefälschten Schied des Jahres 1169, der in die Jahre 1220—1230 gehört, glaubt Koebner entnehmen zu können, daß die Juden von jeher der Kirche unterstellt waren68). Das stimmt auch mit unserer allgemeinen Betrachtung überein. Doch ist dieses Moment nicht entscheidend für die reale Lage der Juden. Wir haben bereits gesehen, daß in Mainz und Trier die Juden trotzdem in unsicherer Lage waren und ganz von der Gunst des jeweiligen Bischofs abhingen. Wir können jedenfalls konstatieren, daß Hermann III. gewillt war, den Juden zu helfen. Daß er es nicht vermochte, scheint an seiner begrenzten Macht als Stadtherr gelegen zu haben, der nicht über entsprechende Mittel verfügte, den "Frieden in der Stadt aufrecht zu erhalten und die Juden außerhalb Kölns vor weiteren Ueberfallen und einem tragischen Ende zu bewahren. Für Regensburg und Metz besitzen wir in Quelle I nur kurze Berichte, die die Tatsache der Verfolgungen mitteilen, aber keinen näheren Aufschluß geben. Wir unterlassen es daher, die Haltung der Bischöfe in diesen beiden Städten zu untersuchen. Das Schicksal der Juden ist hier ähnlich wie dem anderer Städte gewesen: in Regensburg wurden sie getauft, in Metz fielen außerdem noch 22 Opfer. Wir sind am Schluß unserer Betrachtungen. Wir sahen, daß in Speyer das offenbare Interesse des Bischofs an den Juden wie die Sicherheit seiner Macht und sein tatkräftiges Eingreifen die Gemeinde vor Vernichtung schützte. Dagegen versagte in Worms, Mainz, Trier und Köln bereits vor dem Jahre 1096 der Bischof als Stadtherr. Wenn der Bischofsschutz in diesen Orten unwirksam wurde, so lag es nicht allein an der Uebermacht der Kreuzfahrer, sondern an der Schwäche der bischöflichen Macht und an deren jeweiligen Vertretern, die nicht 64) Auch in Köln brach im Jahre 1074 eine oppositionelle Bewegung gegen Erzbischof Anno II. aus, doch wurde sie bald unterdrückt. Wenn auch zu unserem Zeitpunkt die bischöfliche Macht in Köln gefestigt scheint, so war doch das aufstrebende Bürgertum eine Kraft, die sich gegen den Bischof durchzusetzen suchte. Siehe Koebner, a. a. O., S. 93 ff. 65) Seit 1085 als Kanzler für das deutsche Reich tätig, 1089 zum Erzbischof von Köln ernannt, auch weiter königsfreundlich geblieben. Vgl. Meyer von Knonau IV, S. 35 f.; 251; V, S. 68. 66) Johannes nennt ihn seinen Verwandten; Meyer von Knonau IV, S. 291. ") Aronius Nr. 164. <*) a. a. O., S. 141 f.; S. 117, Anm. 4. 249