Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2259275-2259288-2259292-2261217--3619-2261268- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sara Schiffmann. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges Der Kölner Bericht ist sehr kurz, so daß wir über den Verlauf der Vorgänge und Ereignisse im Unklaren bleiben. So ist es zunächst ungewiß, wer die „Feinde" waren, die die Synagoge schändeten und die Judenhäuser plünderten. Nach Albert von Aachen waren es die Bürger57). Dies steht aber scheinbar im Widerspruch zu den Angaben unseres Berichtes, der die Juden in die Häuser ihrer christlichen Bekannten fliehen läßt. Koebner schließt daraus auf das „einträchtige Verhältnis" der Bürger und Juden, was sich später „in der nachbarlichen Teilnahme der Juden am Schreinswesen in St. Laurenz und in der Ueberlassung eines Stadttores an die Judengemeinde" (1106) weiter zu bestätigen scheint58). Er spricht sogar von einer organisierten Selbsthilfe der Bürger, die unter sich einig werden, „die Juden einzeln bei sich zu bergen"59). Inwiefern wir von einer organisierten Selbsthilfe sprechen dürfen, läßt sich schwer aus unserem Bericht folgern. Gerade der Ausdruck „jeder bei seinem christlichen Bekannten" läßt darauf schließen, daß es sich vielmehr wie in Mainz um private Hilfe handelte. Nach dem Beispiel von Mainz läßt sich auch für Köln annehmen, daß das Bürgertum nicht gerade einmütig gesinnt war. Auch hier mögen reichere Kaufleute die Juden unterstützt haben, während die niederen Elemente sich gegen sie auflehnten. Damit würden wir auch dem Bericht Alberts gerecht werden. Warum aber unterließen es die Juden, wie in anderen Städten in den Bischofspalast zu flüchten? Gewährte seine Befestigung weniger Sicherheit als die Privathäuser, oder sprachen noch andere Gründe mit? Koebner betont den Mangel an „zureichender Rüstung der Stadtherrschaft"60). Er meint: „Der Kölner Erzbischof Hermann III. setzte angesichts dieser Mißerfolge [in Worms und Mainz] in die Sicherheit, die er seinen Juden gewähren konnte, von vornherein kein Vertrauen61)"- Bei dieser Lage werden die Juden die Privathäuser der bischöflichen Burg vorgezogen haben; tatsächlich hören wir auch nicht, daß sie dort überfallen wurden. Der Bischof griff erst nach dem Sturm auf die Judengasse ein, indem er die geflüchteten Juden auf verschiedene Orte seiner Diözese verteilte62). In der Tatsache der Verfolgung aber sieht Koebner mit Recht ein „ohnmächtiges Versagen des Erzbischofs in seiner Eigenschaft als Schutzherr und Herr der Burg63)", was wir schon für Worms, Mainz und Trier betont haben. Während aber dort die Bischöfe die im Innern wirkende Opposition nicht zu bezwingen vermochten, scheint in Köln, wo jeden- 57) Alb. Aquensis, Historia Hierosol. cap. XXVI: „Haec strages Judaeorum primum in civitate Coloniensi a civibus acta est: qiri subito irruentes in modicam mamim illorum, plurimos gravi vulnere detruncaverunt; domos et synagogas eorum subverterunt, j5lurimum pecuniae illorum inter se dividentes". 58) Richard Koebner, Die Anfänge des Gemeinwesens der Stadt Köln, Bonn 1922, S. 222, Anm. 2. 59) a.a.O., S.184. «°) a.a.O., S.174. «i) a.a.O., S.179. «2) Albert von Aachen läßt 200 Juden nach Neuß flüchten. «3) a.a.O., S.184. 248