Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 14)
- Language
- German
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Sara Schiffmann. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges vor dem Tode zu schützen. Als Anhänger Heinrichs IV.*8) wird er bestrebt gewesen sein, den Schutzbefehl des Königs, wie es Johannes von Speyer tat, auszufuhren. Dies ist auch aus dem Satz „bis der König ins Reich wiederkehrt" zu schließen. Zugleich aber zeigt dieser Satz, daß der Schutz des Bischofs nicht notwendig aus dem Schutzverhältnis des Stadtherrn zu den Juden folgte, sondern nur bedingungsweise gewährt wurde. Damit steht durchaus im Einklang, daß die Juden im Jahre 1066 aus Trier vertrieben worden waren19). Auch hier ist dieselbe unsichere rechtliche Lage der Juden wie in Mainz festzustellen. Selbst wenn es in Trier nur wenige blutige Opfer gab, so konnte doch die Zwangstaufe nicht verhindert werden, was bedeutet, daß der Schutz des Erzbischofs versagte. Er gab den Drängenden nach, ohne wie Johannes von Speyer ihnen Widerstand geleistet zu haben. Wir müssen uns daher fragen, welche Umstände hier in Trier den Bischofsschutz vereitelten. Daß Egilbert mit seiner kirchlichen Autorität nicht imstande war, die feindliche Stimmung der Bürger und auswärtigen Elemente (Landleute und Kreuzfahrer) zu beschwichtigen, ja selbst flüchten mußte, wissen wir bereits. Wir erinnern uns auch an die Bemerkung des Verfassers: „Große Angst hatte der Bischof, denn er war ein Fremder in der Stadt und hatte dort weder Verwandte noch Freunde". Egilbert stammte aus Bayern50), dazu kam die Schutz- und Machtlosigkeit der bischöflichen Person. Es scheint, daß der Bischof in diesem Augenblick ganz allein stand und selbst von seinen eigenen Ministerialen keinen Schutz gegen die Aufrührer erhalten konnte. Nun wissen wir tatsächlich, daß die bischöfliche Macht in Trier nur beschränkt und unsicher war. Schon im 11. Jahrhundert besaßen die Ministerialen mit dem Burggrafen an der Spitze die eigentliche Macht. Sie ermordeten sogar einen Bischof, der ihnen aufgedrängt wurde51). Sie empfahlen dem König einen neuen Kandidaten, und Egilbert selbst brauchte ihre Zustimmung zu seiner Einsetzung. Auch später hören wir wieder von der Uebermacht des Burggrafen52). Der hebräische Bericht läßt erkennen, daß auch zu unserer Zeit der Bischof nicht selbständig, sondern unter Mitwirkung von Ministerialen und Bürgern handelte; mit ihnen beriet er, wie die Taufe ohne Blutvergießen zu erzwingen sei. Er ließ vor der Zwangstaufe, wie wir oben sahen, seine Beamten und die angesehenen Bürger rufen, und in ihrer Gegenwart teilte der Kommandant53) den Juden mit, es stehe nicht mehr in der Macht des Bischofs, sie zu retten,, *8) Meyer von Knonau III, S. 188 f., 279 f., 578; Richard Martini, Die Trierer Bischofswahlen, Berlin 1909, S. 37 f.; über die Glaubwürdigkeit der Gesta vgl. Martini, S. 99 ff. ») Siehe Aronius Nr. 160. 50) Gesta Trev., a.a.O., S. 184, 3: „De optimatibus Baioariae". 51) G. Kentenich, Geschichte der Stadt Trier, Trier 1915, S. 127 ff. 52) Kentenich, a.a.O., S. 133f. *») paar» bv «ss nw comes de militia Treverensi; vgl. Kentenich, Einleitung zu den Quellen zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte der rheinischen Städte, Bd. 29 (Kurtrierische Städte I, Trier), S. 26. 246