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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 245

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 4
Article
Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
Date
1931-01-01
Page
Seite 245 (sequence 13)
Language
German
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Sara Schiffmann. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges Wahrheit des christlichen Glaubens zu überzeugen. Es gelang ihm auch, den Micheas ex illis legis doctor und mit ihm die ganze Gemeinde zum Christentum zu bekehren45). Wie Ruthard von Mainz versprach auch Egilbert, die Juden zu schützen, „solange noch eine Gemeinde im ganzen Reiche Lothringen übrig sei", oder, wie es richtiger heißen soll, „bis der König ins Reich wiederkehrt". Er nahm die Juden in seine Pfalz auf und predigte zu ihren Gunsten. Aber hier versagten wie bei Ruthard sein kirchlicher Einfluß und seine Autorität. Er wurde selbst mit dem Tode bedroht und mußte sich zwei Wochen lang verbergen. Daß die Trierer Juden schließlich doch vor Metzeleien bewahrt wurden und ihnen das Schicksal der Mainzer erspart blieb, war vor allem der befestigten Burg und der Treue der Ministerialen zu verdanken, die sie nicht im Stich ließen. Ferner ist zu berücksichtigen, daß die Verhandlungen des Bischofs mit den Juden sich lange hinzogen, was in diesen die Hoffnung nährte, Leben und Glauben retten zu können, dem Bischof und seinen Beamten aber Zeit gab, die nötigen Vorrichtungen zu treffen, um dem freiwilligen Tod der Juden vorzubeugen. Wahrscheinlich hat Egilbert die Verhandlungen absichtlich in die Länge gezogen. Er gab die Juden nicht der Willkür der Feinde preis, wenn er auch selbst in Gefahr schwebte; er fühlte sich durch sein Treuversprechen verpflichtet. Im Bewußtsein seiner Ohnmacht fragte er selbst die Juden um Rat. Er drängte nicht auf sofortige Entscheidung, da es ihm durch die Aussicht auf Zwangstaufe wohl gelang, die Kreuzfahrer vorläufig im Zaume zu halten. Das persönliche Ansehen 46), dessen er sich trotz seiner beschränkten Macht (s. u.) erfreut haben muß, und das Alter47), das ihn wohl vorsichtiger und bedachtsamer handeln und den Entscheidungstermin hinausschieben ließ, werden dabei mitbestimmend gewesen sein. Er hatte mit der religiösen Festigkeit der Juden zu rechnen; sie wurden „überlistet", man kam ihren Entschlüssen zuvor. Alle diese Tatsachen sprechen dafür, daß Egilberts Haltung darauf hinausging, Metzeleien zu vermeiden und die Juden zur Taufe zu überreden. In diesem Zusammenhang ist der Bericht der Gesta Treverorum besonders beachtenswert. Er unterscheidet sich von dem hebräischen Bericht durch die Behauptung, daß die Taufe aus Ueberzeugung geschehen sei. Er stimmt jedoch darin mit ihm überein, daß der Bischof sich bemühte, die Juden zur Taufe zu bringen, die hier wie in Worms die einzige Rettung zu sein schien. Egilbert war also ehrlich gewillt, die Juden 45) Doch fügt der Verfasser hinzu: „. . . aliis omnibus in sequenti anno apostantibus, iste adhaerens episcopo in fide permansit" (S. 191). 46) a. a. O., S. 189: — „Complura memoria digna de huius Egilberti probis actibus, quae per ipsum vel sub ipsius temporibus gesta sunt, seniorum relatione ad nostram noticiam devenerunt, quorum aliqua, siquidem vel aliquam eius memoriam cum pace ecclesiae fieri liceat in benedictione, curabimus insmuare". 47) a. a. O., S. 196: — „Ubi vero Egilbertus spiritum reddidit et Bruno ei in episcopatu successit, universa quae ille reconsignavit, iste resumpsit, dicens, nihil exinde ratum esse, quod ille infirmus et iam suimet impotens in novissima vitae suae hora constitutus fecerit". 2« 245

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