Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 12)
- Language
- German
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Sara Schiffmann. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges Peters von Amiens*2) wurden die Thorarollen, die die Juden verborgen hatten, geraubt und geschändet Die Juden selbst flüchteten zum Palast des Bischofs, der gerade abwesend war. Seine Beamten und Diener gingen mit den Juden, um den Angreifern Widerstand zu leisten, kamen aber zu spät. Sechs Wochen lang lebte die Gemeinde in Angst; durch Fasten, Beten und Wohltaten hoffte sie, das Unheil abwenden zu können, daneben aber sparte sie auch nicht an Bestechungsgeldern. „Am ersten Pfingsttage, auf den das Kirchweihfest fiel, kamen die Leute vom Rhein dorthin zum Markt. Da flohen die Frommen zum Bischofspalaste, Pfalz genannt, und die Mörder kamen und brüsteten sich des Mordes und der Vernichtung, die sie unter den Männern Gottes in den heiligen Gemeinden angerichtet hätten. Der Bischof kam ins Simeonsstift*3), um die Juden zu schützen. Als die Feinde die Worte des Bischofs hörten, die er zugunsten der Juden sprach, rotteten sie sich zusammen, um ihn zu schlagen. Da floh der Bischof in einen Raum der Kirche und büeb dort eine Woche. Da zog alles Volk zur Pfalz . . ., um sie zu erobern, was ihnen aber nicht gelang . . . Da zogen sie ab und wollten den Bischof im Simeonsstift umbringen; er aber war in großer Angst, denn er war fremd in der Stadt und hatte dort weder Verwandte noch Freunde. So vermochte er sie nicht zu retten". Nachdem der Bischof sich 15 Tage lang versteckt gehalten hatte, versuchte er, die Juden zur Taufe zu bewegen. Als er aber sah, daß sie fest blieben, gewährte er ihnen vier Tage Ruhe, damit sie ihrem Wunsche gemäß das Wochenfest in Trauer begehen konnten. In der Zwischenzeit, „drei Tage bevor ihnen die Zwangstaufe mitgeteilt wurde", wurden alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um einen Selbstmord der Juden zu verhindern. Auch kam der Bischof mit seinen Räten zu dem Entschluß, „bloß einen oder zwei umbringen zu lassen und dadurch die Gesinnung der übrigen wankend zu machen". Die von den Juden angebotenen Bestechungsgelder lehnte er ab. Am Tage, an dem die Zwangstaufe vorgenommen werden sollte, rief der Bischof die Vornehmen seiner Stadtleute und seine Beamten zu sich und schickte nach den Juden, um sie zum letzten Mal zur Taufe aufzufordern. Einige wurden getötet, doch die übrigen blieben standhaft. Die Beamten führten dies auf den Einfluß der Frauen zurück, darum bemächtigten sie sich zuerst dieser und brachten sie in die Kirche, um sie zu taufen. Ueber das Schicksal der übrigen Gemeindemitglieder erfahren wir durch die Gesta Treverorum **). Der Erzähler läßt Egilbert eine längere Predigt an die Juden im Palaste halten, um sie von der **) Er hatte einen Empfehlungsbrief der französischen an die deutschen Juden mitgebracht, ihn mit Lebensmitteln zu unterstützen, und war friedlich durchgezogen. S. über ihn Hagenmeyer, Peter der Eremite; Leipzig 1879; Meyer von Knonau IV, S. 486 f. *3) Mit dem sinnlosen pfc"'» nann kann nur das Simeonsstift (ps^'n) gemeint sein. Um 1045 war die Porta Nigra zum Simeonsstift ausgebaut worden. Es lag am Rande der Stadt und lockte viel Volk an (Marx, Geschichte des Erzstifts Trier, II, 2, S. 90f.; Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, IV, 2. Aufl., Berlin 1926, S. 341 f.). Auch am Kirchweihfest ist wohl das meiste Volk aus der Umgebung hier zusammengekommen, und daraus erklärt sich, daß der Bischof gerade hier predigte. **) MG SS. VIII, S. 190 f. 244