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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 243

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 4
Article
Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
Date
1931-01-01
Page
Seite 243 (sequence 11)
Language
German
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Sara Schiffmatm. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges daß er die widerstrebenden Kräfte des Bürgertums nicht zu bändigen vermochte. Ihm war es wie Johannes von Speyer nicht möglich, mit der ihm zur Verfügung stehenden Macht der Ministerialen erfolgreichen Widerstand zu leisten. Schon der lateinische Schriftsteller hebt hervor, daß eine Menge von Ministerialen zur Stelle war; er betont aber nicht die Ueberlegenheit des Kreuzfahrerheeres, sondern sagt zur Motivierung, daß „vielleicht Christen nicht für Juden gegen Christen kämpfen wollten". Dies wird aber durch das tatkräftige Eingreifen des Bischofs von Speyer und eines Stadtobersten in Wessel (?)S6) widerlegt. In beiden Fällen kämpften Christen gegen Christen und verhinderten so die Vernichtung der Gemeinden. Daß aber in Mainz mehr als 1000 Opfer fielen, lag wesentlich an der Person Ruthards, der den Lauf der Ereignisse nicht weiter zu hemmen suchte und nur um die Sicherheit seiner eigenen Person bemüht war37). Zwar hören wir von ihm, daß er die Ueb ergriffe eines päpstlichen Legaten38) und der Vögte39) in seiner Diözese abzuwehren suchte; vor dem König aber wich er zurück, ohne seine Rechte wahren zu können (s.o.). Wie am 27. Mai mußte er wenige Tage später auch in Rüdesheim dem Drängen der Kreuzfahrer nachgeben, obwohl ihm 300 Bewaffnete zur Verfügung standen. Ja, der Umstand, daß die Juden den eigenen Tod sowie den ihrer Kinder der Taufe vorzogen, weckte in ihm noch feindselige Gefühle und ließ ihn vollends die^ Waffen strecken. Die Schwäche der bischöflichen Macht gegenüber der Bürgerschaft und den Kreuzfahrern, sowie Mangel an Energie und Initiative bei Ruthard selbst haben den Untergang der Mainzer Gemeinde verschuldet. D. Trier: Erzbischof Egilbert (6. Januar 1079—3./5. September 1101)40). Ueber die Verfolgung in Trier berichtet uns Qu. I, S. 25 ff. auf Grund von mündlichen Traditionen. Wie im Mainzer Bericht, so ist uns auch hier der Verlauf der Ereignisse vor dem Ausbruch der Krise am 1. Juni nicht ganz klar41). Immerhin vermögen wir die Entwicklung in ihren Hauptzügen zu verfolgen. Auch hier schuf der Durchzug der Kreuzfahrergruppen zu Ostern eine feindselige Atmosphäre unter den Bürgern. Die Juden suchten ihre Feinde einzeln durch Bestechung umzustimmen, doch vermochten sie den Ausbruch von Feindseligkeiten nicht zu verhindern. Schon kurz nach dem Abzug 36) I, S. 28: Der Ort *?V1 S. 25 wird S. 28 8 bis geschrieben. *?V1 ist vielleicht die böhmische Stadt Wessel(i), s. Salfeld, Martyrologium, S. 151. Tykocinski, MGWJ 1913, S. 38, Anm. 1, und Dubnow-Festschrift, S. 154 ff. sieht darin die alte Bezeichnung für Halle a. d. Saale. 37) Auch der Brief Clemens* III. läßt Ruthard in ungünstigem Licht erscheinen (Monumen. Mogunt. ed. Jaffe, S. 378). Dagegen besagt die Untersuchung wegen des Vermögens der getöteten Juden nichts über seinen Charakter; er könnte als Stadtherr rechtmäßige Ansprüche erhoben haben. 38) Meyer von Knonau IV, S. 404 f., Anm. 24. 39) Stimming, a.a.O., S. 61. 40) Vgl. Hauck, a. a. O., S. 999. 41) Die Sprache ist unbeholfen, die Ereignisse sind nicht datiert. 2 243

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