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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 242

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 4
Article
Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
Date
1931-01-01
Page
Seite 242 (sequence 10)
Language
German
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Sara Schiffmann. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges willt, die Juden mit allen Mitteln zu schützen; im kritischen Augenblick aber versagte seine Macht und sein kirchlicher Einfluß. Das Kreuzfahrerheer drang mit Hilfe der Bürger in die Stadt ein. Die Bürger waren es, die das Tor öffneten und zusammen mit den Kreuzfahrern den Bischofspalast bestürmten. Schon kurz vor diesem Schicksalstage hatte ein Teil der Bürger, wie wir hörten, die Juden überfallen wollen. Auch früher hatte nicht immer freundschaftliches Einvernehmen zwischen den Juden und den Bürgern bestanden; so flohen 1084 nach einem Brande, bei dem die Häuser der Juden und eine christliche Gasse niederbrannten, einige Mainzer Juden „aus Angst vor den Bürgern" nach Speyer (I, S. 31). Wenn wir aber hören, daß die angesehenen Bürger 1096 die Juden zu schützen suchten, so wird es wohl die niedere Bevölkerung gewesen sein, die zu Ausschreitungen geneigt war. Die angesehenen Bürger, die "Primores, haben sicherlich damals mit den Juden, den wohlhabenden Kaufleuten, in Interessengemeinschaft gestanden32) und sind darum toleranter gewesen. In diesem Zusammenhang muß noch erwähnt werden, daß die Juden den Bürgern Schutzgeld zahlten und ihnen auch Geld zur Aufbewahrung übergaben, woraus später die Begräbniskosten für die gefallenen Opfer gedeckt wurden33). Einige von ihnen gewährten den Juden in ihren Privathäusern Schutz. Der Berichterstatter gebraucht in seiner Erzählung über die Verfolgung vom 27. Mai den allgemeinen Ausdruck „Bürger" (Ironim); darum sind wir nicht imstande festzustellen, ob auch jener Teil der Bürger, der ursprünglich zu den Juden hielt und ihnen Schutz versprach, schließlich auf die Gegenseite übergetreten ist. Jedenfalls haben wir feindselige Elemente von den gutgesinnten zu unterscheiden. Das Oeffnen des Stadttores durch die Bürger war zugleich ein feindseliger Akt gegen den Erzbischof. Das kann uns jedoch nicht in Erstaunen setzen, wenn wir uns an das Jahr 1077 erinnern; damals hatte Erzbischof Siegfried die Stadt verlassen müssen, weil die Bürger im Gegensatz zu ihm zu Heinrich IV. hielten34). Dasselbe wiederholte sich im Jahre 1105, als die Stadt sich weigerte, Erzbischof Ruthard wiede; aufzunehmen35). Die Macht des Bischofs als Stadtherrn war nun einmal durch widerstrebende Kräfte geschwächt. Als er gegen judenfeindliche Bürger zugunsten der Juden sprach, geriet er selbst in Lebensgefahr und mußte die Flucht ergreifen. Hier äußert sich am deutlichsten die Schwäche seiner Machtstellung. Nicht an der Uebermacht des Kreuzfahrerheeres lag es, daß Ruthard nicht imstande war, die Juden vor dem Fanatismus zu schützen, sondern daran, 32) Dasselbe haben wir auch für Worms und Köln anzunehmen. 33) I, S. 14. Koehne, Ursprung der Stadtverfassung . . ., S. 216 f., meint, unter den „Städtern" seien nicht Privatpersonen, sondern Stadtbehörden zu verstehen. s*) Meyer von Knonau III, S. 11 f.; Schrohe, S. 18 f. 35) Meyer von Knonau V, S. 246, Anm. 53. Von „F. camerarius, A. centurio, cum universis ministris ac civibus ibi manentibus" wird ein Schreiben an Heinrich IV. gerichtet; vielleicht läßt sich daraus entnehmen, daß schon 1096 Ministerialen und Bürger gegen die Juden einig waren und jene daher nur zum Schein Widerstand leisteten. 242

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