Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 7)
- Language
- German
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Sara Schiffmann. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges „Als der Frevler nach Mainz kam, um nach Jerusalem zu ziehen, gingen die Aeltesten des Volkes zu ihrem Bischof Ruthard und bestachen ihn mit 300 Silberstücken22). Seine Absicht war eben, die Dörfer zu bereisen, die dem Bistum unterstanden. Da kam die Gemeinde und bestach ihn und bat ihn solange, bis er bei ihnen in Mainz blieb". Bischof und Burggraf sagten ihren Schutz zu, wenn die Juden die Kosten trügen. Durch die Nachgiebigkeit des Bischofs und seiner Beamten ermuntert, suchten die Juden vergebens, auch Emicho mit sieben Pfund Gold zu gewinnen. Am Donnerstag (3. Siwan 27. Mai) zur Mittagszeit öffneten einige Bürger das Stadttor; die Kreuzfahrer drangen in die Stadt und bis zum Palast vor. Die" bewaffneten Juden, mit ihrem Vorsteher Kalonymos an der Spitze, leisteten den Kreuzfahrern und Bürgern vor dem Tore des Bischofspalastes hartnäckigen Widerstand. Doch ihre Kraft reichte nicht aus. Die Dienstleute des Bischofs flohen und gaben die Juden preis. „Auch der Bischof floh aus seiner Kirche23), denn sie wollten auch ihn töten, weil er zugunsten der Juden gesprochen hatte" (I, S. 6. 10v.u.). Als die Feinde sich der Zimmer bemächtigten, in die sich die Juden eingeschlossen hatten, fanden sie nur blutende Opfer; sie entkleideten und beraubten sie; keinen ließen sie am Leben. Sodann drangen sie in den Hof des Burggrafen und in Privathäuser, die Juden als Zuflucht gedient hatten, ein. 1014 Opfer24) fielen an jenem Tage. Nur wenige ließen sich taufen. 63 Juden, darunter auch dem Vorsteher Kalonymos gelang es zunächst, dem Tode zu entgehen25). „Sie waren durch die Gemächer des Bischofs entflohen und in das Kleiderzimmer der Kirche gelangt". Dort blieben sie solange, bis ein Bote des Bischofs, der zu jener Zeit in Rüdesheim weilte, sie mit 300 Bewaffneten auf einem Schiffe zu ihm brachte. „Den Bischof reute es aber bald seines Wortes". Er teilte Kalonymos mit, er Tiabe keine Macht mehr, sie zu schützen; ihre einzige Rettung sei die Taufe. Kalonymos und seine Gruppe beschlossen, insgesamt den Tod zu wählen. „Als der Bischof dies hörte, ergrimmte er und rief: Nun will ich euch wahrlich nicht helfen! . . ." Wir greifen diejenigen Tatsachen heraus, die das Verhalten des Erzbischofs beleuchten. Ruthard gewährte den Juden erst auf ihre 22) plpi — geprägtes Geldstück, anscheinend Solidus. Aus den Quellenangaben über Münzen (I, SS. 3, 5; III, S. 52) scheint sich unter Berücksichtigung von Kötzschke, Wirtschaftsgeschichte, S. 152, folgende Einteilung zu ergeben: Goldpfund (nnt bz' sna^), Silberpfund (na^) 20Solidi (D^pTpT) zu je 12 Denaren oder 12 Unzen zu je 20 Denar (T3,-7). In Maaseh ha—Geonim, S. 70 heißt es von der Kölner Messe: bv pipf ms^plS 2"- Kintf *fO (vgl. Zunz, Zur Geschichte und Literatur, S. 543). Danach müßte P1 p r Silberpfund bedeuten, was sich mit unseren Quellenangaben nicht vereinen läßt. [Ebensowenig ist das Verhältnis klar, wenn III, S. 52 die Bestechungssumme mit etwa 400 ö^sn (= media libra?) gleichsetzt. I. E.]. 2S) Schrohe, Mainz I, S. 22: „vermutlich aus dem Martinsdom". 2i) Die genaue Zahl in den Ann. Wirziburg. (St. Albani Mogunt.), MG SS. II, S. 246. Nach den Ann. Patherbr., hrsg. v. bcheffer-Boichorst, S. 103, waren es 900; die hebräischen Berichte nennen 1100 (I, S. 8) bezw. 1300 (II, S. 39). Vgl. dazu Aronius Nr. 185 und Elbogen, Philippson-Festschrift, S. 21. 25) Hier bricht III ab. 239