Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
- Language
- German
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Sara Schiffmann. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges feindselige Stimmung immer mehr steigerte, wie Angst und Verzweiflung immer mehr unter den Juden Platz griff, bis es dann endlich zur Katastrophe kam, das alles erfahren wir mit Klarheit und Deutlichkeit aus I und III18). Die Mainzer Gemeinde, die sich bei Beginn der Kreuzfahrerbewegung in Sicherheit fühlte (III, S. 47), geriet in Unruhe über ihr Schicksal, als die Kreuzfahrer sich näherten und ihre religiöse Stimmung sich auch den deutschen Fürsten, den Bürgern und dem Landvolk mitteilte. III weiß von Drohungen eines Dithmar (S. 48), I von denen Gottfrieds zu erzählen. Offenbar haben diese die Bevölkerung in starke Erregung versetzt, sie scheint schon am Anfang der Kreuzzugsbewegung in Deutschland zu Tätlichkeiten übergegangen zu sein. Den Kreuzfahrern, Bürgern und Landleuten war das Wunder mit der Gans ein willkommener Anlaß, über die Juden ^herzufallen. „Doch einige angesehene Bürger traten ihnen entgegen fünd hinderten sie, uns Schaden zu tun" (I, S. 4). Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen Kreuzfahrern und Bürgern, bei dem ein Kreuzfahrer den Tod fand. Das steigerte die Erregung gegen die Juden nur noch mehr; sie verließen ihre Häuser, suchten Schutz bei Christen und scheuten sich sogar, in die Synagoge zu gehen19). Daneben aber lassen unsere Berichte erkennen, wie die Nachrichten von den Verfolgungen in Speyer und Worms auf die Mainzer Juden gewirkt haben. „Die Häupter der Gemeinde, die beim Bischof in Ansehen standen, wurden bei ihm, seinen Beamten und Dienern vorstellig". Man erteilte ihnen folgenden Rat: „Bringt all euer Vermögen in unser Schatzhaus und kommt mit euren Frauen, Söhnen und Töchtern und all den Eurigen in das Haus des Bischofs, bis jene Kriegsscharen vorübergezogen sind; so könnt ihr euch vor den Kreuzfahrern retten . . . Der Bischof versammelte seine Beamten, hohe Fürsten, Freie des Landes, um uns beizustehen". Am 25. Mai belagerte Emicho20) mit einem Kreuzfahrerheere21) die Stadt, deren Tore vor ihm geschlossen waren. Zwei Tage lagerte das Heer vor der Stadt. 18) Die Einleitung von III bietet einige Tatsachen über die Mainzer Gemeinde, die wir in I vermissen. 19) Dieser Abschnitt steht in I und III unmittelbar vor dem über die Belagerung der Stadt durch Emicho. Der Vorfall ist nicht datiert. Der Verfasser schließt mit dem Satz: „Sie ließen ihre Häuser öde stehen, auch in die Synagoge kamen sie nur am Sabbath vor dem Neumondstage des Monats Siwan, es war der letzte Sabbath vor unserer Verfolgung" (24. Mai). Daran knüpft eine weitere Erzählung über die wunderbaren Vorzeichen der kommenden Ereignisse an, die uns das Vorgefühl und die Angststimmung der Mainzer Juden verrät. In dieser Erzählung wird schon vorausgesetzt, daß am 25. Mai eine Gruppe beim Bischof, eine andere beim Burggrafen war. Nach dem Zusammenhang des ganzen Berichts ließe sich annehmen, daß die Juden nach dem Zusammenstoß der Kreuzfahrer und Bürger zum Burggrafen und Bischof geflüchtet und dort bis zur Verfolgung geblieben sind. Danach müßte das Vorspiel also etwa eine Woche vor die eigentliche Verfolgung fallen. 20) Ueber Emicho s. Meyer von Knonau IV, S. 495, dazu Anm. 52. 21) Nach Ekkehard war sein Heer etwa 12 000 Mann stark. Hierosol., ed. Hagenmeyer, S. 126—128; vgl. Aronius, S. 87. 238