Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 4)
- Language
- German
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Sara Schiffmarin. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges richten blieb ein Teil der Juden in ihren Häusern, während andere in den Bischofspalast flüchteten. Die in ihren Häusern Zurückgebliebenen erlagen zuerst (am 18. Mai) dem Ansturm der „Feinde" (I, S. 2, und II, S. 38) oder, wie III genauer angibt, der Kreuzfahrer und der Bürger. Nur einige retteten ihr Leben durch die Taufe (II und III). Sieben Tage später (I und II) wurde die andere Gruppe im Bischofspalast überfallen. Qu. III läßt auch die Dorfbewohner der Umgebung an der zweiten Verfolgung teilnehmen. Die Zahl der Gefallenen wird in I und II auf 800 angegeben. Nur nach III ist die Aufteilung der Juden in zwei Lager zu verstehen. Die Bürger sollen ihnen persönlichen Schutz versprochen haben: „Denn wer einen von euch tötet, wird mit seinem Leben für euer Leben büßen" (III, S. 49). Die Wormser Bürger, mit denen zusammen die Juden die Gunst Heinrichs IV. genossen hatten, erscheinen auch hier zunächst als ihre Freunde in der Not. Doch ließ sich, der Erzählung zufolge, mindestens ein Teil von ihnen von den Kreuzfahrern beeinflussen und gesellte sich zu den Verfolgern der Juden. Für die Beurteilung der Rolle, die der Wormser Bischof bei diesen Ereignissen gespielt hat, liefern uns die hebräischen Berichte nicht so reichen Stoff wie für Speyer. Weder wird sein Name genannt, noch wird direkt überhaupt etwas über ihn ausgesagt. Nur aus zwei Stellen läßt sich ein indirekter Hinweis auf ihn herauslesen. Die eine berichtet die Tatsache der Flucht eines Teiles der Gemeinde in den bischöflichen Palast (Qu. I, II, III), die andere erwähnt einen Jüngling R. Simcha, der sich zum Bischof führen läßt14). Die erste Stelle weist auf den Bischofsschutz hin, die zweite auf die wahrscheinliche Anwesenheit des Bischofs in der Stadt. Aus dem Ablauf der Ereignisse läßt sich ferner folgern, daß der Schutz des Bischofs versagte; aus dem Stillschweigen der Quellen geht vielleicht noch hervor, daß der Wormser Bischof keine aktive Rolle gespielt, daß er wenigstens nicht wie Johannes von Speyer die feindselige Bewegung aufzuhalten versucht hat. Es ist auffallend, daß die Berichte, die sonst viel über die Bischöfe zu erzählen wissen, hier nichts auszusagen haben. Hingegen macht eine lateinische Quelle eine direkte Aussage über den Bischof. Wie über die Speyerer, so erzählt Bernolds Chronik auch von der Wormser Verfolgung. Die Juden flüchteten zum Bischof; dieser versprach ihnen Rettung, „wenn sie die Taufe annähmen". Dieser Satz läßt sich so deuten, daß der Bischof die Juden auf die Taufe als einzige Rettung vor dem 14) III, S. 50. „Ferner war dort ein Jüngling R. Simcha Hakohen, Sohn des Gelehrten R. Isaak Hakohen. Sie verlangten von ihm, sich taufen zu lassen ... Da antwortete der kluge Jüngling: ,Ich werde alles, was ihr wünscht, erfüllen; doch bringet mich erst zum Bischof4. Sie nahmen ihn und führten ihn in den bischöflichen Palast, auch der Neffe des Bischofs war dort anwesend ... Da zog der Jüngling sein Messer hervor und fiel wütend über den fürstlichen Verwandten des Bischofs her". Dieselbe Erzählung findet sich in II etwas verkürzt; in I fehlt sie. 236