Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 3)
- Language
- German
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Sara Schiffmann. Die deutschen Bischöfe und die Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges folgung beteiligten Bürger mit dem Abhauen der Hand ist wohl darauf zurückzuführen. Unser Verfasser hebt aber auch Johannes' frommen Sinn hervor; das könnten wir als subjektive Reflexion unbeachtet lassen, wenn es nicht auch in lateinischen Quellen betont würde9). Mitgefühl und Hilfsbereitschaft mochten ihm auch die besonders tatkräftige Hilfe diktiert haben, die er als der eigentliche Stadtherr zu leisten imstande war. Im Gegensatz zu anderen Städten hören wir in Speyer von keiner Opposition gegen die bischöfliche Macht. Diese wirkte hier mehr anregend als hemmend auf die Entwicklung der Stadt, und die Verbundenheit mit den Bürgern trug wohl besonders dazu bei, daß es Johannes gelang, die Gemeinde vor Vernichtung zu bewahren. Auf Befehl des Königs führte Johannes ferner die Juden in befestigte Orte außerhalb Speyers. Als treuer Anhänger Heinrichs IV. mochte er besonders bestrebt sein, dessen Befehl genau auszuführen, zumal sein eigenes Interesse mit dessen Absicht zusammenfiel. Daher ist wahrscheinlich, daß er es ohne Bestechung tat. Somit wird der Bericht unserer Quelle von allen Seiten bestätigt; der junge10) Bischof vermochte dank seiner Tatkraft, die Verfolgung in ihren Anfängen zu unterdrücken. B. Worms: Bischof?11) Auch über Worms weiß Quelle III (S. 48 f.) mehr als die beiden anderen zu berichten. Sie erzählt nicht nur die nackten Tatsachen, sondern gibt Zusammenhänge und auch eine lebendige Schilderung von Einzelheiten; auch hier wird die Erzählung, wie im Mainzer Bericht in den Quellen I und III, durch Reflexionen unterbrochen12). Die Berichte in I und II sind sehr kurz, stimmen jedoch in der Reihenfolge der Ereignisse nicht überein13). Nach allen drei Be- 9) Remling I, S. 319; Meyer von Knonau V, S. 206 f. 10) Ann. Spirens., Boehmer, Fontes II, 153. 1X) Wir vermochten nicht zu ermitteln, wer zu jener Zeit Bischof der Stadt war, ob Adalbert oder ein kaiserlicher Gegenbischof. Vgl. Baer, S. 84, Anm. 38; Caro, Wirtschaftsgeschichte I, S. 482. 1085 wurde Adalbert abgesetzt, und daraufhin wurde von Heinrich IV. eine Reihe von Gegenbischöfen für Worms ernannt. Wieweit diese sich als Stadtherrn durchzusetzen vermochten, wissen wir nicht. 12) Die Daten in III stimmen nicht mit denen von I und II überein; die Datierung der beiden letzten ist vorzuziehen, da sie auch durch die Elegie des Kalonymos ben Jehuda bestätigt wird. Die Beschuldigung der Brunnenvergiftung, die Bresslau ins 14. Jahrhundert setzt, wird von Porges als authentisch angesehen. Sie erst läßt uns den Ausbruch der ersten Verfolgung verstehen. 13) Beide Berichte erzählen von zwei Verfolgungen in Worms (am 18. und 25. Mai). Martyrium und Zwangstaufe, die in I bei der zweiten Verfolgung erwähnt werden, bringt II bei der ersten. Elbogen, Philippson-Festschrift, S. 17 ff., der darauf aufmerksam machte, entschied sich für die Reihenfolge in I: „Diese ist in I die natürliche, logisch begründete". Dies stimmt, insofern es sich um die Stelle II, 38, 4—8 handelt, die das Martyrium berichtet und sich besser in die zweite Verfolgung einfügt; dies wird auch in III und Bernolds Chronik bestätigt. Es ist aber auffällig, daß die Zwangstaufe in III ebenso wie in II ausführlich bei der ersten Verfolgung berichtet wird. Dagegen läßt sich nichts vorbringen, wenn auch einzelne Schilderungen in III dafür sprechen, daß auch zum zweiten Mal Zwangstaufen vorkamen. 235